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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-19 · 24 (19.6.1891) · p. Seite 448

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
24 (19.6.1891)
Date
1891-06-19
Page
Seite 448 (sequence 18)
Language
German
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Seite 448 durchaus origineller Denker. Alles entspringt denselben leitenden Gedanken; das scheinbar Entfernteste ist auf sie zurückleitbar. Es sind die urewigen Grundfesten des Judenthums, auf denen Jellinek sein Gebäude errichtet. Gewiß werden reiche Ehrungen zu seinem in Bälde bevorstehenden 70. Wiegenfeste vorbereitet. Er darf mit ihnen der Beruhigung entgegensehen, daß er sie alle wohlverdient hat, und er dürfte mit Schiller von sich sagen: „Mich fesselt keine Arbeit und keine Schranke Frei schwing' ich mich durch alle Räume fort Mein unermeßlich' Reich ist der Gedanke Und mein geflügelt Werkzeug ist das Wort! _ Theosophus. Briefkasten. Für die unglücklichen, aus ihrer Heimat vertriebenen ruffischen Juden sind uns von Herrn Josef Abeles in Wien, V., Grüngaffe 21 fl. 2.—, von Herrn Dr. Friedrich Koref in Prag (Sammlung) fl. 15.—, von Herrn Dr. I. Möller in Müglitz fl. 3.—, von Herrn Simon May in Alt-Kolin (Sammlung) fl. 10.— zugekommen. Elias RosenzweiQ, Turczowka: Wenden Sie sich an den Ehrwürden Oberrabb. M. Hirsch in Hamburg, welcher Ihnen bereitwilligst die gewünschte Auskunft ertheilen wird. I. H. Wien: Der 15. Juli 1878 war der 14. Tamus 5638 und fiel t uf einen Montag. 6. K. H: Das Inserat kostet per Einschaltung 50 kr. Simon Holitscher Wien: Deßwegen weil der Beamtenverein Ihnen eine Freundlichkeit erwiesen hat, sollen wir die antisemitischen Hetzereien seines officiellen Organes ungerügt hingehen laffen? Lin Beobachter Wien: Wir ersuchen um ihren Namen. Aufruf. Israelitische Glaubensgenossen in Oesterreich! Von unsäglichem Leid werden unsere Brüder in Rußland heimgesucht. Vom häuslichen Herde plötzlich vertrieben sind tausende jüdischer Familien' dem größten Elende preisgegeben. Kein menschlich fühlendes Herz kann sich diesem Jammer verschließen. Mit dem Geruhrtsein jedoch, mit der Klage allein ist nichts geholfen — nur die That kann nützen. Diese That aber, welche in Angriff zu nehmen die Pflicht d ergänzen civilisirten Menschheit, jedenfalls aber unsere, der Glaubensuud Stammesgenoffen, Pflicht ist, kann nur darin bestehen, daß die Auswanderung der Verfolgten aus dem Stiefvaterlande und ihre Ansiedlung auf geeigneten Boden gefördert wird. Die Frage, welcher Boden der geeignete ist, wird wohl in erster Linie von rein wirthschaftlichem Standpunkte, jedenfalls aber auch mit Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten, der religiösen und stammlichen Gefühle und der Wünsche der Auswanderer, entschieden werden müssen. Baron Hirsch, der unvergleichliche Wohlthäter, will nun, wie bekannt, Niederlassungen russischer Juden in Argentinien gründen. Ueber dieses edle und großartige Unternehmen, dem gewiß der beste Erfolg zu wünschen ist, soll jedoch eines anderen Colonisationsplanes nicht vergessen werden, der sicherlich nicht wenig Aussichten auf das Gelingen hat, sich der Billigung der Edelsten erfreut und jedenfalls um so mehr zu fördern ist, als ja das Hirsch'sche Project bei der ungeheuren Anzahl der Hilfsbedürftigen nur einen Theil derselben wird berücksichtigen können. Palästina und Syrien ist das geeignetste Gebiet für die Ansiedlung der heimatslosen Juden. Palästina-Syrien mit seinen fruchtbaren Thälern, in welchen köstlicher Wein und die herrlichsten Südfrüchte reifen, mit seinen weide- und getreidereichen Hochebenen (Syrien, die Kornkammer Asiens) mit seinen mineralienreichen Gebirgen und Seen, ist bei seiner gegenwärtig äußerst dünnen Bevölkerung das passendste Gebiet, um bei rationeller, örtlicher und zeitlicher Nr. 24 Eintheilung Millionen unserer verfolgten Glaubensgenossen aufzunehmen und ihnen eine gesicherte und geachtete Existenz zu gewähren. Zieht man dabei noch in Betracht, daß Palästina-Syrien den Auswanderern räumlich nahe liegt, daß es ferner zu einem Staate gehört, deffen Volk von sprichwörtlicher Gutmüthigkeit und dessen Herrscher, Sultan Abdul Hamid, ein milder, guter Monarch und ein Gönner seiner jüdischen Unterthanen ist und daß es schließlich jenes Land ist, nach welchem sich die Mehrzahl der russischen Juden in frommer Pietät hingezogen fühlt und wohin sie am liebsten geschickt sein will, so ist kaum mehr daran zu zweifeln, daß es sich für die Ansiedlung unserer unglücklichen Glaubensbrüder eignet, wie kein zweites. Was könnte übrigens mehr für die Trefflichkeit einer Sache angeführt werden, als der Erfolg? Diesen aber hat das Unternehmen der Colonisation Palästinas bereits in reichlichem Maße aufzuweisen. Als vor einem Jahrzehnte in Rußland die Aera verstärkten Judenhasses mit blutigen Judenhetzen begann, und schon damals tausende unserer dortigen Stammesgenoffen den Wanderstab ergriffen, wandte sich ein Theil derselben nach Palästina und begründete dort laudwirthschaftliche Colonien. Die in Rußland zur Unterstützung derselben gegründeten Vereine, namentlich aber auch der die Sache in großartigster Weise fördernde Baron Edmund Rothschild in Paris hatten bald die Genugthuung, die Früchte ihrer Mühe reifen zu sehen, indem die neuen Colonien über alle Erwartung blühten und gediehen. So konnte es nicht ausbleiben, daß, als die Lage der russischen Juden in den letzten zwei Jahren immer kritischer zu werden begann, der Colonisation Palästina-Syriens wieder erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Gegenwärtig breitet sich ein Netz von diese Colonisation unterstützenden Vereinen mit vielen Zehntausenden von Mitgliedern über die ganze Erde aus und in England und Nordamerika stehen die Vornehmsten und Besten, sowohl christlichen als jüdischen Bekenntnisses dem Unternehmen äußerst sympathisch oder direct fördernd gegenüber. Es seien genannt: Vor Allem Gladstone und der Präsident der Vereinigten Staaten Nordamerikas, Harris o n, dann Herzog von Westminster, Earl of Aberdeen, O b e r st l i e u t e n a n t Albert Goldsmid, Julian Goldsmid, Samuel At o n t a g u u. s. w. Israelitische Glaubensbrüder in Oe st erreich! Bleibet nicht länger hinter den Glaubensgenoffen anderer Länder zurück! Betheiligt Euch an dem großen humanitären Werke, unsere unterdrückten Brüder in Palästina und Syrien anzusiedeln, — an einem Unternehmen, dessen Gelingen außer Frage steht! In W i e n hat sich bereits vor mehreren Jahren ein Verein mit dem erwähnten Zwecke gebildet. Die letzten Wochen haben seine Existenzberechtigung klar genug bewiesen. Tretet diesem Vereine, dem „Admath Jeschurun", Verein zur Unterstützung der Colonisation Palästinas durch arme verfolgte Juden, unverweilt bei, oder gründet, wo es in Orten außerhalb Wiens thunlich erscheint, Zweigvereine desselben! Brüder! Zögert nicht weiter. Eure Pflicht als Menschen und Israeliten zu thun! Wien, im Juni 1891. Der Ausschuß des Vereines „Admath Jeschurun" in Wien. Spenden und Beitrittserklärungen werden angenommen von den Herren: Moses D. A l k a l a y, Chacham und Prediger der türk.- isr. Cultusgemeinde, II., Novaragaffe 27; Dr. jur. N. Birnbaum, II., Schreigaffe 6; Med. Dr. H. Goldbaum, VI., Gumpendorserstraße 61; Julius Götzl, Kaufmann, II., Lilienbrunngasse 15; I g n. Keßler, Kaufmann, I.. Stock im Eisenplatz 7; Ch. D. Lippe, Buchhändler, II., Praterstraße 13; S i g m. Rosenthal, Fabrikant, X., Kepplerplatz 4; Med. Dr. M. T. S ch n i r e r, XIX., Döbling, Hauptstraße 30. Pension. Handelsakademiker oder Sohäler einer Mittelschule wird von einem Gymnasiallehrer zur Erziehung und gewissenhaften Uoboi> wachnng in Pension genommen. Geneigte Anfragen an die Redaction des Blattes. Hesterreichische Wochenschrift Cafe Habsburg - Hotel Habsburg Ersten Ranges. Centrale Lage. IE3IeiT7’oxra,g*end.e SelxerLS’wvuxd.Ig'lsieit exxs! ‘X41 I., Rothenthurmstrasse Nr. 24s. KünstlerJsch ansgestattet. — Gemälde und Senlptnren berühmter Meister. — Preise massig;. IT. Seitz, Director.

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