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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-03-27 · 13 (27.3.1891) · p. Seite 233

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
13 (27.3.1891)
Date
1891-03-27
Page
Seite 233 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Hesterreichifche Wochesfchrist Sette 233 Ich bin es der Ehre unserer über zehntausend Israeliten zählenden Cultusgemeinde schuldig, diese angebliche „Rabbinerschaft" als das zu bezeichnen, was sie ist, nämlich als — pure Falschmeldung. Drohobycz, 21. März 1891. Hochachtungsvoll Alexander Schorr Cultusrath. Wien. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes als Cassationshof, wonach das Urtheil des Wiener Schwurgerichtshofes in der Ehrenbeleidigungsklage des Dr. L u e g e r gegen Alexander Scharf, sowie der diesem Urtheil zu Grunde liegende Wahrfpruch der Geschworenen cassirt wurde, gibt der Berliner „Kreuzzeitung" Veranlassung, in erbittertem Tone sich über diese Entscheidung auszulassen und ihr Wiener Correspondent kündigt eine antisemitische Interpellation an den Justizminister an, dahingehend, wieso die Wiener Abendblätter Kenntniß des Urtheils haben konnten, da der Oberste Gerichtshof erst Mittags in geheimer Sitzung darüber berieth. Diese aus Antisemitenkreisen stammende Version ist aber, wie die „Sonn- und Montagszeitung" bemerkt, ebenso perfid als thatsächlich erlogen. Denn nicht an demselben Tage, wo die Wiener Abendblätter die Urtheilscassirung brachten, hat der Oberste Gerichtshof über die Angelegenheit entschieden, sondern schon geraume Zeit vorher. Bereits vorigen Dienstag war die Entscheidung in officieller Ausfertigung an das k. k. Landesgericht gelangt und erst die Mittwoch-Abendblätter berichteten über dieselbe. Damit ist die crasse Unwahrheit der von hier aus in das Berliner Junkerblatt eingeschmuggelten Verdächtigung erwiesen und gleichzeitig ist es auch handgreiflich, zu welchen schamlosen Tendenzzwecken dieses journalistische Manöver ausgeführt wurde. Wien. (Spende.) Der bekannte Großindustrielle Herr David Schwarz mann, hat anläßlich der Vermählung seines Sohnes, Herrn Moritz Schwarzmann mit Frl. Ella Heidt, für das israelitische Versorgungshaus neuerlich den Betrag von 1000 Gulden zu Händen des Vorstandes der Wiener Cultusgemeinde erlegt. Der Letztere hat dem hochherzigen Spender hiefür in einer ehrenden Zuschrift den wärmsten Dank ausgesprochen. Im Interesse des derzeit noch schwach fundirten israelitischen Versorgungshauses wäre es lebhaft zu wünschen, daß dieser munificente Act Nachahmung fände. Wie«. Samstag am 28. März wird der zweite Sohn des Herrn Baron Albert Rothschild, Baron A l p h o n s, seine Barmizwa feiern und im Tempel in der Seitenstettengasse die Hastara gleich seinem älteren Bruder vortragen. Wie«. Am 18. d. M. ist hier der Med. Dr. und Schriftsteller Wilhelm Schlesinger nach längerem Leiden gestorben. Schlesinger war zu Preßburg im Jahre 1815 geboren. Nach erlangtem Doctorgrade auf der Universität zu Padua etablirte er sich in der Residenzstadt als praktischer Arzt, ragte aber mehr durch seine schriftstellerische Begabung namentlich auf dem Gebiete des Feuilletons hervor. Er stand mit Bauernfeld, Grillparzer, Lenau u. A. im intimen Verkehr. Im Nachlasse des Verstorbenen befindet sich eine der reichhaltigsten Münzen- und Medaillensammlungen, besonders mit kostbaren Seltenheiten aus dem Jahre 1848. Wie«. Am 18. d. M. starb hier der in weiten Kreisen durch seine pädagogische Thätigkeit bekannte Herr S. G ötzl im 65. Lebensjahre. Derselbe hatte viele Jahre in Jungbunzlau, Fünfkirchen und Temesvar mit größtem Erfolge als Lehrer und Schulleiter gewirkt und im Jahre 1866 in Wien eine eigene Anstalt errichtet, welche bis zum Jahre 1873 sich wegen der ausgezeichneten, erziehlich wirkenden Lehrmethode stets wachsender Beliebtheit erstellte. Das edle, von tiefer Herzensgüte erfüllte Wesen und Thun des Verblichenen sichern ihm ein ehrenvolles Andenken. Wie«. Frl. Amalie Lippe, Tochter des Buchhändlers Herrn Ch. D. Lippe hat sich mit Herrn Rauman Lewinsohn verlobt Wie«. Montag am 30. März, 11 Uhr Vormittag, wird Herr Rabbiner W o l l n e r, I. Seitenstettengasse 4 eine Vorlesung über „Die Genesis des hebräischen Leseunterichtes halten. Lsttz, 24. März. Großes Aufsehen erregt auch in hiesigen christlichen Kreisen eine Artikelserie gegen den Antisemitismus, welche die „Linzer Tagespost" aus der Feder eines ehemaligen deutschnationalen Antisemiten veröffentlicht hat. Die Arükel zeugen von einem tiefen philosophischen Geiste und von einer gründlichen Kenntniß der antisemitischen Literatur und der antisemitischen Bestrebungen. (Wir veröffentlichen den ersten Theil dieser Artikel an anderer Stelle. — Die Red.) lieber den Verfasser der Artikel werden die verschiedensten Vermuthungen gehegt, doch fehlt für die Richtigkeit derselben jeder Anhaltspunkt. Thatsache jedoch ist. daß die Ausführungen des unbekannten Autors einen tiefen Eindruck auf alle gebildeten Elemente gemacht haben. chraz, 22. März. Der Obertandesgerichts-Präfident für Steiermark, Kärnten und Kram, Se. Excellenz Herr Dr. Josef Ritter v. Was er, feierte am 12. d. sein achtzigstes Geburtsfest, zu welchem ihm die Grazer israelitische Cultusgemeinde ihre Glückwünsche darbrachte. Die Antwort Sr. Excellenz, an den Vorstand der Cultusgemeinde, Herrn Moriz Fürst gerichtet, lautet: „Die isrealitische Cultusgemeinde Graz hat mir aus Anlaß meines 80. Geburtstages eine Adresse votirt, worin sie in einer für mich höchst ehrenvollen Weise meiner amtlichen Wirksamkeit und insbesondere meines Wirkens gedenkt, jedem österreichischen Staatsbürger ohneUnterschiedderReligion,Abstammung oder Beschäftigung den gesetzlichen Rechtsschutz vor den Gerichten zu sichern. Dankbar erkenne ich in solchen spontanen Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens von Seite meiner Mitbürger eine hohe Auszeichnung und den schönsten Lohn für meine länger als ein halbes Jahrhundert andauernden Bemühungen im Dienste d Themis. Ich bitte Sie, Herr Vorstand, meinen ergebensten Dank der Cultusgemeinde bekannt zu geben. Graz, den 15. März 1891. Der k. k. Oberlandesgerichs-Präsideut: Wafer m. p. Trtfchrr». Seit dem Jahre 1887 besteht hier ein israelittscher Cultusverein. Seiner rastlosen Thätigkeit verdantt die Heranwachsende israelitische In zend die Ertheilung des öffentlichen Glaubensunterrichtes. Mt werkthätiger Barmherzigkeit sorgt er für die Unterstützung armer Glaubensgenoffen. Die Bereinigung der Mtglieder zu einem regelmäßigen Gottesdienste ist sein Werk. Aus Grund des Gesetzes vom 31. März 1890, Nr. 57 R. G. Bl hat nun der Verein die Wahl, sich entweder zu einer selbständigen Gemeinde zu constituiren, oder einer bereits bestehenden einverleibt zu werden Der Cultusverein wählt nun den ersteren, schwereren Theil. Doch trotz der freudigen Opferbereitschaft seiner Mitglieder können sie auf den Besitz der von dem Gesetze geforderten hinreichenden Mittel zur Erfüllung der Zwecke der Gründung der Cultusgemeinde noch nicht Hinweisen. Der Verein appellirt nun in einem Circulär an die Hochhe^igkeit unserer Glaubensgenossen und bittet um Becheiligung bei der Errichtung eines Fonds zum Zwecke der Gründung einer Cultusgemeinde für Bodenbach-Tetschen. Äzeszow. Am 11. d. M. verschied hier im 58. Lebensjahre einer unserer angesehensten Glaubensgenoffen, Herr Meyer Buch. Der Dahingeschiedene war im vollen Sinne des Wortes ein Vater der Armen und Leidenden. Jntereffant ist die Art und Weffe, wie Buch Wohlthaten spendete. Er verrechnete nämlich an einem jeden Freitag zur Mittagszeit, bevor er sein Geschäft — er war Weißwaarenhändler — sperrte, die Gewinnste der abgelaufenen Woche und von

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