Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 8 (1891)
- Issue
- 1 (2.1.1891)
- Date
- 1891-01-02
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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<öeue 18 GeNerreichische Wochenschrift vir. 1. einer Erklärung der amtlichen „Wiener Abendpost" vom 8. Jänner 1683 (!) hat die „Oesterr. Wochenschrift" wiederholt die Falfificnte gebrandmarkt. Das hat indessen Herrn Ernst V e r g a n i nicht gehindert, diese Falsificate neuerdings zu reproduciren, wiewohl dadurch auch das Andenken eines österreichischen Botschafters in der schmählichsten Weise entwürdigt wird Nun aber sah sich der Minister des Aeußern Graf K a l n o k y veranlaßt, mit Hilfe des Staatsanwaltes einzuschreiten, und so mußte denn das biedere „Deutsche Volksblatt" vom 30. December an der Spitze des Blattes nachstehende Note p.ubliciren: „Dir Krirfr des Grafe« Mimpffei» Z. 20293. An d^e löbl. Redaction des „Deutschen Volksblattes" in Wien, III.. Linke Bahngasse 5. Mit Bezug aus den in der Abendausgabe des „Deutschen Bolksblattcc" vom 24. December 1890, Nr. 708, auf der ersten Seite unter der Rubrik „Politische Rundschau" gebrachten Artikel mit der Aufschrift: „Ein Gedenktag", wird die Redaction hiemit ausgefordert, den Bestimmungen des § 19, P. G., entsprechend, in die zunächst erscheinende Abendausgabe des Blattes nachfolgende Berichtigung aufzunehmen : ad Z. 166/5. Meine Aufmerksamkeit wurde aus die Nummer Ihres Blattes vom 24. December 1890, Nr. 708, gelenkt, welche unter dem Titef „Ein Gedenktag" den Wortlaut eines Briefes zum Abdruck bringt, den der verstorbene k. und k. Botschafter Graf W i m p f f e n am 24. December 1882 an den Banquier Baron H i r s ch in Paris gerichtet haben soll. Zur Wahrung des guten Angedenkens eines Verstorbenen, der sowohl als hervorragender Staotsdicner, wie seines itreng ehrbaren Charakters wegen nicht nur von mir, sondern in weiten Kreisen hochgeachtet war, halte ich mich verpflichtet, von Amtswegen zu erklären, daß obiger Brief, dessen Fassung und Inhalt ohnehin ten Charakter einer tendenziösen Fälschung an sich trägt, durchaus erfunden ist und thatsächlich nie existirt hat Es fallen damit auch alle aus jenem angeblichen Briefe abgeleiteten und gegen den lauteren Charakter des Grafen Wim p f f e n gerichteten, nachweislich unwahren Insinuationen zu Boden, die übrigens schon im Jahre 1883 von autorisirter Stelle entschieden zurückgewiesen wurden. Ich ersuche Sie, auf Grund des § 19 des Preßgesetzes, diese Berichtigung in Ihrem nächsten Blatte an der gleichen Stelle wie den erwähnten Brief zu bringen. Wien, am 29. December 1890. Graf K o l n o k y m. p., Minister des Aeußern. An die Redaction des „Deutschen Volksblatt" Wien. Diese Aufforderung ergeht infolge Erlasses des hohen k. und k. Ministerium des Aeußern vom 29. December 1890, Z. 166/5. Wien, am 29. December 1890. Der k. k. Oberlandesgerichtsrath und 1. Staatsanwalt: S oo s. Die amtliche „Wiener Abendpost" stigmatisirt unter Hinweis auf diese officielle Kundgebung das Vorgehen des Antisemitenorganes mit nachfolgenden Bemerkungen: „Es ist gewiß auf das tiefste zu beklagen, daß ein in Oesterreich erscheinendes Blatt sich hinreißen lassen konnte, eine die Ehre eines langjährigen, ausgezeichneten Staatsdieners bemakelnde lügenhafte Publication aus der Vergessenheit hervorzusuchen und derselben, ohne sie vorher aus ihre Richtigkeit geprüft zu haben, lediglich um gehässigen Tendenzen zu fröhn en, in seinen Spalten Raum zu geben. Nach der obigen unzweideutigen Erklärung des Herrn Ministers des Aeußern ist aber wohl zu erwarten, daß der Herausgeber und verantw. Redacteur: Sr. I. S. Bloch7 vom „Deutschen Volksblatt" citirte Brief sammt den darin enthaltenen Insinuationen gegen den verstorbenen Grafen W i m p f f e n für jede n ä n st ä n d i g denkenden Menschen als das gekennzeichnet erscheint, was er ist, als eine gewissenlose, der Gehässigkeit und Gemeinheit entsprungene lügenhafte Erfindun g." Die übrigen Lügen des Herrn Ernst B e r g a n i kümmern den Minister des Aeußern Grafen K a l n o k y nicht und so bleiben sie denn ungesühnt. Indessen eine Frage drängt sich jedem ehrlichen Menschen auf: Welche raffinirte Spitzbüberei gehört dazu derlei Briefe zu fabriciren und zu erlügen, und diese Antisemiten predigen uns Juden — Moral. Literatur. Arbeit und Arbeiter im jüdischen Volke. Bortrag gehalten zu Gunsten des israelitischen Handwerkervereines in Bielitz in Schlesien, von Dr. Adolf K u r r e i n, Rabbiner und Prediger in Teplitz. H. L. Brönners Druckerei Frankfurt a. M. 1890. — Jahrhunderte lang hat man zu Gunsten des Spießbürgerthums, dem die jüdischen Handwerker bei ihrer Intelligenz, Nüchternheit und Fleiß gefährliche Concurrenten gewesen wären, den Juden den Handwerksbetrieb verboten und sie zum Handel gedrängt, und weil sie noch zum großen Theile dabei beharren, trotzdem seit einem halben Jahrhundert in den meisten Staaren ihre politischen Verhältnisse günstiger geworden und jedes Gewerbe ihnen offen steht, erhebt man nun gegen sie die Anklage des Mangels an Liebe zur Arbeit. Ein unparteiischer Richter muß diese Anklage nicht nur für ungerecht, sondern sogar für lächerlich finden. Wie hätten sie innerhalb der kurzen Zeit ihrer Freiheit schon diesen llebergang bewerkstelligen können 2 Allerdings haben sie seitdem auf geistigen Gebieten, die ihnen ebenfalls so lange verschlossen waren, die übrige Welt eingeholt, daß man daraus sogar die Anklage ihres Bildungsüberschusses formulirt: allein der jüdische Geist behielt durch das Talmudstudium seine Elasticität, während der Arbeitstrieb sich nicht so leicht nach dem Drucke, der auf ihm bislang lastete, wieder erheben konnte. Nicht unser gegenwärtiges Eriverbsleben haben wir daher zu rechtfertigen, sondern blos nachzuweisen, daß Arbeit und Arbeiter im Judenthume in hohen Ehren standen, bis man ihm versagte, ihnen seine persönliche Huldigung darbringen zu dürfen. Und diesen Nachweis erbringt der Verfasser vorliegender Broschüre in erschöpfender Weise. An der Hand der heiligen Schrift, des Talmud und Midrasch zeig: er, welcher hohe sittliche Werth beim jüdischen Volke der Arbeit beigelegt wurde, auf die selbst die Religion in ihren Satzungen Rücksicht nahm, und welche höher stand als Wissen und Frömmigkeit. Zur Erhärtung des Beweises vou der jüdischen Arbeitsthätigkeit führt der Verfasser in erster Linie die Anerkennung derselben von dem größten Judenfeinde des Alterthums Kaiser Hadrian an, zählt dann eine ganze Reihe der besten Geister und würdigsten Vertreter des Volkes auf, die es nicht scheuten, den niedrigsten Arbeiten sich znzuwenden. Maurer, Kohlenbrenner, Faßbinder, Gerber, Schuhmacher u. s. w waren, und weist Zuletzt auf die historisch bestätigten Thatsachen hin, daß die Juden, seitdem sie den Boden Palästinas verlasse., hatten, immer und überall Ackerbau und Handwerke betrieben, bis es der Kirche gelang, das Judenthum aus der Gesellschaft ganz auszuschließen und die geistlichen und weltlichen Herren es nur noch als Geldmacher gebrauchten: daß die Juden ferner trotz der ihnen systematischen Abgewöhnung des Ackerbaues und des Handwerkes bei jeder passenden Gelegenheit um die Freigebung derselben petitionirten, also von einer Arbeitsfeindlichkeit und Arbeitsschen der Juden gar keine Rede sein kann. So wenig diese Schrift es auch sein will, ist sie doch eine Streitschrift m eminentester Weise und sie ist Jedem zu empfehlen, um sich mit den Argumenten gegen den Vorwurf der Arbeitsscheu zu wappnen, der den höchsten Triumph des Antisemitismus bildet, welchen er gegen unsere Gleichberechtigung ausspielt. Buchdruckerei Helios jverantw. Karl Simmon), I., Schreyoogelgasse 3.