Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 4 (23.1.1891)
- Date
- 1891-01-23
- Page
- Seite 64 (sequence 10)
- Language
- German
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«&etie 64 Hetterreichifche Wocheulchrttr ixr. 4 ihrem Meistersänger ein weithin sichtbares Grabmal errichten lassen, aus welchem wir nur die Anbringung einer griechischen Lyra für völlig ungeeignet halten, zumal die von einem Palmenzweig zu umwindende Davidsharfe das einzig richtige Symbol auf diesem Grabe gewesen wäre. Pnbliratioue« de» ifrael. C«lt«svorstanbes in Wen. Gtt-1 Goldfchmrdtfche Stiftung für Realgqmnastalfchüler. Vom Borstande der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wird hicmit zur Kenntniß gebracht, daß für das laufende Schuljahr drei Ettel Goldschmidt'sche Stipendien ä 50 fl. an Realgymnasialschüler israelitischer Confession zu verleihen sind. Die Bewerber um diese Stipendien haben ihre Gesuche mit Zeugnissen über ausgezeichneten Studienfortgang und einem Mittellosigkeitszeugnisse zu versehen und bis 2 6. Februar d. I. in der Kanzlei (Secretariat) der israelitischen Cultusgemeinde (I., S e i t e n st e t t e n g a s s e 4, II. Stock) zu überreichen Verwandte des Stifters. Herrn Moriz Ritter v. Goldschmidt oder seiner Gattin Nanette, geb. Landauer, erhalten den Vorzug. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dem Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betrage. Wien, 15. Januar 1^91. Der Verstand der israelitischen Cultusgemeinde. Gesuchsblanquette sind im Secretariate I.,Seitenstettengasse Nr. 4, II. Stock, während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr unentgeltlich zu beheben. __ Korrespondenzen. Wie» Bacillus Antisemiticus militaris. Bekanntlich gedeihet dieses für den Staatsorganismus und die Gesellschaft gleich gefährliche Jnsect nur in der ekligen, von Tabaksqualm und Freibierdunst geschwängerten Atmosphäre der niedrig st en Spelunken, gleichwie das Schwein als Prototyp des Schmutzes den einzigen Nährboden für Trichinen bietet. Es erscheint daher räthselhast, wie das Officierscorps unserer glorreichen Armee vom „Bacillus Antisemiticus" inficirt werden konnte, da das Dienstreglement und die Standesehre den k. u. k. Osficieren den Besuch von „Kneipen" strengstens verbietet — ebenso jedes „Politiktreiben." Noch weniger begreiflich erscheint die Thatsache, daß auch das Corps der k. u. k. M i l i t ä r b e a m t e n, in welchem unsere Glaubensgenossen fast in jeder Charge vertreten sind, vom „Bacillus antisemiticus" ergriffen werden konnte. Bei der Fachrechnungs-Abtheilung des hohen k. u. k. Reichs-Kriegsministerium dient einer unserer Glaubensgenossen — ein in Ehren ergrauter, vielfach belobter Beamte, dessen Brust das „Goldene Verdienstkreuz mit der Krone" ziert, als Oberrechnungsrath I. Classe (Oberstensrang) und ist mit der Stellvertretung des Herrn Ministerialrathes betraut — ferner dienen in diesem Corps eine erkleckliche Anzahl von Rechuungsräthen, Officialen erster, zweiter und dritter Classe, Accessisten rc. :c. jüdischer Confession, zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten, und begegnen bei genauester Pünktlichkeit im Dienste, ihren andersgläubigen Untergebenen mit dem größten Wohlwollen. — Trotzalldem findet die verheerende Seuche des „Bacillus antisemiticus" auch in diesem ehrenhaften Corps immer mehr Verbreitung. Seit Jahren besteht innerhalb dieses Corps ein „Vergnügungsverein", von welchem alljährlich in den Sälen „Zum grünen Thor" zwei Tanzkränzchen veranstaltet werden, wäche wohl zu den „Elite-Bällen" der Residenz gezählt werden können. Jedem Mitgliede wurden stets Einladungskarten für seine Familie und den Bekanntenkreis nach Erforderniß erlheilt, was zur Folge halte, daß die den besten Kreisen unserer Glaubensgenossen angehörenden Damen diese Bälle mit besonderer Vorliebe srequentirten und nicht wenig zur Erhöhung des Glanzes dieser Feste beigetragen haben. Die Unterhaltung war bei aller Noblesse stets zwanglos, und keiner kümmerte sich um die Confession seiner reizenden Tänzerin, oder seines Partners beim „Tapper" — doch: „Es wär zu schön gewesen! Es sollte nicht mehr sein! Unter Hinweis aus die herrschende Strömung, fand sich das Comite veranlaßt, einem n i ch t j ü d i s ch e n Comitemitgliede die Einladungskarten diesmal vorenthalten zu müssen, weil seine Gäste Namen, von nicht genügend arischem Klange tragen, und diesem Umstande ist es zu verdanken, daß der am 9. d. M. abgehaltene „Jom* fixe“ der Rechnungscontrolbeamten des hohen k. und k. Reichskriegsministeriums „judenrein" war. Daß der Racenhaß innerhalb dieser Branche für den allerhöchsten Dienst forderlich ist, wird wohl niemand behaupten können, und erscheint es unbegreiflich, daß man „O b e n" diesem Treiben gleichmüthig zusieht. Die Reihen unseres tapferen Heeres sind also auch vom Bacillus antisemiticus verseucht. Die einzige Ausnahme bildet nur noch das militärärztliche Officierse o r P s, das durch die Wissenschaft gegen Jnfection dieser gefährlichen Pest sich zu schützen versteht. D m u ch a l s k i. Wien, 23. Jänner. (Der Protest des Börsenvereines.) Gestern Abends fand im Festsaale der Handels¬ und Gewerbekammer eine Versammlung des Wiener Börsevereines zum Zwecke einer Discussion der im niederösterreichischen Landtage gegen die Börse gefallenen Angriffe statt. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht und bemerkte man unter den Anwesenden den Director des Giro- und Caffenvereins, K a n i tz, den Director der Schweizerischen Creditanstalt Julius Po l la k, den Reichsraths-Abgeordneten Dr. Bloch und die Börsenrüthe Salo Cohn, Kantor, S o b o t k a, T r e b i t s ch rc. Vicepräsident F r i e d e n st e i n, welcher die Versammlung eröffnete, wies nach erfolgter Begrüßung auf die erfolgte Schaffung Groß-Wiens hin, welches Ereigniß auch an der Börse nicht ohne Bedeutung vorübergehe. Die vielverlästerte Börse werde nicht zum geringsten berufen sein, den kräftigen Impuls in Handel und Gewerbe, welchen man von der Stadterweiterung erwarte, zu fördern. Die Wiener Börse möge dem ersten Mann int Reiche, dem Monarchen, dessen Initiative alles Große und Schöne zu danken, der alle seine Unterthanen mit gleicher Liebe umfasse, den ehrfurchtsvollen Dank abstatten und Redner sei der jubelnden Zustimmung der Versammlung sicher, wenn er ausrufe: „Se. Majestät, unser allergnädigster Kaiser, den Gott noch lange erhalten möge, lebe hoch!" Die Versammlung hatte sich bei den letzten Worten dieser Rede erhoben und brach in stürmische Hochrufe aus. Hierauf übernahm Herr S t e i n b ü g e l den Vorsitz, welcher dem Commercialrath N e u st a d t l zu seinem überaus gründlichen, mit hoher Fach- und Sachkenntniß abgefaßten Referate das Wort ertheilte. Herr Commercialrath Neustadtl wies darauf hin, daß die Partei im Landtage, welche man am charakteristischesten als Hetzpartei bezeichnen müsse, sich in der letzten Session vornehmlich die Börse als Spielball auserwühlt und dieselbe selbst bei solchen Themen in die Debatte gezogen habe, welche mit der Börse gar nicht in Connex zu bringen seien. Zur Jllustrirung des Tones und der Logik der gefallenen Angriffe verlas Redner aus dem stenographischen Protokolle zwei im Landtage gehaltene Reden, welche von der Versammlung vielfach mit Rufen der Entrüstung