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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1891-01-02 · 1 (2.1.1891) · p. Seite 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
8 (1891)
Issue
1 (2.1.1891)
Date
1891-01-02
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Nr. 1. Gesterreichische Wochenlchritr «eue 17 Gm antisemitischer Schurkenstreich gegen Karon Hirsch. Der edle Freiherr M. v. H i r s ch ist seit Jahren das vornehmste Ziel antisemitischer Verleumdung. Sein in der Geschichte beispielloser Edelmuth, welcher den Nothleidenden aller Länder ohne.Unterschied der Nationalität und Confession Wohlthaten in verschwenderischer Fülle spendet, diese seine exeeptionelle Hochherzigkeit im Vereine mit der hohen Freundschaft, mit welcher ihn der Prinz von Wales, der künftige Träger der engl. Königs- und indischen Kaiserkrone, seit Jahren auszeichnet, hat ihm den wahnsinnigsten Haß der internationalen antisemitischen Preßmeute zugezogen. Ein gegen ihn verübtes literarisches Bubenstück möge als Beispiel dienen für die Höhe der arisch-antisemitischen Moral und für die Art des Kampfes, welchen die antisemitischen Spitzbuben gegen die edelsten Männer in allen Ländern führen. Am 24. December, zur Feier des heiligen Weihnachtsfestes, mit der Devise „Friede den Menschen auf Erdendie eines guten Willens sind", brachte Herr Ernst Bergani nachstehenden Artikel, den wir zur ewigen Erinnerung und Brandmarkung im vollen Wortlaute reproduciren : „Gin Gedenktag. Der Weihnachtsabend ruft uns die blutige Gestalt des österreichischen Botschafters in Paris, des Grafen W i mp sfen: in daS Gedächtniß, dem die Erkenntniß seiner Umgarnung, als zu spät gekommen, die Todeswaffe in die Hand drückte, doch erst, nachdem diese Hand zur Warnung Anderer das bekannte, von der „Vogelsang'schen Monatsschrift" veröffentlichte Schreiben an den „Baron von Hirsch" zu Papier gebracht. Bekannt wurde es damals, Danks!!) dem „antisemitischen" Berliner Blatte, aber wie viel die Warnung gewirkt haben, in wie Vieler Gedüchniß sie heute noch leben mag? Einige Tage wurden die Bezweifelungen der Echtheit in den semitischen Blättern mit größtem Interesse gelesen, dann wartete man auf die in Aussicht gestellte Klage des „entrüsteten" Baron von Hirsch, wartete so lange, bis man vergaß, daß man warte, und die Blätter vergaßen auch zu berichten, daß Baron von Hirsch es auf weitere Beweise der Echtheit des Brieses nicht ankommen ließ und keine Klage erhob. Ten Intentionen des Todten mag es nicht entgegen sein, wenn wir die Erinnerung an sein Vermächniß hier ausfrischen. Ter Brief lautet: „Herr Baron! Wenn Sie diesen Brief empfangen, werden Sie ihn zögernd öffnen, da Sie feinen Inhalt ahnen. Fürchten Sie indeß keine Vorwürfe. Als ich mich von Ihren Liebenswürdigkeiten langsam umgarnen lief;, dachte ich nicht, das; schlechte und sträfliche Absichten sie lenkten. Fast unmerklich haben Sie meine Charakterschwäche auf die schiefe Ebene der Ehrlosigkeit geführt .... mein Vaterland würde mich minder hart beurtheilen, wüßte es, wie klug Sie dabei vorgingen! Mich haben Sie getäuscht und durch Ihr Geld gefangen, wie Davoud und Mahmud Mehdim Pascha, wie die Grasen Beust, Zichy, wie Schlegel und Andere und uns zu Baterlandsverräthern gemacht, um zu den Millionen, welche Sie den Türkenlosbesitzern abgenommen, neue Millionen m der Türkei zu gewinnen. Was ich gcthan, soll mein Tod enthüllen, und so will ich sühnen. Schon der Umstand allein, das; der österreichisch-ungarische Botschafter Hand an sich gelegt und einen Brief an den Baron Hirsch hinterlassen hat, wird genügen, die öffentliche Meinung aur die rechte Führte zu leiten Bemühen Sie sich immerhin, die Wiener und Pariser Tagesblütter durch neue Spier für ihre Interessen wirken zu lassen. Mein Tod wird Ihr Gold erbleichen machen, hier in Paris wie dort in Wien. Zn Berlin hatten Sie ohnehin niemals Genossen, Berlin ist die Hauptstadt des Eontinents und das Centrum der mitteleuropäischen Srienivolitik. Bis vor Kurzem verliiß sich Berlin in der Srientbahn-Frage auf uns, weil es nicht wußte, daß die österreichisch-ungarischen Botschaften in Constantinopel und Paris lediglich die Agenturen des Baron Hirsch sind, und fast wäre es Ihnen geglückt, das famose T>ansactions-Geschäft mit Bleichröder zu Stande zu bringen. Jetzt wird R a d o w i tz, so wie ich ihn kenne, dafür sorgen, daß Deutschland in Constantinopel selbstständig vorg"t,en und besonders in der Eisenbahusrage entschieden gegen Ihre — wie Sie selbst wissen, mehr als ungeheuerlichen — Forderungen Stellung nehmen wird. An den Grafen Kalnokv habe ich in letzter Stunde einen Generalbericht über diese Angelegenheit erstattet, welche wir stets als die Ihrige betrachtet haben, obwohl sie die Unserige war. Wenn ich ein Wiener Großhändler wäre, harre .ch schon längs: die österreichisch-ungarische Diplomatie öffentlich angeklagt, weil sie sich seit zwölf Jahren von Ihnen und zu Ihren Gunsten beeinflussen läßt, obschon doch Sie allein es sind, welcher die Verbindung unserer mit den türkischen Bahnen hintertreibt. Möge mein Todt das Deutsche Reich gegen mein armes Vaterland wenigstens etwas versöhnli cke?- stimmrn. Man hat in Berlin ein Recht, uns ernstlich böse zu sein, weil wir Deutschlands Vertrauen und Einfluß zu Jliren Gunsten in Eonstautinopel zu mißbrauchen im Begriffe waren. Ich sterbe, um meinem Gewissen Genüge zu thun. und der Botschafter Sesterreich Ungarns wird sich auf offener Straße rödten, unr vor der ganzen Welt seine Schuld zu bekennen. Was die Ehre gebietet und was das Gewissen fordert, blieb Ihnen zwar von jeder fremd, vielleicht, iveil Sie Ihren Talmud wie einen „Tarrüffe" eommenrirten. Aber auch den grundsatzlosesten der modernen Geldnirüen wird die Nemesis erreichen. Binnen Kurzem wird nichts mehr von den zweihundert Millionen, welche Sie aus dem türkischen Bayngeschäfte herausgepre:-t haben. Ihnen gehören, und Sie Ihren Richter finden, ivie Ihr Freund und Genosse Bontour. Paris, am Weihnachtsabend W i m p f ie n." ..Mit erschreckender Deutlichkeit enthüllt dieser Brief die furchtbare Wirksamkeit des internationalen Großcavitals. einen tiefen Blick läßt er uns tbnn in den Abgrund,•! in den schon mancher der Edelsten und Besteil gestürzt ist. Dieser Gedenktag möge ein warnendes „Memento" sein für alle Zeiten." So weit der — Weihnachtsaniket des Ernst V e r g a n i. Am;30. December noch ließ sich Herr Bergani von seinem Pariser Eorrespoudenten wegen dieser seiner Heldenthat besonders preisen. Er ließ sich von besagtem Eorrespondenten über den edelherzigen Baron H i r ' ch melden : „Um zu seinem Triumphe noch etwas hinznzufügen. hat er dem ,.F i g a r o" eine „Terteinschaltnng" übersandt, in welcher mitgetheilr wird, daß Herr Baron H > r s ch ans eines seiner Schlösser nach England gereist ist. um daselbst — es m ein ehemaliges Königsschloß Georg lll. — den Prinzen von Wales und eine Anzahl hoher englischer Aristokraten zu bewirthen. Leider ist ihm in diesen Freudenbecher der Wermuthstropseu des Wimpffeu'schen Brieses witens des „Deutschen V o l k s b l a t t e s" gegossen worden ' Allerdings wird er sich anderseits damit trösten können, daß der englische Thronerbe und die f^marotzeriichen Lordschaften nur lebensfrohe Salonblatter lesen und keinen Geschmack für Zeitungen haben, die mc die Interessen der ausgebeuteren arbeitenden Claffen eintreten." Tie sogenannten Briese des Grasen W i m p f f e n waren längst als literarische Bubenstücke der internationalen antisemitischen Bande össentlich demaskirt worden. Ans Grund

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