Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 7 (13.2.1891)
- Date
- 1891-02-13
- Page
- Seite 115 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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7. Wien, 18. |*tnrui»rT189l. Tin. H«hr>m>s. Lentralorga» für dir gefammtrn Interesse» des Indenthnms. K. t. Postsparcasienamt Clearingverkehr Nr.810.976 Redaction und Administration: Wien, I-, Rothenthurmstratze '89. [Q=-=::-_-. . rr- - -—[C -- Eigenthümer und Herausgeber: l)r. I. S. Bloch. Erscheint jeden Freitag. —- Man adonnirt bei allen Postaustatte» des In- und Auslandes. Bezugspreis: Halbjährig 4 st. Einzelexemplare 25 kr. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Pctitzeile 12 kr. Inhlttt: Leitartikel: A. E. I. 0. U. Dr. Ferdinand Kronawetter. Die Wahlbewegung. Fürsterzbischof Gruscha gegen den Antisemitismus. Oesterreichisch-israelitische Union. „Schachmatt den Blutlügnern". Lesefrüchte. — Correspondenzen: Wien. Prag. Piesling. Meran. Berlin. Frankfurt a. M. Breslau. Paris. Leyden. Rowno. Cairo. — Vermischtes: Wien. Wien Hernals. Proßnitz. Teplitz. Svetla. Budapest. Szegedin. Kronstadt. Czernowitz. Berlin. Dessau. Frankfurt. Breslau. Metz. Rom. Luxemburg London. Kiel. New-Aork. — Familienblatt: Griechin und Jude. Briefkasten. Inserate. Telegramm. K o l o m e a, 11. Februar. Der bisherige Abgeordnete Dr. Bloch langte hier in Begleitung der Großindustriellen Moses Gartenberg und Josef Schreiner ans Drohobyez ei«. Eine Deputation aus Kolomea empfing ihn bereits in Stauisla«. Am hiestgen Bahnhofe erwarteten Dr. Bloch die Honoratioren der Stadt unter Betheiligung einer nach tausenden zählenden Volksmenge. Ein berittenes Bauderium von Huzulen zog dem Wagen voran und begleitete Dr. Bloch unter stürmischen Bivatrusen der Menge biS zum Hotel Krakowski. Bom Balkon des Hotels sprach Dr. Bloch den Wählern seinen Dank für die erwiesene spontane Kundgebung aus. Dr. Bloch's Wahl ist gesichert, trotz aller Mittel deS Gegencaudidaten M e i s e l s, die Wählerschaft auf seine Seite zu ziehen. A. E. I. 0. U. Präludium zu den bevorstehenden Reichsrathswah len. Bon Dr. M. Güdemann. (Zweiter Arttkel.) „Alle Opfer werden dereinst aufhören, nur das Dankopfer nicht," sagen unsere Weisen. Dankbarkeit ist die allermenschlichste Tugend, denn Danken und Denken sind sprachlich auf das Innigste verwandt, das letztere aber bildet den auszeichnenden Vorzug des Menschen. Wir Juden würden daher nicht blos gegen eine heilige Religionsvorschrift, sondern gegen die allermenschlichste Pflicht verstoßen, wenn wir jemals vergäßen, daß wir dem Liberalismus viel, wenn nicht alles zu verdanken haben. Seitdem Christian Wilhelm Dohm in seiner Schutzschrist „lieber die bürgerliche Verbesserung der Juden" (1781) und Abbe Gregoire in seinem „Versuch über die Wiedergeburt der Juden" (1789) zuerst in der neueren Zeit die „Judensrage" austollten, seidem die Grafen M i r a b e a u und Clermont-Tonnere als die ersten „Judenknechte" in der französischen Nationalversammlung auftraten, sind es immer die Vertreter des liberalen Gedankens gewesen, mochten sie nun das geistliche, adelige oder bürgerliche Gewand tragen, welche jene Frage nicht mehr zur Ruhe kommen ließen. Die Juden verdanken den Liberalen das Maß von bürgerlichen und politischen Gerechtsamen, das sie gegenwärtig besitzen und welches sie — wenigstens de jure — den übrigen Staatsbürgern gleichstellt. Wem kommt denn nun dieses Ergebniß zugute? Zunächst, das ist gewiß, den Juden. Das haben sie auch durch die getreue Gefolgschaft, welche sie immer dem Liberalismus leisteten, anerkannt. Aber blos den Inden? Das wird kein Vernünftiger behaupten. Durch das, was die Liberalen für die Juden gethan haben, haben sie auch sich s e l b st ein Ehrendenkmal gestiftet, „dauernder als Erz", sie haben dadurch ihren eigenen Namen mit goldener Schrift in die Bücher der Geschichte eingetragen. Diesen Namen hochzuhalten ist die Pflicht der Juden, aber ganz gewiß auch der Liberalen, zu allm Zeiten, in allen Staaten. Ob die deutsch-liberale Partei in der abgelaufenen Legislaturperiode dieser Pflicht, sowie es hätte sein sollen, genügt hat? Napoleon hat einmal von einem kleinen Nachkommen großer Vorfahren gesagt: „ll traine un grand nom“, er schleppt einen großen Namen, wie ein schwächlicher Mann die Rüstung schleppt, die für einen Riesen bestimmt ist. Einen ähnlichen Eindruck machte die deutsch-liberale Partei während der letzten fünf Jahre auf denjenigen, welcher ihre Haltung gegenüber dem Antisemitismus, dieser grundstürzenden Berennung des Liberalismus, beobachtet hat. Die deutsch-liberale Partei in Oesterreich lebt von „Jichuß", von einem ererbten Adelstitel, und man kann wirklich nicht sagen, daß sie sich des Wortes bewußt geworden wäre: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen". Wer die preußischen Landtagsverhandlungen aus den fünfziger Jahren gelesen hat, der wird sich der Reden erinnern, welche Liberale, wie Freiherr von Vincke- Hagen u. a. in den Judendebatten hielten, Reden, welche stundenlang die Aufmerksamkeit des Hauses in Anspruch nahmen und welche nachher ganze Spalten der Zeitungen füllten. Es war eine Herzerquickung, diese Reden zu lesen, welche ein großer, auf das Höchste gerichteter Zug durchwehte. Und damals wurden die Juden auch von ihren Gegnern nicht beschimpft, nicht wie Aussätzige behandelt, wurden nicht Kübel von Gemeinheiten über sie ausgeleert. Es handelte sich bei den Antiliberalen — Antisemiten gab es damals noch nicht — nur darum, den Juden gewisse politische Rechte vorzuentholten. Nun, die Anwürfe gegen die Juden kann man in den steno-! graphischen Berichten der letzten Legislaturperiode des j österreichischen Reichsrathes in reichem Maße finden, aber nach den abwehrendeu, herzerquickenden, mannhaften Gegenreden der Liberalen wird man darin vergeblich suchen. Nur Herr Superintendent H a a s e hat einmal, was dankbar zu verzeichnen ist, eine wirkliche und eigentliche Rede zu Gunsten der Juden gehalten. Aber seien wir aufrichtig: Herr H a a s e ist kein Parteiführer, er ist zudem der Vertreter einer conjessionellen Minorität, und wenn einmal