Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 18 (7.5.1891)
- Date
- 1891-05-07
- Page
- Seite 342 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Snre 340 Hesterretchtfche Wochenschrift Nr. 18. für die Sache der jüdischen Emancipation und populärer Redner in öffentlichen Versammlungen, ist unlängst plötzlich gestorben. Geboren in Oote d'Or im Jahre 1827, wurde er von seinem Vater, obwohl derselbe jüdischer Abstammung war, zuerst in der christlichen Religion erzogen. Bald kehrte jedoch Armand Levy zum jüdischen Klauben zurück, welchem er bis zu seinem Ende treu blieb. Mit '17 Jahren studirte er in Paris die Rechte. Seit dieser Zeit steht er ununterbrochen in derBresche, bereit zur Verteidigung der Schwachen und Unterdrückten aller Länder und Confessionen. Wäbrend des Krimkrieges begleitete er den berühmten Poeten Adam Mickiewicz nach Constantinopel, wo derselbe eine Polenlegion bilden wollte. Als Mickiewieiz daselbst gerade beim Friedensschlüsse starb, brachte Armand Levy seine Leiche nach Paris. Einige Jahre später übersetzte er das Mickiewicz'sche „Buch eines Pilgers" ins Hebräische. Seine Bestrebungen, für die Emancipation der Juden in Polen und Rumänien zu wirken, führte ihn wiederholt in diese Länder. Im Jahre 1857 gründete er zu diesem Zwecke ein rumänisches Blatt; im Jahre 1866 kehrteer in Folge der durch die Judenfeinde geschürten Volksemeuten nach Rumänien zurück, wo er im Vereine mit M. Antoine Levy durch 5 Monate zu Gunsten der Verfolgten eifrig thätig war. Ein drittes Mal nach dem russisch-türkischen Kriege erneuerte er seine Versuche zu Gunsten seiner Glaubensgenossen in Rumänien. Diesmal wäre er aber bald das Opfer eines feindlichen Anschlages geworden. In den letzten Jahren widmete er seine ganze rastlose Thätigkeit der Verbesserung der Lage der arbeitenden Classe und veranstaltete zu diesem Ende eine große Menge focialistischer Versammlungen, in welchen er die Rolle eines Vermittlers übernahm, indem er versuchte, die Gemüther zu beruhigen und die Interessen gegenseitig auszugleichen. — Das Leichenbegängniß, welches am 26. März auf Kosten des Consistoriums von Paris stattfand, bot einen Beweis für die große Popularität des Verstorbenen. Der Leichenwagen war bedeckt mit Kränzen, welche von Vereinen und Corporationen verschiedener Länder gewidmet waren, unter anderen von der Gesellschaft rumänischer Arbeiter. Grabreden wurden gehalten vom Grand Rabbin Zadoc Khan, vom Ducuing namens der Loge Mont Sinai, von Ladislaus Mickiewicz, dem Sohne des Dichters, von R. Lebet, Präsidenten der rumänischen Arbeiter-Association, von R a q u e n i im Namen der Italiener, von A v r o n s a r t namens der Republikaner des 5. Bezirkes und von dem Abgeordneten Bizonart Namens der Bewohner von Cote d'Or. Vermischtes. Wie«. (Oesterreichisch-israelitische Union.) Samstag den 9. d. M. Abends 7 Uhr findet im Saale der Restauration K h u n e r, I. Schottenring 19, eine Plenarversammlung des Vereines „Oesterr. isral. Union" statt. Tagesordnung: 1. Besprechung von Tagesfragen, eingeleitet vom Vicepräsidenten Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Marcus Spitzer. 2. Anträge und Interpellationen. Men. (Beförderung.) Unser Glaubensgenosse, der Direktor des Steuerkatasters, Herr Abraham Broch, ist zum k. k. Director des Triangulirungs- und Calculbureaux in der VII. Rangsclaffe in Wien befördert worden. Dies verdient umsomehr hervorgehoben zu werden, als Herr Broch erst vor zwei Jahren in die VIII. Rangsclaffe befördert wurde und diese Beförderung unter dem als reactionär verschrieenen Ministerium T a a f f e erfolgte, anderseits gibt dieselbe Zeugniß von der Befähigung und dem Talente des Herrn Broch, der, nebenbei erwähnt, nahezu 35 Jahre Staatsbeamter ist. Wie«. Die „Gazette des Etrangers“ meldet aus Alexandrien, daß Heri- Cesar Aghion in Alexandrien, Schwiegersohn des auch in hiesigen Kreisen sehr bekannten Großhändlers in Cairo (in Wien Firma Heller und Weiß) der israelitischen Mädchenschule in Alexandrien 50.000 Francs gespendet hat. Wien. Sonntag am 3. Mai fand im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Maximilian F. Fechner mit Frl Irene Goldberger de Buda. einer Tochter des Großindustriellen Herrn Friedrich Goldberger de Buda unter zahlreicher Betheiligung der besten Gesellschaftskreise statt. Drößnitz. Der jüngst in Wien verstorbene Großindustrielle, Herr Heinrich Friedmann, hat zu Gunsten der hiesigen Brecherstiftung (israelitisches Alters- und Siechenversorgungshaus) den ansehnlichen Betrag von 1000 Gulden testirt. weiters zur Vertheilung an Arme der hiesigen israelitischen Gemeinde 200 Gulden. Noch viele andere reiche Legate zu Humanitären Zwecken enthält das Testament des verewigten Menschenfreundes, dem ein gutes Angedenken gewahrt bleiben wird Budapest. Baron Moriz Hirsch hat dem Feriencolonien-Verein bekanntlich 2000 fl. gespendet. Für diese Spende hat heute eine Deputation des Vereines unter Führung des Grafen Geza Teleki der Frau David Bisch itz, welche die Spende vermittelte, den Dank ausgesprochen. Frau Bischitz theilte bei dieser Gelegenheit mit, daß Baron Hirsch sich mit der Errichtung von Wohlthätigkeitsanstatten in Budapest beschäftigt, wobei er die Bedingung stellen wird, daß die verschiedenen Confessioneu im Verhältnisse zu der Anzahl ihrer Mitglieder im Lande berücksichtigt werden sollen. Baron Hirsch hat zur Errichtung einer Kinderbewahranstalt in Tokaj 5000 fl. und Frau Bischitz selbst denselben Betrag gespendet. Das Streben der Frau Bischitz aber geht dahin, vom Baron Hirsch einen für Ungarn bestimmten Wohlthätigkeitsfond von 3 bis 4 Millionen zu erhalten. Areßöurg. In Stampfen bei Preßburg hat den 27. v. M. einer der edelsten und besten unserer Glaubensgenossen sein allem Guten gewidmetes Dasein beschlossen. Der Gesellschafter der dortigen Firma Jakob Süß und Sohn, Herr Samuel Süß, ist an diesem Tage seinem schweren Leiden — erst 47 Jahre alt — erlegen. Der Seelenadel und die Hochherzigkeit des nun Verewigten war allgemein bekannt. Kein Unglücklicher oder Armer schied von seinem Hause ohne Almosen und ohne Worte des Trostes. Er war im Besitze des echten Ringes, der die Wundergabe besaß, vor Gott und Menschen angenehm zu machen. Süß erfreute sich bei allen die ihm kannten, der größten Hochachtung. Süß war ein auftichtig und wahrhaft frommer Mann, derimmer wenn es galt Elend zu stillen und zu lindern einer der ersten war. Er war seit mehr als 20 Jahren mit seiner edel gesinnten Gattin verheiratet, die nun ihr Alles verloren hat. Seine Ehe war eine der glücklichsten, jedoch blieb sie kinderlos. Das Leichenbegängniß des Dahingeschiedenen fand am 28. v. M. unter großartiger Betheiligung der Bewohner statt. Am Grabe widmete der greise Rabbinervon Stampfen Se. Ehrwürden Lazar Winter einen tiefempfundenen Nachruf. Süß wird von seiner Witweu. seinen im hohen Greisenalterstehenden Eltern betrauert. Gr. Bittse. Am 22. April 1891 verstarb hier der in weiten Kreisen rühmlichst bekannte Gelehrte Herr Adolf Fried ler in seinem 87. Lebensjahre. Der Verblichene war in den vierziger Jahren der Begründer der ersten hiesigen, öffentlichen israelitischen Volksschule, deren Schuldirector er Decennien hindurch war und welche so mustergiltig und ersprießlich geleitet wurde, daß dieser Schule wegen die hiesige israelitische Cultusgemeinde noch heute als die intelligenteste und bestgeleitete Gemeinde Oberungarns genannt wird. Der Heimgegangene war auch literarisch thätig und erschienen von ihm in den seinerzeit von Dr. Leteris in Wien redigirten „Kochbe-Jizchot" mehrere Aufsätze, worunter „Die Einsegnung jüdischer Ehen im Freien", Eine mathe-