Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 18 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- Seite 344 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 342 HesterreichLsche M-chmfchrift iKv. 18 Odessa, 10. April. Es steht eine Massenausweisung der Juden aus Moskau, sowie wahrscheinlich aus Kiew bevor, woselbst die Oberhäupter der griechischen Kirche die Anwesenhett von Juden für eine Profanation dieser geweihten Orte erklärt haben sollen. Die Polizei hält nächtliche Razzias in den Judenvierteln ab, verhaftet alle, die sich nicht legitimiren können, und schickt dieselben nach ihrer Bestrafung in ihre Geburtsorte zurück. Akerartdrieu. Die Erben des verstorbenen M. Bohor, M. Aghion haben aus dessen Nachlaß den Betrag von 50.000 Francs der israelitischen Freischule fiir Mädchen Alexandriens zum Geschenke gemacht mit der Bestimmung, daß im Falle der Schließung dieser Schule die Interessen so lange zum Capital geschlagen werden sollen, bis die Schule wieder eröffnet wird. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde hat zum Danke für diese hochherzige Schenkung beschlossen, eine Gedenktafel in der Schule anzubringen und dasäbst alljährlich zur Erinnerung an den betrauerten Präsidenten der israelitischen Gemeinde Alexandriens Jahrzett abhalten zu lasten. Luremburg, 19. April. Der Stadtrath genehmigte in seiner gestrigen Sitzung nach dem einleitenden Vortrage des Herrn Bürgermeisters Dr. A. B ra s s eur ohne Debatte e i n st i m m i g der jüdischen Gemeinde zum Bau der Synagoge ein Subsid von fünfzehntausend Francs. Kopenhagen. Die Synagoge in Kopenhagen wird elektrische Beleuchtung erhallen. Herr W. H e y m a n n, ein Mitglied der Gemeinde, hat 5000 Kronen zur Deckung der Kosten der Installation gewidmet. Athen, 2. Mai. Den Journalen zufolge haben in Zante anläßlich der Charfreitagsprocession Unruhen antisemitischen Charakters stattgefunden, wobei die Truppen von den Waffen Gebrauch machten. Das Panzerschiff „Miaoulis" wurde nach Zante entsendet. Marokko. Die „T'Lmes of Marokko“ berichtet: Die traurigen Gerüchte, welche seit 14 Tagen hier verbreitet sind, baben sich leider während der letzten Woche bewahrheitet, und es scheint nahezu gewiß zu sein, daß gegenwärtig viele jüdische Familien Heimat- und schutzlos unter den fanatischen Tnbus der nördlichen Abhänge des Atlas herumirren. Aus Briefen, welche Mitglieder der betroffenen Gemeinden geschrieben und von Marokkanern, welche von den fraglichen Districten ankamen, erfuhren wir, das alle Juden, welche in den Mellahs (Ghettos) von Emin Tanoot, El Loedjan und Att Abdallah wohnten, ungefähr 600 Seelen, gezwungen wurden, die Stätten, wo ihre Vorfahren seit Generationen ungestört wohnten, zu verlassen und anderwärts Unterkunft zu suchen. Da die Mellahs von Mogador und Marokko bereits überfüllt sind, so wissen sie nicht, wohin sie sich wenden sollen und halten sich gegenwärtig zerstreut unter den Mauren der Gebirge auf. Männer und Weiber, Greise und Kinder, alle mußten in einer Frist von 2 bis 3 Tagen auswandern und wurden durch eine Abtheilung Berittener über Auftrag des Kmd Membih mit Gewalt vertrieben. Jaffa. Die Arbeiten bei der Eisenbahn Jaffa Jerusalem schreiten rüstig vorwärts. Die Strecke Jaffa-Ramle ist bereits fertiggestellt und wird deren Eröffnung nächster Tage flattfinden. Die Strecke ist 40 Kilometer lang; die Gesammtstrecke Jaffa-Jerusalem beträgt 80 Kilometer. Ramle ist das alle Ramah, der Geburtsort Samuels. Australien Unter den verschiedenen Candidaten für Gemeindeehrenämter bei den Wahlen in Neu-Süd-Wales haben nachstehende Glaubensgenossen die Würde von Mayors (Bürgermeister) erlangt: Mr. S. Philipps in Dubbo, Mr. H. M. Joseph in Bombala, Mr. N. M Lazarus iy Queaubeyan und Aldermann Landauer in Cudal. Miss Sussie S. Solomon, Tochter von Mr. M. I. Solomon, Präsident der jüdischen Gemeinde in Adelaide, hat die Würde eines Bachelor of Science an der Universität dieser Stadt erlangt, indem dieselbe die Prüfung aus Physiologie mit Auszeichnung bestand. Sie ist die erste Jüdin, welche in Süd-Australien graduirt wurde. Jerusalem. Der neue Consul der Vereinigten Staaten, Dr. Selah Merill, wird demnächst hier erwartet. Seine Anwesenheit in Palästina wird zweifellos von nicht geringem Vortheile für die Juden sein, da derselbe von jenseits des atlantischen Oceans den Ruf eines ausgezeichneten Hebraisten mitbringt. M. E. Scheid aus Paris, welcher öfters im Aufträge des Barons Edmond de Rothschild als Jnspector der jüdischen Ackerbau-Colonien Palästina besucht, wurde vom Sultan durch die Verleihung der Insignien eines Commandeurs des Osmanie-Ordens ausgezeichnet, in Anerkennung der Dienste, welche derselbe der türkischen Regierung durch die Organisirung der erwähnten Colonien erwiesen hat. Familienblatt. Woche«- Mai 1891 Jjar 5651 Kalender Freitag 8 30 Samttag 9 1 Roschchodesch Q'ttHp Sonntag 10 2 Montag 11 3 Dienstag 12 4 Mittwoch 13 5 Donnerstag 14 6 I Freitag 15 7 Da« jüdisch» Stiefkind einer Christi«. (Schluß). Sie sah ihn an. „Und wirst mir von nun an mit dem allerfreundlichsten Gesicht entgegenkommen, wenn ich von der Stadt komme?" Die Frau schüttelte den Kopf. „Das verspreche ich nicht," sagte sie, „aber ich danke dir für das immerhin Gute und Liebe, was ich eben gehört habe. Fahre nur, ich will mich nun schon gewöhnen." Sie brach ab und horchte. Ihr eben noch lächelndes Gesicht bekam einen Zug der Sorge; nach der Thür des Schlafzimmers eilend, rief sie angstvoll: „Hörst du den Husten?" Der Anfall war jedoch schon wieder vorüber, als auch Wollner an die Wieae trat und bald schlief das Kind wieder einen gesunden Schlaf. Es wäre jedoch ein Jrrthum, zu glauben, daß die junge Frau nun in ihrer Meinung von der verschiedenartigen Liebe ihres Mannes zu seinem jüdischen und seinem christlichen Kinde eines Besieren belehrt worden sei. Frauen sind in ihren vorgefaßten Meinungen beständiger und hartnäckiger als die Männer, ebenso wie sie es vollständiger thuu als diese, wenn sie einmal irgend eine gewiffe Meinungsrichtung be° zeitigen. Frau Wollaer wollte sich nach der letzten Unterredung mit ihrem Gatten in das Schicksal ergeben, ihr Kind von seinem Vater weniger geliebt zu wißen als sein erstes Kind. Und je mehr sie ihr Kind um diesen Unterschied in der väterlichen Liebe bedauerte, desto größer war ich r e Liebe zu dem Kinde. Sie wich nicht von seiner Wiege, stellte jeden Verkehr nach Außen ein, machte und empfing keine Besuche außer zu und von der Schwester in Karlsdorf; sie vertraute das Kind keinem Dienstboten an, führte es selbst in die freie Luft, wachte des Nachts bei demselben, badete und kleidete es selbst aus und an.