Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 19 (15.5.1891)
- Date
- 1891-05-15
- Page
- Seite 347 (sequence 1)
- Language
- German
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Yr. 19. Wie«, 15. Mai 1891. Tin. Jahrgang. 9 ' Centralorgan für -ie gesammten Interessen des Iudenthnms. K ' —- ' - ====--=?r’ -Äl £. k. Postsparcasienamt i SrearingnerKeSeWr.819.97« Eigenthümer: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch. & ■; Man abonnirr bei allen Wokankalten de-? In- und Auslandes. s , Redaction u. Administration: Wien,! I., Aotveulhurmstrotze 39. » ■ . . -Ä Erscheint jeden Freitag. BczuczZvreis : Halbjabriq 4 st. Einzelneremplare 25, kr. ’ 24 u; c i ii c li: Tie 4 mal ^eilmltetic Peritzeile 42 kr. Ä » Anhatt: Leitartikel: Ein Wort für unsere Brüder in Korfu. Die Aktion der Abwehr. Tie Inden im russischen Heere. Berichtigung. „Nur die Inden arbeiten nichts." Gegen antisemitische Lehrer. In dem Vorträge des Tr. Gasrer über Gldad. General-Versammlung der Oesterreichisch-Israclitischcn Union. Publikationen des israel. (snltnsvorstands in Wien — (5 o r rei po ndelG e n : Wien. Budapen. Berlin. Paris. Moskau. — Vermischtes: Wien. Olmütz. Raab. Hessen. Berlin. stölit. Rnbnik. Baden. Bern. London. Paris. Neuseeland. St. Petersburg. — Fa in il i en b l at t: Eine ketzerische Liebe. Briefkasten. Inserate. Wien am 14. Mai. Hofrath Prof. Nothnagel, Rudolf Graf Hajos, Arthur Gundacker Baron Snttncr versenden eine Einladung zu einer Vorbesprechung für heute Abends bchnfs Gründung eines Vereines zur Abwehr dks Antisemitismus. Möge der Segen des Hirn melS auf dem Unternehmen ruhen._ Girr Wort für unsere Wrnöer in Aorfn. Während die Ereignisse in Korfu aller Orten das Mitleid der Juden für ihre dortigen Glaubensbrüdcr erwecken, übersieht man, daß denselben durch einen tatkräftigen, raschen Entschluß der gesammten Jndenheit leicht geholfen und ihr trauriges Loos auf die Dauer verbessert und sichergestellt werden könnte. Der Judenhaß : unserer Zeit reicht nämlich nur bis an den Geldbeutel. Sobald dieser in Frage kommt, zieht der grimmigste In- > denseind die Krallen ein und zeigt Sammtpfötchen. Auf diese Thatsache, welche sogar in Rußland ihre Bestätigung findet, stützt sich unser nachstehender Vorschlag. Alljährlich werden von den Griechen in Korfu Tausende Kisten von Paradiesäpfel (Eßrogim) nach Triest gebracht und von den Juden aller Länder zum Gebrauche am Laubhüttenfefte gekauft. Berechnet man die Verbreitung dieses Handelsartikels, wovon einzelne Exemplare mit 10, 20 und mehr Gulden bezahlt werden, so ergibt sich, daß Korfn eine sehr bedeutende Jahresrente oder einen Tribut von der Gesammtjudenheit bezieht. Diese Rente ist die Prämie dafür, daß die Griechen in Korfu alljährlich zu Ostern unsere Glaubensbrüder mit einer- Judenverfolgung bedenken, und sie mit allcn Schrecken und Aengsten des Mittelalters heimsuchen. Sollen wir diese Prämie weiterzahleu? Raffen wir uns zu einem Entschlüsse auf! Ueberlasseu wir die Eßrogim den g r i e ch i s ch e n I u d e n f e i n d e n in Korfu, und beziehen wir unsere Eßrogim von Palästina. Schon jetzt solten alle Rabbiner und Gemeinden die Zwischenhändler in Trieft von dem Entschlüsse benachrichtigen, daß s i e di e Eßrogim v o n Korf u z n r ückwei s e n, damit man in Tri e st Eßrogim von Paläst i n a e i n f ü h r e u n d f ü r d e r e n B e r b r e i t u n g Sorge trage. Diese Maßregel, wenn sofort und allseitig iu's Werk gesetzt, wird die Griechen zur Besinnung bringen. Sie werden einsehen lernen, daß die Inden nicht länger Eßrogim kaufen wollen, die in Gärten gezogen werden, welche mit dem Blute ihrer Glaubensbrüder gedüngt sind. Wenn die Griechen zu ihren Ostern alljährlich einer Judenverfolgung nöthig haben, so wollen wir ^es eimnal zu unserem Laubhüttenfesl mit einer Griechenverfolguug versuchen, die zwar harmloser und menschlicher als jene, aber für die Griechen gewiß nicht weniger empfindlich ist, denn diese scheinen, nachdem sie für die Sprache des Herzens unempfänglich sind, nur noch für die des Geldbeutels ein Ohr zu haben. Darum schon in die s e m Jahre keinen Eßro g m eh r v o n K o r f u! Möge n d i e orthodoxen Griechen d a s e l b st i h r e E ß r o g i m n a ch R u ß l a n d z u H e r r n W i s ch n e g r a d s k y s ch i ck e n a l s E r s a tz f n r die e n t g a n g e n e n 600 M i ll i o n e n R übel! Rußland und Ko r f u — sie sind eines des andere n w ü r d i g! Wien, 12. Mai 1891. Dr. il. Güdemann. Des Geschickes Mahnung. Inmitten der Aufregung, in welcher das civilisirte Europa wegen der abscheulichen und grausamen Perfol,zung der Juden im Ezarenreiche, der unbarmherzigen Austreibung derselben ans Moskau erzittert, bringt der Draht ans weiter Ferne vom stillen Ozean herüber die schauerliche Kunde von der Verwundung des erstgeborenen rnss. Ezareusohnes durch einen Meuchelmörder. Es hat dem Ezarensohne an genügender Bewachung nicht gefehlt. Als vor einigen Wochen der Thronfolger in einem indischen Hafen landete, war dieser Hafen vollständig abgesperrt, da die englischen Behörden ein nihilistisches Attentat fürchteten. Aber ein polnischer Jude drängte sich mit einer Bittschrift an den GroßfürsrThronfolger heran, und in dem Augenblicke, als der junge Prinz! die Landungsbrücke betrat, wollte der polnische Jude sein Bittgesuch überreichen. Der Großfürst Thronfolger meinte, einen verkleideten Nihilisten vor sich zu haben, er gerieth in große Aufregung und schoß mit dem Revolver auf den jüdischen Bittsteller. Jndeß, ein gläubiger Jude erhebt seine Hand nicht wider ein gesalbtes Haupt und die Nemesis erwählt sich andere Werkzeuge, um das Werk der Rache zu vollbringen. Nach Mittheilnngen ans Petersburg wurde das Altentat von einem fanatischen Japaner verübt, da Kioto, das bis 1858 auch die Residenz des Mikado war, eine „heilige Stadt" der Schintns und Buddhisten ist, die von keinem Andersgläubigen betreten werden soll. Das erinnert an Mos k a u, auch eine „heilige Stadt" wie Kioto, da sollten öo,0OO Juden vertrieben werden. Man har damit bereits begonnen und diese Maßregel jetzt nur sistirt, wahrscheinlich nicht aufgegeben, weil derZWesten des Welttheils sich dagegen erhob und der russische Ltaatscredit schweren Schaden erlitt. In der That wird man nicht fehlgehen, wenn man