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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-04-17 · 16 (17.4.1891) · p. Seite 279

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
16 (17.4.1891)
Date
1891-04-17
Page
Seite 279 (sequence 1)
Language
German
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V 16 Wien. 17. AM 18S1. tlll. Lentralorgan für die grfammten Interessen des Indenthums. W= K. k. Postsparenffenamt Clearingverkehr Nr 8 U>. »76 Redaction und Administration: Wien,' 1-, Rothenthurmstraße 8». -4^- :ÖI Eigenthümer: Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch. Erscheint jeden Freitag. - - Mau abonuirt bei allen Poftanftalten des Inuud Auslandes. 8e;»aSpreis: Halbjährig 4 ft. Einzelexemplare SL^kr. Anzeigen: Die 4mal ge» ivaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Aus dem Parlament. Zum 70. Geburtstage des Herrn Predigers Dr. Adolf Jellrnek. Ein Hilfsverein für die jüdischen Kleinaewerbetreibenden. Abasver. Einst lind ssttistiicde bilden Unä den, ^neiedu.-tu» ^.ik„Nsä i)un, Antisemitismus. Kleingewerbetreibenden. Ahasver. Einst und J-.tzt. „Russische Juden. Aus dem Tagebuche Ferdinand Lasalles. Zum Rabbi Eliah Wilna Gaon. — Correfpondenzen: Wien. Simmering. Budapest. Pest. Prag Brünn. Drohobycz. Tarnopol. Berlin. Worms. Ulm. Paris. — Vermischtes: SSHui Brünn. Graz. Frankfurt. Mähr.-Aussee. Kladno. Saaz Kaschau. Berlin. Leipzig. Straßburg.Brcslau. Kremsier. Haag. London. St. Petersburg. Constantinopel. Jerusalem. New-Aork. —Familienblatt: Das jüdische Stiefkind einer C.)ristin. Briefkasten. Inserate. Aus dem Parlament. Das -neugewählte Parlament hat seine Thätigkeit begonnen. Die kaiserl. Thronrede bezeichnet als die Nächstliegende und dringendste Aufgabe des Parlaments die Ausgleichung der socialen Gegensätze, den Ausbau der wirthschaftlichen Gesetzgebung unter Zurückdrängung aller einseitigen Parteibestrebungen, aller confessionellen, nationalen und staatsrechtlichen Ansprüche. Nicht in Worten, aber dem Sinne und ihrem innersten Kerne nach erweist sich die Thronrede als ein Staatsact, welcher direct gegen die zerstörende Tendenz des Antisemitismus. gegen die Verhetzung der einzelnen Classen und Stände unter einander gerichtet ist. Wenn die kaiserlichen Worte es aussprechen, daß eine gedeihliche parlamentarische Thätigkeit zum Heile des Staates und zum Wohle seiner Bevölkerung, daß der Ausbau der wirthschaftlichen und kulturellen Gesetzgebung nur durch die Zurückdrängung aller nationalen und confessionellen Ansprüche möglich sei, so liegt darin ein klares und unzweideutiges Verdammungsuriheil gegen alle deutschnationalen und christlich-socialen Antisemiten. Die Wortführer des Racenhasses nehmen im neuen Parlament wahrhaft keine beneidenswerthe Stellung ein, wenn man aus bisherigen leisen Symptomen aus die fernere Gestaltung der Dinge schließen darf, so scheint der Anfang vom Ende der ganzen schmachvollen Bewegung, wenigstens soweit dieselbe parlamentarisch in Betracht kommt, nicht mehr weit zu sein. Während einerseits die offenen und versteckten Antisemiten im Abgeordnetenhause krampfhaft bemüht sind, sich den großen Parteien anzuschmeicheln, während Prinz Liechtenstein Fühlung mit den Rein-Klerikalen sucht und Herr Steinwender bald mit den Deutschliberalen, bald mit der Regierung liebäugelt, daneben aber auch auf den Eintritt der Schönerianer in seinen Club hinarbeitet — weicht man diesen Gruppen von allen Seiten behutsam aus, wie einer übelbeleumundeten Frau; man verkehrt mit den Herren wohl hinter den Coulissen, aber man schämt sich, mit ihnen öffentlich gesehen zu werden und hält sich an den bekannten Vers Heines: „Blamir' mich nicht, mein schönes Kind, Und grüß' mich nicht unter den Linden, Wenn wir nachher zu Hause sind, Wird sich schon Alles finden." Mit einem Worte, das Gefühl für politischen Anstand politische Ehrlichkeit erweist sich bereits mächtiger als nationale Wahlverwandtschaft oder als die taktische Bundesgenossenschast. Man weiß, und die programmatischen Kundgebungen des Steinwender-Clubs beweisen es ja auch, daß sür die Sondervolitik des Herrn Steinwender und und die für sein verschämt antisemitisches Bekenntniß nicht eine üefinnere Ueberzeugung, sondern lediglich die liebe Eitelkeit uiaßgebend ist, sich an der Spitze eines eigenen Clubs zu sehen, und was den Prinzen Liechtenstein betrifft, so kennt man den jesuitischen Kern seiner antisemitischen Hetze zu genau, als daß man in diesem hohen Herrn noch irgend eine wahrhafte politische Ueberzeugung achten könnte. So kommt es, daß sich schon jetzt ein Zersetzungs¬ und Abwicklungsproceß innerhalb der antisemitischen Gruppen zu zeigen beginnt, und daß insbesondere die anständigen Elemente des Steinwender-Clubs bereits Bedenken tragen, ihrem „Führer" auf der schiefen Ebene des Racenhasses noch weiter zu folgen. Schon haben mehrere Steiermärker ihren Uebertritt zur deutschliberalen Partei vollzogen und andere werden Nachfolgen, die heute nur noch gezwungen auf dem exclusiv nationalen Standpunkt stehen. Der Läuterungsproceß hat begonnen, im Parlament wenigstens zeigt der Antisemitismus bereits deutliche Symptome des Niederganges. Die großen Parteien des neuen Abgeordnetenhauses, die Polen wie die Deutschen und die Autonomisten, haben aus der Geschichte der letzten zwölf Jahre gelernt. Sie erfüllen heute jene Vorbedingung, welche der Kaiser selbst als unerläßlich für die Fördernng der sittlichen, geistigen und wirthschaftlichen Wohles aller Völker dieses Reiches bezeichnete: sie sind entschlossen, die bestehenden Gegensätze zu mildern, und unter Achtung der gegnerischen Ueberzeugungen, einen gemeinsamen Boden für heilbringende Thätigkeit zu finden. Das directe'Gegentheil streben derzeit nur zwei Parteigruppen an: die Anhänger des Prinzen Liechtenstein und die Anhänger des Herrn Steinwender. Die Einen bekennen sich zum rein antisemitischen Programm, die Anderen stehen auf jenem exclusiv nationalen Standpunkt, der in dem Juden ein ftemdes Element sieht und in seiner logischen Consequenz nothwendig zum Antisemitismus führen muß. Die Bestrebungen Beider sind auf die Propaganda des Hasses gerichtet und stehen somit im direkten Widerspruch zu dem Appell der Krone, welche zur Duldung und zur gegenseittgen Achtung mahnt. Zum 70. Geburtstage des Herrn Predigers Dr. Adolf Ielliuek. Wenn ein Mann von hervorragender Bedeutung an einem hochwichtigen Wendepuntte feines fruchtreichen Lebens und Wirkens angelangt ist, dann bildet dies einen Moment festlichster Gehobenheil für Tausende und Tansende von Nah und Fern. Denn sowie das Leben und Schaffen des bedeutenden Mannes niemals eingeengt blieb von den Marken *•' j ü a

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