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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-05-15 · 19 (15.5.1891) · p. Seite 361

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
19 (15.5.1891)
Date
1891-05-15
Page
Seite 361 (sequence 15)
Language
German
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9Sr. 19 Hefterreichische Nacheilschrift eite 361 Die kleine Sünderin war eben im Begriff, sich mit einer Nothlüge aus der kritischen Situation zu helfen, als sie sich der ihr dringend aus Her; gelegten Lehre des Guardians besann : „Lügen ist eine der größten Sünden, Du sollst nicht lügen!" und energisch, fast trotzig, stieß sie hervor: „Beim Geistlichen!" Gine schallende Dhrfeige und das erneute, drohende Bcrbot, das Kloster jemals zu betreten, war der Lohn für die »nlthige Befolgung des frommen Gebotes. Die kleine schlich von nun ab furchtsam um das Kloster und wagte nicht mehr, den Guardian aufzusuchen, welchem sein Liebling schon fehlte. Nachdem sie sieh mehrere Tage nicht bei ihm sehen gelassen. blickte er auf der Straße nach ihr ans und bemerkte, iv e sie sich scheu vor ihm verkroch. Gr ging auf sie zu und frtig schmeichelnd nach der Ursache ihres auffälligen Gebarens, Unter rhränen und Schluchzen erzählte die Kleine den grausamen Borfall nach ihrem letzten Besuch im Kloster. „'\d) komme doch wieder bald zu Dir," sagte sie trotzig. „Samstag muß der B.uer im Tempel vorbeten, dann steig' ich über den Sauu in Deinen Garten." „Nein, mein Herzchen, Ttl darfst jetzt nicht mehr zu mir kommen. Du mußt Deinem Bater gehorchen. Tn weißt ja, was das vierte Gebot befiehlt. Bitten aber darfst Du Deine Glteru, daß sie Dir doch erlaubcn mögen, ztl Deinem allen freunde zti gehen. Sage ihnen, der alte Guardian thut Dir und keinem Menschen etwas zu Leide, ob Fude oder Ghrist. Das wird sie milder stimmen. Geh' jetzt, ineine liebe kleine Maria", sprach er liebreich zu dem Kinde und sah der enteilenden kleinen Gestalt sinnend nach. Wie iveh der Kleinen auch das Herzchen that, ivenn sie am Gartcnzaune stand und drüben den guten Alten Herüberblicken sah, sie blieb fest. Den Bater bat sie nicht, dennsie wußte, daß es fruchtlos gewesen wäre. Greis und Kind blieben getrennt. Giumal aber, tief in der Nacht, weckten ein sonderbares (Geräusch, ein Lärmen und Laufen erst den Tcmpcldieuer und später die frommen Brüder ans dem Schlafe. Gs brannte! Fu einem Augenblicke waren die Mönche auf den Gängen, an den Fenstern. Nebenan war das Feuer — beim Fudeu — ihr Kloster war gesichert, dem konnten die flammen nichts . auhabeu, es war steinern. Der Guardian aber eilte, so schnell ihn seine alten Beine tragen konnten, hinunter, ließ sich die Pforte öffnen und sah nach, was geschehen war, wo er helfen konnte. Bor dem Hanse des Tempeldieners fand er ein wahres Ghaos: Mutter, Pater und Kinder iveincnd, ivehklagcnd, hell aufschreiend, ein Theil der ärmlichen Habseligkeiten im Halbkreise vor dem brennenden Hause aufgeschichtet, eine unthätig gaffende Menge, ein paar planlos arbeitende Leute, das Haus iu lodernder Flamme. Plötzlich schrie die Mutter entsetzt auf: „Miriam, wo ist sie!" Sie war im Hause geblieben. Da eilte der Guardian mit der Beweglichkeit eines Jünglings in das brennende Hans und erreichte, unter Ranch und Hitzemühselig alhmend, die Küche. „Maria! Maria!" rief er mit höchster Anstrengung. „Da, da," ächzte es halb erstickt ans der Stube zurück. Noch ein Augenblick der größten Anstrengung und der Guardian ivar mit dem Grinde aus der Straße und sank zusammen. Der Tag schien hell in die Zelle. Da schlug der tapfere Alte die Augen auf — sie sielen auf seinen Liebling, der unversehrt auf dem Stuhl saß und ihm heiter zulächelte. Sie deutete auf den neben ihr stehenden Bater, als wollte sie sagen: „Siehst Du, jetzt haben wir's doch durchgesetzt!" Und wirklich küßte ihm der arme, nun ganz verarmte Tempeldiener in überwallender Dankbarkeit die Hand, während der eben eintretende Prior sich zu der Bemerkung verpflichtet glaubte, daß bis Sonnenuntergang das Kloster von den obdachlosen Juden, die mnit hier zeitweilig untergcbracht hatte, geräumt feilt sollte. Die jüdische Gemeiitde nahm sich der Familie an. Durch Sammlungen wurde das Nöthige zur Herstellitug eines uothdürftigen Hausstandes aufgebracht. Die kleine Miriam sah in dem geschenkten Kleidchen jetzt sogar lieblicher aus als in ihrem früheren Gewände; wie gerne hätte sie sich darin ihrem alten Freunde gezeigt, aber sie wohnte nun so weit, ach, so weit weg von ihm. Sie wollte ihm jetzt auch etwas schenken, auch sie hatte jetzt Blumen in ihrem neuen Gärtchen, und die liebte er so sehr. Den Weg aus dem abgebrannten Hause über den Saiul wollte sic nehmen, die Blumen im Ktostergarten ans die Bank legen, ans welcher der liebe Alte immer saß und dann wieder still von dannen gehen. Hurtig legten die kleinen Füße den verhältnißmäßig weilen Weg zurück. Da stand sie auch schon mit ihrem Sträußchen im Klostergarten vor der Bank, als sie eine rauhe Stimme anherrschte: „Wo ivillst Du hin Wie ihr das kleine Herz pochte! Und doch antwortete sie ohne Zagen: „Das Sträußchen will ich nur hinlegen für meinen Geistlichen, dann geh' ich gleich wieder." „Nimm' die Blumen nur wieder mit," sagte kurz und trocken der Pförtner. „Deinem Geistlicheit kannst Du nichts mehr bringen, der ist heute Nacht gestorben." Gestorben? Bleich lind zitternd blickte das Kind zu dem Manue auf. Gestorben ' Za, sie hatte schon gehört, daß die Menschen sterben — sie werden dann in einen hölzernen Kasten gelegt, fortgctrageu lind kommen nicht ivieder : sie sind im Himmel, sagt die Mutter. Fetzt entströmten ihren Augen heiße Thränen und sie ging. Bor der Klosterkirche vorbeikommend, sah sie die Thüre derselben offen lind darin eine Aufbahrung. Znstinktiv trat sic ein, legte ihr Sträußchen auf die Bahre und sprach leise die Worte: „So, das-nimm mit in den Himmel, von Maria." E. v. AI. "gäriefttaften. ÜJou Herrn Moritz Edelstein, Lehrer in Viffa a E ist ums siir die geplünderten Inden in Stoboda-rnng. l st. zngefommen 'jBofa Staitfrev ^Vtnvicfr gSCati Lemberg ll'icu Perlobte. Tu'D Restaurations-Eröffnung Voll Charlotte Klein geb. Sonnenschein Bad Hall, Oberösterr, Nr 33. I St. Telepnon Nr. 4109. Gegründet lööO Telepnon Nr. 4109 äW 1L'2 "M» *pel'd?n>anmfai>viR von gütjtmutS» IJätatt Fabrik, Hauptgeschäft und Lomptoir Wien, Jrudokfsheim, (Xiv.) Kerkkotzgalkc 44 (im eigenen Hause) empfiehlt ihre anerkannt vorzüglichen mit den neuesten Hilssmafchiuen erzeugten Sekchware l als: Selchfleisch, Salami, Zungen, Speck und alle Arten tvurstwaren- Speeialitäten in haltbarer (Qualität. für den versandt nach alten Richtungen des ) i- und Anslandes zu den billigst gestellten Preisen. 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