Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 13 (27.3.1891)
- Date
- 1891-03-27
- Page
- Seite 235 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 12 Hesterreichische WöHerchMfL TKe 235 wird neun volle Tage dauern; vom 22. April Früh bis- 1. Mai Früh. M. Henri Kaiser, welcher mit dem zweiten Rompreis der Musiksection ausgezeichnet wurde, wurde mit der Leitung des Gesangsunterrichtes am Conservatorium betraut. M. Paul Maurice Aron, bisher dem Justizministerium zugetheilt, wurde mit Decret des Präsidenten zum Substituten des Staatsanwaltes von Lure (Laute-Laone) ernannt. Whitippopet. Die jüdischen Armen unserer Stadt hatten unter der Strenge des heurigen Winters sehr zu leiden. Uük nun deren Noth einigermaßen zu lindern, wurde am 18. v. M. ein Wohlthätigkeitsball in den Räumen der Mädchenschule der israelitischen Alliance abgehalten. Bei dieser Gelegenheit konnte man sehen, welch' große Unterschiede zwischen den Beziehungen der Juden und Christen in Bulgarien und jenen in Rußland, welches sich zum Protector Bulgariens aufwerfen will, bestehen. Der Ball wurde nicht blos von Juden sehr zahlreich besucht, sondern auch von Notabeln der griechischen armenischen Gemeinde, von Vertretern der Regierung und einigen ausländischen Consuln. Das finanzielle Ergebuiß des Festes war sehr zufriedenstellend, und ist besonoers hervorzuheben, daß sich unter den Beitragenden auch Fürst Ferdinant) von Bulgarien und seine Mutter Prinzessin Cleinentine von Coburg befinden. Sofia. Die bulgarische Regierung hat der Alliance Jsraölite eine hohe Ehre erwiesen, indem dieselbe Herrn Arie, Director der Allianzschule von Sofia, zum Mitglieds der Recrutirungscommijsion ernannte. Dlrector Atie wurde speciell mit der Aufgabe betraut, das Maß des erforderlichen Unterrichtes für die Neuconscribirten zu bestimmen Aeyrirt. Die Preisvertheilung in den Schulen der Alliance Jsraelite wurde in Gegenwart einer großen Menge hvchansehnlicher Gäste in feierlicher Weise vollzogen. Unter den Honoratioren befanden sich der Generalgouverneur von Beyrut und Libanon, der Director für öffentliches Unterrichtswesen, der Präsident des Appellgerichtes, der Generalvicar der maronitischen und griechischen Erzbischöfe, mehrere höhere Officiere, Consuln und hohe Funktionäre aus allen Zweigen des Staatsdienstes. Jamaica. Hon. Michael Salomon hat sich infolge anhaltender Krankheit veranlaßt, seine Stelle als Custos Rotulorum in der Gemeinde von Tt. Anna niederzulegen und auf seinen Sitz in dem gesetzgebenden Rathe zu verzichten. Aus diesem Anlässe schreibt das Blatt „Jamaica Gleaner" über Herrn Solomon Folgendes: „Indem Mr. Solomon sich ins Privatleben zurückzieht, verliert das Land die werthvollen Dienste -• eines Mannes, dessen ganzes Denken dem Vortheile ' -ftines Vaterlandes und seiner Mitbürger gewidmet war. Selbstlos bis zum Extrem hat derselbe durch seine- Güte und Mildthätigkeit manches sorgenvolle Herz beglückt, durch seinen Rath uub seine Anleitung hat er Manchem zum Wohlstände verholfen und durch fein Beispiel Viele ermuthigt, emsig und ununterbrochen für das Wohl der arbeitenden und ackerbautreibenden Bevölkerung zu wirken. Mr. Solomons Resignation wird in pylitischen Kreisen eine unaussüllbare Lücke . zurückgelassen." Jerusalem. Die englische Regirung hat in dem Nachfolger von Mr. Notzl Temple Moore im Amte eines Consuls eine treffliche VZahl getroffen. Mr. John Dickson, der NMe Consul für Jerusalem, war bis vor Kurzem Consul in Damaskus. Es ist noch in Jedermanns Erinnerung, das vergangene Ostern daselbst der Versuch gemacht wurde, die Blutbeschuldigung gegen die Juden dieser Stadt wieder auszubringen. Sofort erkannte Mr. Dickson; die Gefahr, in welcher die Juden schwebten und wandte sich direct .am dem Hberrabbiner- und Hot ihm freiwillig an> seinen machÜMl Einflußzum Schutze der Juden geltend zu machen. Mr. Dickson stand bei dieser humanen Action im ganzen Cousular^ corps allein da. Familienblatt. Wochen- I März 1891 Weadar 5651; Kalender Freitag | 27 17! Samstag ' 28 18 t Sonntag ' 29 19 1 Montag! 30! 20 i Dienstag 1 81 i 21 1 Mittwoch A Donnerstag 2! 23! Freitag i 3 1 24 1 Die „Israels" im Kiiastlerhaa». Die Kunst geht ihren eigenen Weg und wird durch die Modeströmung der Zeit nur scheinbar abgelenkt von ihrer Bahn. Wollen wir nun aus der Vogelschau einen rasch überprüfenden Blick aus das Gebiet der Malerei in diesem zur Rüste gehenden Jahrhundert werfen, . so fallt uns zu Beginn desselben der von der Damd'schen Schule inlpirirte akademische Eklekticismus aus. Dann folgen die Prärasaeliten, die hyperkalholischen correcren Zeichner und flauen Maler. An die reiht sich die flache Sentimentalität der Düsieldorferei — fast hätten wir die Romantiker vergessen, s o vergessen sind sie heute bereits — und schon kommen die- Neuen zu Wort: Rahl, groß und kühn, Makart, farbengewaltig, ein coloristisches Phänomen, Canon, der bei Rubens i öiel gelernt, Lenbach. der tiefbohrende Charakterist-ker, Gabriel Max» der sinnlich-übersinnliche Maler der vierten Dimension, Defregger, Knaus, die Achenbach und schließlich: Uh de und Israels. Uhde und Israels! Das sind die „Neusten", welche sich nach Goethe'schem Recept und kühnem Reim „auch grenzenlos erdreusten." Eine weite Strecke wahrlich von Füger bis Israels. Bon der falsch verstandenen Pseudoantike, wie sie sich im Kopfe eines wohlbestallten Professors darftellte — theatralisch-posenhaft — zur einfachen Wahrheit, jur nature pure et simple. Auf dem modernen Theater ist die Figur des Arbeiters in der blauen Blouse fast zum stehenden Typus >m Sinne der altitalienischen Charaktermaske aus der Commedia dell' arte geworden. Der sociale Roman erfreut sich in allen — Leihbibliotheken der gesteigerten Nachfrage, denn die sociale Frage pocht recht ungestüm störend an alle Thore, die Schläfer mit Macht aus dem Traume von der besten aller Weltvrdnungen rüttelnd. Da erinnert sich auch die allgewaltige göttliche Kunst der armen Glückvergessenen und neigt sich aus goldener Wolke zu ihnen herab und hat ein Ohr für ihr Klagen, ein Auge für chre Leiden, und ein mitfühlendes Herz für das unausgesprochene Weh. Die^Stieskinder des Geschicks, die Enterbten, die Gequälten sind zum Object der Kunst geworden und kein unwürdiges fürwahr. Kein glatter, angenehmer, salonfähig herausgestutzter Normaljammer — wie der der. armen Kinderchen bei den Weihnachtsbescheerungen, wo den Herren Wohlthäteru fein säuberlich die Hand geküßt wird für ein paar alte Nachtmützen — nein, „Wahrheit" heißt das große Losungswort dieser modernsten Kunst. Sie malt die Proletarier m derb urwüchsigen Gestalten, sie fordert nicht Gnade für sie, sondern Recht, das Recht am nrenschenwürdigen Dasein. Und, daß ein jüdischer Künstle? als Vorkämpfer in der ersten Reihe steht, wo es sich um zu sühnendes Unrecht handelt, soll Niemanden wundern, der die Geschichte und Gesetzgebung der Juden genau kennt. Wir haben zu allererst eine sociale Gesetzgebung gehabt, uns war. der Arbeiter vor allem ein Mensch und der Fremde ein Bruder, der Witwen und Waisen nahm unser Gesetz, sich an, es schuf das Jubeljahr und die Ernte ließ eine Nachlese für die Aermsten der Armen zurück. - Darum staune Niemandwenn des jüdischen Künstlers Israels große BegabiMA sich ho rthiy wendet-, wo die letzten Häuser stehen. Sein Piusel wird zum Schwert and seine. Palette, ^zum Schild. Tine