Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 18 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- Seite 346 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Beite 344. H sterreichische Mochmschrifl Nr. 16. wärmsten Wünschen begleitet, schon gegen Abend nach Friedheim zurückkehren. Gisela war kaum noch eine Viertelstunde zu Hause, kam auch Wollner heim Es wunderte ihn natürlich n'cht, sie noch wach zu finden; nur schloß er aus ihren glänzenden Augen, daß »r etwas Neues über Karl hören werde. „Hat Karl vielleicht schon Papa gesagt?" fragte er. „Du verlangst zu viel. Anderswo habe ich heute freilich „Väterchen" sagen hören. Da sie die Stimme ihres Stiefkindes nachgeahmt hatte, ivnrde Wollner.aufmerksam, fragte jedoch nur zweifelnd: „Anderswo?" „Gewiß." „Bist du denn ausgefahren?" Sie hob leicht die Achseln. „Es schien mir als wolltest du meines älteren Kindes Stimme andeuten — wie wäre das aber möglich r" „Vielleicht doch!" „Wie du grausam scherzen kannst." „Nun ich will nicht länger grausam sein." Sie öffnete die Thür zu ihrem Schlafgemach, zog Wollner nach sich und er sah hinter Karls Wiege, an der gegenüberliegenden Wand, ein Bett stehen und der kleine Mensch darin sprang im Hemdchen auf und rief in seinen hellsten Jubeltönen: „Mein Väterchen! mein Väterchen!" Wollner zog stürmisch die Frau an seine Brust, konnte aber vor Aufregung kein Wort sprechen. Dann ließ er sie los, ging zu dem noch immer jubelnden Knaben hin, bedeckte ihn mit Küffen und von ihm weg trippelte er leise zur Wiege hin, um auch den Schläfer darin seiner väterlichen Zärtlichkeit theilhaftig werden zu lassen, aber die Mutter wehrte ihn ab, um ihren Liebling nicht zu wecken. Endlich gewann Wollner wieder die Sprache, er wollte Aufklärungen über die ihm gebotene Ueberraschung. Aber die junge Frau vertröstete ihn auf morgen, es sei spät und die Kinder müffen schlafen. „Mütterchen, — sie so zu nennen war ihm von der Großmutter aufgetragen worden — ich kann nicht einschlafen; ich habe noch nicht das Nachtgebet verrichtet," schrie der 'Gast. Und die junge Frau ging zu seinem Bette hin, liebkoste ihn und betete ihm vor: „Höre Israel, der Ewige unser Gott ist ein einig-einziges Wesen!" „Es schläft nicht und schlummert nicht der Hüter Israels." Der Knabe stammelte Wvrr für Wort nach, bis er dabei entschlief. Während dieses Vorganges stand Wollner versunken in Staunen. Dann trat er auf seine Frau zu und lispelte: „Du hast es heute angelegt, mich aus den Ueberraschungen nicht herouskommen zu lassen. Woher kannst du diese jüdischen Gebete? Und läßt dein Gewiffen es zu, sie zu recitiren?" „Ich will dir nun die letzte Ueberraschung machen. Ich bin heute Jüdin geworden!" „Mein Weib! mein einziges Weib!" „Wirst du jetzt mich und anser Kind ganz und voll lieben?" „Ich habe euch auch bis jetzt mit allen Fasern meines Herzens geliebt. Wenn «uere Aufnahme in meiner Religionsgemeinde das Band, welches uns umschlingt, fester knüpfen kann, ist es nur insoferne, als uns nunmehr auch der Tod nicht trennen wird." Notizen. (Wiener Nerstcherrrngs-Gesellschaft.) Die zehnte ordentliche Generalversammlung der Wiener Versicherungs-Gesellschaft wurde am 30. April unter Vorsitz des Berwaltungsraths Präsidenten Paul E. R. v. S ch o e l l e r abgehalten. Der vom Generaldirector Herrn F:iedrich Frank pro 1890 erstattete Geschäftsbericht constatirt, daß die Gesellschaft im abgelaufenen Jahre gleich den anderen in Oesterreich- Ungarn operirenden Affeeuranz-Gesellschaften durch das Zusammenwirk«! von außerordentlichen Elememarereigniffen, sowohl in der Feuer-, wie auch in der Hagelversicherung zahlreiche und empfindliche Schäden zu beklagen hatte, ohne daß dieselben trotz der um fast st. 400 000 erhöhten Prämieneinnahne den erwarteten Ausgleich gefunden haben. Insbesondere wird auf die häufigen Brandkatastrophen, sowie auf die im Monate August des verflossenen Jahres im In- und Auslande eingetretenen schweren Hagelschläge hingewiesen. Ter Vorstand spricht jedoch die Erwartung aus, daß, nachdem erfahrungsgemäß solche abnorm schadenreiche Jahre nicht so bald wiederkehren, die Geschäftsresulate unter normalen Verhältniffen um so befriedigender sein werden, als die Verwaltung bemüht sei, durch Reformen in den einzelnen Geschäftszweigen und durch weitere Ersparnisse in den Verwaltungs- und Acquisitionskosten die Erträgnisse günstiger zu gestalten. Ohne Berücksichtigung der Berwaltungskosten, Steuern, Gebühren und Abschreibungen im Gesammtbetrage von fl. 312.907 beträgt der Bruttogewinn in der Feuerbranche fl. 182.288, in der Transportbranche fl. 10154, wozu noch andere Einnahmen p> r fl. 96.700 kommen, während der Verlust im Hagelgeschäfte sich mit fl. 124.306 beziffert und beantragt der Vorstand in Uebereinstimmung mit dem Verwaltungsrathe, den in Berücksichtigung der Verwaltungskosten pro 1890 sich ergebenden Betriebsverlust von fl. 147.099 aus dem allgemeinen Capitals-Reservefonds zu decken und diesen daher mit fl. 13.547 pro 1891 vorzutragen. Die Generalversammlung, in welcher durch 30 Aktionäre 3479 Actien mit 347 Stimmen vertreten waren, genehmigte ohne Debatte ein>^immig die vorgelegte Bilanz, sowie den die Deckung des Betriebsverlustes betreffenden Antrag und wurde hiem.t geschlossen. (Wiener Kedens- «nd Renten-Ueestchernngsanstalt.) Unter Vorsitz des Verwaltungsraths-Präsidenten Paul E. R. von S ch o e l l e r und in Anwesenheit vor- 25 Aktionären, welche 85 Stimmen vertraten, wurde am 30. April die neunte ordentliche Generalversammlung der Wiener Lebens- und Renten-Versicherungsanstalt abgehalten. Nach dem vom Borstandsmitgliede Herrn Friedrich Frank pro 1890 erstatteten Rechenschaftsberichte beträgt der Ber sicherungsstand am Schluffe des Berichtsjahres 25-517 Millionen Gulden Capital und fl. 20.464 Rente gegen 22 925 Millionen Gulden Capital und fl. 18.507 Rente am Schluffe des Vorjahres, weist sohin einen reinen Zuwachs von 2 592 Millionen Gulden Capital und fl. 1957 Rente aus. Von dem mit fl. 78.734 ausgewiesenen Reingewinne gelangt, entsprechend dem Anträge des Vorstandes und des Verwaltungsrathes, nach Berücksichtigung der statutenmäßigen Abzüge der Betrag von fl. 65.000, d. i. fl. 13 per Aktie — 6V-> Procent, vom 1. Mai ab als Dividende zur Vertheilung, während der Gewinnrest von fl. 2136 auf laufende Rechnung übertragen wird. Mit der Wiederwahl des Revisions-Aus- »chusses schloß die Generalversammlung. (Priorttätrneonverstorr der Kart-Ludwig-Kahrr.) Der Prospectus für die zur Begebung gelangenden weiteren 20 Millionen Gulden der 4procentigen Ka l-Ludwig-Bahnprioritäten wuide publicirt. Die Subscription erfolgt gegen bai e Zahlung, als auch im Umtausch gegen die4'/2proceniigen Prioritätsobligationen, und werden Zeichnungen gegen bar am 12. d. M. und Umtauschanmeldungen von heute ab bis 12 d. M. entgegengenommen. In Wien nehmen die Unionbank, die Wechselstube der Unionbank und das Bank- und Wechslergeschäft der Niederösterreichischen Escompte-Gesellschast Anmeldungen entgegen. Als ausländische Zeichenstellen figuriren: in Berlin das Bankhaus Mendelssohn & Comp., in Frankfurt a. M. die Deutsche Effecten- und Wechselbank und das Bankhaus Gebrüder Bethmann, in Hamburg die Noiddeutsche Bank Für die Zeichnungen gegen bar beträgt der Subscriptionspreis gleichwie bei der ersten Theil-Emission 96 fl. für 100 fl. Nominale nebst den 4procentigen Zinsen vom 1. Jänner d. I. bis zum Tage der Abnahme. Die Abnahme der zugetheilten Stücke kann vom 20. d. M. ab gegen Zahlung des Preises geschehen. Der Subskribent ist jedoch verpflichtet, ein Fünftel der zugetheilten Stücke spätestens bis 25. d. M., zwei Fünftel der zugetheilten Stücke spätestens bis 10. Juni, zwei Fünftel der zugetheilten Stücke spätestens mit 30. Juni abzunehmen. Beträge unter 5000 fl. sind ungetheilt bis spätestens 25. d. M. zu reguliren. — Bei Umtauschanmellungen werden die 4procentigen Prioritäten gleichfalls zu 96 fl. in Anrechnung gebracht und überdies werden die 4Vrprocentigen Zinstn der zum Umtausche bestimmten Prioritäten bis 1. Jänner 1892 voll vergütet. Die Besitzer der Letzteren genießen demnach, obgleich die Obligationen am 1. Juli d. I. zur Auszahlung gelangen, noch durch das ganze laufende