Mannheim
Compact Memory

Berliner Vereinsbote · 1896-11-06 · Heft 45 (6.11.1896) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3019627-3019682-3019725--346-3020791
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

gläubigen Kinder willen seinen UeberzeUgungen mitreu werden? Soll er sieh um jener willen bekehren oder wird er nicht .vielmehr, sogar unbeabsichtigt schon, jene bekehren? / Niemand vermag über seinen Schatten zu springen. Der christliche Religionslehrer erteilt eben christlichen Religionsunterricht und keinen jüdischen, und wer wollte .ihm das verargen, wer etwas anderes von ihm .erwarten? Er braucht keine Rücksicht auf die ausserhalb seines Bekemitnisses stehenden Kinder zu nehmen, thuts zumeist auch nicht, um nicht in den Verdacht zu geraten, eine heilige Aufgabe durch Opportunitätsrücksichten zu profaliieren und erzieht durchgehend« für die christliche Religion, j wofür er ein Lehrpatent hat. Findet sich bisweilen ein / sogenannter liberaler christlicher Religionslehrer, so wird/ ihm die Sache zuletzt mit. jüd. Kindern auch etwas anbe- «juem. Er'laviert, nur. fährt ängstlich und vorsichtig ah Klippen und Felsen vorüber, während er ohne Judenkindei* frems Fahrwasser hätte und nicht immer von der Kommanddbrücke auszulugeu nötig hätte, ob nicht Gefahr in Sicht. Die jüd. Kinder hemmen ihn und lassen es ihm bisweilen nötig erscheinen, weniger wann und überzeugt sich über Dinge auszulassen, die ihrn sehr am׳ Herzen liegen und die vielleicht׳' nicht; ungesagt bleiben, so ihr! die Gegenwart /der andersgläubigen Kinder* nicht genierte. Für welchen von beiden Teilen ist das ein Segen? So werden Halbchristen und Halbjuden erzogen. Wie steilts mit dem Seelenheil der jüd. Kinder, bei einem so gearteten Religions-Unterricht? Sir leben.sich uaturgoinäss in eine ganz andere, völlig abseits von dem ■durch ein an jüd. Religionsunterricht zu er- ׳zielenden Gedankenwelt ein und sind, wenn man später mit d»*m wirklich cohfessionell jüd. Religionsunterricht beo jtmcu wollte, für diesen'■nur sehr schwer oder überhaupt i iucjjlit mehr zurückzuerobern. Bisweilen steigert, sich <iic durch die frühere Teilnahme am nichtjüd.־■׳.Religionsunterrieht hineinerzogene Liebe für jenen bis zu einer schwärrae rischen Verzückung, namentlich bei jungen Mädchen, die eine solche Sprödigkeit und geistige Trägheit für anderes, namentlich Entgegengesetztes mit sich bringt, dass der tüchtigste Lehrer ratlos dasteht, mit einem in fremden Gedankenkreis auf erzogenen Kinde nichts anzufangen weiss und all seine pädagogische Kunst scheitern sieht. Weder von der Gemüts-, noch von der Verstandesseite, sind solche I Elemente, zu fassen, sie müssen ja völlig ningeknetet werden, zum grossen Teil muss ausgerodet werden, bevor eine •neue Pflanzung angelegt werden kann. Dem Psychologen ist das auch ganz erklärlich: es ist night zu begreifen, wenn es anders wäre. Die Vorstelliingsgruppen, die an der Schwelle des Bewustsseins harren, können durch neue und völlig fremde, die mit dem Alten gar keine Beziehung uticl Verwandtschaft aufweisen, nicht in lebendige Erregung ' versetzt werden, der Appereeptionsprozess, für dessen Zustandekommen nach dem Gesetz der Analogie jede Bedingimg, nämlich die geistigen Angelhaken, fehlen, kann sich nicht vollziehen /die Vorstellungsmassetn assimilieren sich nicht, sondern hemmen einander und gehen wie feindliche Pole beim Magneten auseinander, anstatt sich innig mit einander zu verbinden. Daher gerade in frühester Jugend die Gefahr der Entfremdung am grössten. Die Gewohnheit, innerhalb eines ganz bestimmten Gedankenkreises zu denken, lässt sich später nicht tilgen. Daher Vorsicht und Bedacht genommen auf den ״clirisflrch-jüdischen^. Religio nsunterricht. Ein anderes Mal mehr über dieses wichtige Thema. . . A. 4. in Berlin. Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag»deni» November inallen Synagogen abds. 1 1 Uhr. $0nnablenif den 7 November in der altem Synagoge morg. 81/״ Uhr, in «len übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. . Predigten .Vorm. 10 Tin:: Neue Syn. Herr Rah. Dr. Maybaum. Kaiserstr.-Synagoge Herr Rah. Dr. Weisse. )«gendgottesdienst Nach mit :9 Uhr Undenstr.-Svn. Herr Hab. Dr. Rosenzweig. Abendgottesdienft 5 Ul!י.׳ ו Min Gottesdienst an den ■Wochentagen morgens: Alte u. Kaiser str.-Synagoge 7 Uhr, Neue? und Urnden8tr.-8yn.7f Uhr, abends jm allen Svn. I Ühd. Sitzung der Repräseiüatften-Ver־ Sammlung Sonntag, den 8. November Vormittags 11 Uhr im Sitzungssaale Oranienburgersir. 30 II. Israel. Frauen-Unterstützungs»Verein Berlin. Vorlesungen 1896 in (Tr Aula de.8 Friedrich YVenTrsehen Gymtiasiunf s, Dorothe-enstr. 13/14' präeise 8 Uhr. Mittwoch, d. 11. No v . Herr Carl Emil*Franzos. Herr Alexander Moszkowski. Eintrittskarten für den ganzen Cyclus a 9,00, M. für jed*־n Einzelvortrag ä 1,00 Mk. in den Buchhandlungen: M. Neufeld Nacht.. Potsdamerstr. 81, Trautwein'sche Buchhandlung, Ueipzigerstr. 8, Centrat-Buchhandhmgj Central-Hötel, Friedrichstr. 148, Sieget & Schimmel, König- Strasse 41. - .' Vereinigung Monbijou. I Nächste Sitzung Mittwoch: den 11. November 1896 präeise 9 Uhr Wi Cassel’s Hotel, Burgsfr. ifi. Diskussion. Thema: sind wir Juden den Antisemiten Dank schuldig? Referent: Herr J. Wolff. ,Gäste (Herren) herzlich willkoramep. ״Per Vorstand. Israelitische Synagogen.-Gemeinde Adass Jisroel. Gottesdienst in der .Synagoge Gipsstrasse 12a. Freitag, den 6. Nov. Ab.!,1U Uhr. Sonnab.'d. 7. Nov., Morg. 8 Ulir. Jugendgottesdienst 3 Uhr. An den Wochentagen: Morg. ()ff, Uhr. Abends 4 Uhr. Meine Wohnung befindet sich Weinbergsweg 8 U. Simon Dubowsky, Cantorl. der Synagogen Gemeind**. (Adass Jisroel) und £2ןיךןל JüT Lesehalle und yolksbibliothek. Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für/ jedermann geöffnet: /Wochentags 1 4, Sonnabend 2—5. Sonntag 10—2. + Vereinigung jüd. Frauen u. Mädchen ♦ ״Juda’s Töchter“ ־♦ Y .!sitzende Frau Sshrend, Frl.Tonn. ♦ Sonntag, den 8 November er. abends 8 Uhr im Festsaale des Hotel Münchener Hof. ♦ ״Gesellschafts-Abend mit Tanz“ * Billig sin■! nocli /״'haben l״ i Rud. Hartm&nn, Schwillt. Alice lKfi. 4 ׳ Der Vorstand. ♦ Juda s Töchter, alte Vereinigung, gegründet 1895. Verein jüd. Frauen und Mädchen. Montag, 9. November, in unserem Veruioslocal (Königssäle). Neue König- Strasse 26, Abends 9 Uhr Vortrag des Herrn Redacteur E. Fl ante r: ״Das Erziehungswesen bei den alten Hebräern“. Gäste (Damen; herzlich willkommen. Der Uorstand Frau Sachs. pp Zur Chanukahbeschenkung! ־•* Vereinen und Privaten bestens empfohlen: ״Israelitische Jugendbibliothek“ begründet von E. Flftütor. 1. Bd. Der Talisman odeFZwei Grabschrifien. Erzählung von Mor. Scherbe!. Elegjgeb. 65 Pfg. ■ . 1 ' ■ 11. Bd. ,,Horeb." Dichtungen für Schule und Hans von Gustav Jacobsobn. Eh־g. gbd. 1 Mk. Bei direktem Bezug mehrerer Expl. wird hoher Rabatt bewilligt. Ferlaa des ״Israelitischen InKendfreund“. Chri*ti11en»tr. 30. Verein für jüdische Geschichte und Mferalur. Dienstag, 10. November 1896 iu der Aula des Friedrich Werderscken Gymnasiums, Dorotheenstrasse 13/14. f präeise 8*/2 Uhr:' * Vortrag des Herrn Rabbiner Dp. Stier: ״Die Ehre in der Bibel“. T Gäste sind willkommen. Der Dorftmrd.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.