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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-02-20 · 8 (20.2.1891) · p. Seite 135

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
8 (20.2.1891)
Date
1891-02-20
Page
Seite 135 (sequence 1)
Language
German
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Ar 8 Ktrn, SO. Februar 1891. VltL. Aahrsau«. l Lenirakorga» für die gesummten Interessen des Iudrnthum«. <- — ...= —...=^g) K. I. Postsparcasienamt «learingverkehr Nr.8I0.97« Redaction und Administration: Wien, l, Rothenthurmstraße 89.!! - ==========§] Eigeilthümer und Herausgeber: I. S. Bloch. Erscheint jeven Freitag. —HxH-- Man aboimtrt bei allen Postaustalteu des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 st. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Der heidnische Racenhaß. Die Wahlbewegung. Eduard Ritter von Gniewosz. Schönerer contra Beraani Offenes Schreiben des Obecrabiners B. Schreiber. Luigi Luzzati. Zur Geschichte der Inden in Vorarlberg. Lesefrüchte. - Co rrespon deinen- Wten Tetschen a. fch Elbe. Frankfurt a. M. Breslau. Darmstadt. London. - Vermischtes: Wien. Ottakring. Floridsdorf. Baden.' vaugsdorf Prag. Retchenan. Gr.-Meieritsch. Preßburg. Lemberg. Frankfurt a. M. Basel. Königsberg. Haag. Rom. London. Trier. — Famrlienblatt: Griechin und Jude. Etngesendet. Briefkasten. Inserate. ' Telegramm. B u c z a c z, 18. Februar. Heute ist Dr. B lo d) in Buczacz angelangt Imposanter Empfang am Bahnhof. Seine politische Programmrede erntete vor zahlreicher Versammlung angesehenster auch christlicher Wähler großen Beifall. Zum Schluß erfolgte Vertrauensvotum und einstimmige Nomiuirung zum Candidaten. Der Bezirkshauptmann vou Bucracz verordnete, mittelst Entscheidung von heute, die Streichung des Candidaten Leon M e i s e l s aus der Wählerliste, nachdem derselbe weder aetives noch passives Wahlrecht besitzt. Stern, Bürgermeister. Der „heidnische" Uaeenhatz. Ein zweiter Versöhuungsruf, hell und mächtig das Kampfgetöse übertönend, klingt an das Ohr der im politischen und gesellschaftlichen Kampfe Stehenden. Vor Kurzem war es die Regierung, welche alle Oesterreicher zu einem friedlichen Verein „gegen die Extremen" entbot, nun sind es die österreichischen Bischöfe, welche Worte der Versöhnung und Beruhigung zu den ihrer kirchlichen Obhut unterstehenden Gläubigen sprechen. Sollte die Friedensmahnuna des österreichischen Episkopats vielleicht nur ein Echo jenes von regierungswegen erflossenen Mahnwortes sein? Fast wäre man versucht, solches zu glauben, angesichts der Thalsache, daß unser Episkopat ehemals manche sich geradezu aufdrängende Gelegenheit, begütigend in die Racenkämpfe einzugreifen, unbenützt vorübergehen ließ. In England und Frankreich, vereinzelt wohl auch bei uns haben hervorragende Kirchenhirten den Racenwahnwitz weit von sich gewiesen; unser hoher Klerus aber hat geschwiegen. Unsere Herren Antisemiten stehen sittlich und geistig auf der untersten Stufe der Civilisation, und in dieser Hinsicht müssen sie als ganz einzige Erscheinung gelten. Der deutsche Antisemitismus suchte zumindest nach nationalen und philosophischen Redensarten; der französische Antisemitismus gefiel sich in romantisch erheiterndem Unsinn; der österreichische Antisemitismus aber ist dumm, gewaltthätig und lügnerisch. In Deutschland nahmen der geblendete H a r t m a n n und der blinde D ü h r i n g das Wort, in Frankreich las man, nach Art der Phantastereien Jules Vernes, die unerhörten Mittheilungen der Herren D r u m o n t und Genossen. Die antisemitischen Vorkämpfer in Oesterreich aber sind zum Theile unbetrogene Betrüger, zum Theile erwerbloses Geistesproletariat, das nun die eigene geistig»' In- und Unzucht auf die Weide des christlichen Socialismus treibt, zum Theile rohe und feige Gesellen, welche aus den Juden losschlagen, weil sie ihn für wehrlos halten. Ungeachtet aber der österreichische Antisemitismus von keinem Strahl irgend eines menschlichen Empfindens und Denkens erhellt ist, ungeachtet es meist disqualificirte Personen sind, welche sich der Führung der antisemitischen Sache bemächtigten, konnten die „vereinigten Christen" doch die Mär' aufrechterhalten, als seien sie Sendlinge der kirchlichen Oberhirten, als stünden sie im Dienste des Katholicismus, als seien ihnen ihre Worte eingehaucht vou den maßgebenden Vertretern der kirchlichen Hierarchie, llnsere Bischöfe aber schwiegen. Maßlose Verwirrung wurde in die öffentlichen Verwaltungszustände getragen, die häß-! lichsten Entartungen der Habsucht entfesselter Massen schlossen sich daran, Unrecht und Gesetzesverletzung schritten am hellen Tage erhobenen Hauptes durch die Straßen, die obersten Vertreter der Kirche der Liebe aber schwiegen noch immer. Was Wunder, wenn die Volksverhetzer so thaten, als schwebte der kirchliche Segen über ihnen? Nun aber haben die Bischöfe Oesterreichs gesprochen, und mit aufrichtigem Danke sei es einbekannt, daß sie das rechte Wort gefunden und zum Ausdrucke gebracht. Als wären sie von dem Bewußtsein erfüllt, es müsse jetzt, nach mancher versäumten Zeit das zu Sagende mit um so größerer Bestimmtheit, mit um so entschiedenerer Klarheit gesagt werden, haben die Erzbischöfe und Bischöfe ihre Meinung dargelegt. Kräftige Worte der Abwehr gegen die Entartungen des socialen Lebens tönen aus dem Wahlhirtenbrief der Häupter der österreichischen Diöcesen, lebendige Erkenntniß des Rechtes quillt aus diesem Schriftstücke. Allen Freunden der Staatsordnung, allen Menschenfreunden, allen guten Oesterreichern ist mit diesem Hirtenbriefe eine Genugthuung bereitet worden. Einstmals, in der Zeit der uneingeschränkten Größe des Papstthums hieß es: „Rom hat gesprochen, die 'Angelegenheit rst beendet." Das galt von politischen Dingen; es gilt dermalen nicht mehr. Aber der Einfluß der Kirche auf das Gewissen der Gläubigen ist heute ein so mächtiger, wie er jemals war, und wenn man auch kaum die Hoffnung hegen darf, es werde der Hirtenbrief des österreichischen Episkopats einen durchgreifenden Einfluß ausüben auf die geschäftsmäßig in Antisemitismus machenden, declasfirten Raufbolde, so wird doch sicherlich in den irregeleiteten und aufgeftachelten Massen der Gedanke wachgerüttelt werden, bas Christenthum, welches ihnen von Lueger, Schneider, V e r g a n i und Spießgesellen gepredigt werde, sei verfälscht, die socialen Bestrebungen dieser Tribunen seien einer lasterhaften Gesinnungsart entsprungen. Wird damit die Angelegenheit auch nicht beendet sein — denn es wäre Thorheit zu meinen, die durch Jahre aufgestachelten Leidenschaften der verführten Massen könnten mit einem Schlage in das ruhige Bett vernünftiger Erwägung zurückgeleitet werden — so wird doch der Weg zur Ein- und Umkehr gewiesen sein. Viele werden die verlorengegangene Besinnung

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