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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-06-19 · 24 (19.6.1891) · p. Seite 434

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
24 (19.6.1891)
Date
1891-06-19
Page
Seite 434 (sequence 4)
Language
German
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Seite 434 Hesterreichifche Wochenschrift Nr. 24 Diejenigen aber, welche dieses Rechtsbewußtsein innerhalb der europäischen Völker zerstören, den Racenhaß schüren, die Raceninstincte wecken, zu Raublust und Verfolgungssucht allreizen, diese haben allen nationalen und confessioneUeu Minoritäten die Existenz untergraben. Der Czar ist ein gerechter Herr, er ist zwar kein Verehrer der Freiheit, desto mehr schwärmt er für die — Gleichheit unter seinen nichtrussischen Unterthanen. Schönerer, der unverfälschte Germane, ist ihm so lieb wie sein Urahn Schmul Leb Kohn! Und wenn Herr V e r g a n i in seinem Sonntagsartikel den Czaren befragt, warum seine Regierung gegen die deutschen Colonien in Rußland die grausamen Verfolgungsmaßregeln verhängt, so dürfte er antworten mit dem Hinweis auf — den Dienstagsartikel: „sie wird wohl wissen warum". Äus einem Briefwechsel. Wir hatten jüngst Gelegenheit, in eine interessante, zwischen einem Juden und einem Arier geführte Correspondenz Einsicht zu nehmen, die wir gewünscht hätten vollständig der Oeffentlichkeit übergeben zu dürfen. Indessen der streng private Charakter dieses Briefwechsels verbietet zunächst die geplante Publication. Nur einen einzigen markanten Passus aus einem dieser Briefe sind wir in der Lage, nachstehend zu reproduciren: „Ihr wollt mns unter Fremdenrecht stellen? Unter welches? Das Fremdenrecht des „nationalbeschränkten" alten Testaments, welches gebietet: „Du sollst den Fremdling lieben, wie Dich selbst„einerlei Recht sei Dir und Deinem Fremdling, der in Deinen Thoren weilt." Wenn aber „arisches" Fremdenrecht, das Recht, welches Ihr beansprucht oder welches Ihr gewährt? Das Recht, welches Ihr beansprucht mit zwingenden Gründen — von Pulver und Blei, die Herren zu sein im fremden Lande? Oder das Recht, welches Ihr dem Fremdling gewährt in Nächstenliebe, das Recht — ausgewiesen zu werden? Denn Ihr führt überall zweierlei Maß. Ihr reißt „im Interesse der Civilisation" ein Loch in die chinesische Mauer, um das Opium einzusühren, mit dem Ihr in Eurer Prosttwuth den Chinesen vergiftet. Will der Chinese aber das Loch benützen, um zu Euch zu kommen, so stoßet Ihr ihn zurück. Ihr haltet als Fremdlinge Versammlungen in Japan ab, um zu berathen, ob Ihr die! Gnade haben sollt, Euch den Rechten des Landes zu unterwerfen, in welchem Ihr lebt, ohne Pflichten zu haben. Ihr lebt in der Türkei, ohne Steuern zu zahlen — das genügt Euch nicht. Ihr eignet Euch durch Begründung von Postämtern die Einnahmequellen des Landes an, denn Ihr seid groß, und der kranke Mann ist klein. Eure Handlungsweise gegen den Fremdling ist nicht von Gerechtigkeitsliebe, sondern von Profitwurh dictirt. Ihr wollt den Neger befreien, aber könnt Euch nicht einigen, wie das geschehen soll — denn Ihr wollt Eurem schwunghaften Handel mit Schnaps und Schießwaffen keinen Eintrag gethan wissen. Und wie gottesjämmerlich sieht Eure Negerbefreiung aus. Diese Stanley, Jameson, Archiuard — eine schöne Sorte von Befreiern! In einer dem Fürsten Bismarck gewidmeten Schrift des Afrikareisenden Zöllner heißt es S. 145: „Ich lasse dahingestellt, ob der Leichtsinn, mit welchem die Eingeborenen ihren Grund und Boden verkaufen, etwa in dem Sinne ausgenützt werden könnte, daß später, wenn sie, was wahrscheinlich ist, suchen werden, einen Theil des Landes zurückzuerlangen, der Grundbesitzer zu ihnen sagt: „Ja wohl, mit Vergnügen, aber dann müßt Ihr auch entweder einen Theil Eures Grundstückes mit der von uns bezogenen Culturpflanze bestellen, oder Ihr müßt uns allmonatlich so und so viel Tage Frohndienste leisten." „Ferner lasse ich es dahingestellt, ob, sobald einmal an die Befreiung jener Sclaven gedacht werden sollte (!) . . ob man dann diese Sclaven etwa durch ein Stadium der Hörigkeit hindurchgehen lassen sollte. In diesem Stadium könnte ein Theil ihrer Arbeitskraft nutzbringend zum allgemeinen Besten verwendet werden.... Man könnte den Sclaven von Kamerun, falls (!) sie einmal befreit werden sollten und alsdann, wie das wahrscheinlich ist, um Grundstücke, bitten, sagen: „Da habt Ihr sie, aber dafür müßt Ihr arbeiten und Frohndienste leisten." „Wenn Ihr nicht arbeiten und keine Frohndienste thun wollt, so bekommt Ihr keine Grundstücke und müßt darben." Die „Ausnutzung des Leichtsinns", welche in einer dem Fürsten Bismarck gewidmeten Schrift so freundlich empfohlen ist, wird im Strafgesetzbuch als Wucher bestraft. Und das muß man Euch lassen, Ihr habt in Afrika vortrefflich zu wuchern verstanden. Von den 11 Millionen Quadratmeilen Afrikas gehören den Eingeborenen nur noch 2x/a Millionen. Den Rest habt Ihr „unter Ausnutzung" des Leichtsinns meistens gegen einige Flinten und alte Husarenjacken erstanden. Und wie steht es in America? Als man zur Beilegung des letzten Jndianeraufstandes den Sioux einen Vertrag vorschlug, antwortete einer ihrer Häuptlinge mit berechtigten Hohn: „Ihr habt 57 Verträge mit uns geschlossen, Ihr habt keinen einzigen davon gehalten." So tritt der „Arier" als Fremdling auf. Ein arabisches Sprichwort lautet: Die Söhne Japhets sind Könige, die Söhne Sem's sind Propheten, die Söhne Ham's sind Sclaven. Wahrlich ein tiefsinniges Wort! Als Könige, als Herrscher seid Ihr aufgetreten, als Herrscher und Eroberer. Darum ist jene Religion nichts für Euch, die sich an die Mühseligen und Beladenen wendet. Ihr habt den Namen derselben als Etikette auf EureKirchen geklebt, aber ihren Geist habt Ihr nicht in Euch ausgenommen. Hermann der Cherusker und Christus! Beide Ideale aber leider unvereinbare. Und der Hermann ist Euch leider congenialer. Der ist Euer Landsmann, Euer Stammesgenosse! Fremdenrecht heißt bei den Landsleuten Christi: Du sollst den Fremdling lieben wie dich selbst, einerlei Recht sei dir und dem Fremdling, bei den Landsleuten Hermanns ist der Fremdling Feind. Also was wollt Ihr sein: Christen oder Germanen? Beides zugleich geht leider nicht: christlich — germanisch ist ein Widerspruch. (S. Max Müller natürliche Religion S. 513.) Bischof Pap für die russischen Luden. In K o ut o v n hat der reformirte Bischof Gabriel Pap den nachfolgenden Aufruf für die russischen Juden erlassen: Die Liebe ist die edelste und beseligendste Empfindung des Herzens. Sie ist ein Ebenbild Gottes im Menschen, denn auch Gott ist Liebe und wer in Liebe verharrt, verharrt auch in Gott und Gott in ihm. Liebe ist eine Kraft,

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