Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Garantierte Auflage 5000 Exempla für die jüdischen Vereine ßerlins Erscheint jeden Freitag, wir׳I;111»•!! Minderem der v׳,-r«dne gratis zugestellt, 11114' lie״' in allen• jüdischen Hotels und .Resuujraiit.s aus.*-• Bezugspreis für Nichtmitglieder t Mark vierteljährlich. - Insertionspreis für die viergespaltene Petitzeile 30 Ptg. Expedition und Annoncen- Annahme: Berlin NO., Kais er Strasse 39 40. Hcstzeituims-Liste 978. wm ,er Ä. ׳! 7f!v. -—:-•-1—r Nummer 45. I Berlin, den 6. November 1896 II. Jahrgang. 19** Wir bitten hlöfl. um gefl. Angabe etwaiger Adressenveränderungen. Wegen Unpünktlichkeit oder Unregelmässigkeit in der Zusendung wolle •man in unserem Bureau Kaiserstr. 39 40 reklamieren. Die Teilnahme jüdischer Kinder am christlichen Religions-Unterricht. In den letzt 11* י Jahren hat sich eine Strömung gegen’■ das alte Testament als Iklduugs- und Behdirungsmittel ini christlichen Ue^igions-lTuicrriclit geltend gemacht. Di(־ Bewegung ging von I •astören-Kreisen Siiddeuts<׳hlainls aus mul gewann■'immer ■'.mehr'Boden.. Wenn es nur möglich wäre, ohne vorherige Kenntnis des Alten, ein Verständnis fürs Neue Testament anzubalmeii,. so hätte man sehen heut den sogenannten ,Jüdisch-christlichen■ Rdigions-lbitcrnVht ” dadurch gesäubert und geheiligt, dass man aus ihm alb die Elemente, die an jüdisches: Leben und altjüdische Kultur erinnern, geflissentlich eliminierte. Doch wo ein Ersatzmittel hernehmen? Das ist die cnix, und nur au- Ermangelung eines amjeru propädeutischen Hilfsmittels für den eigentlich rein christlichen Religions - (mlerricht.! 1 a 11 man au der durch Jahrhunderte geübten Praxis noch lest, giebt sich aber redlich Mühe.den sonst aneiLaimtermassrnr für die Herzens־ und, (bunütsljddung der Kinder gerade durch die einiädhen und sehlichten Verhältnisse ausserordentlich geeigneten Stoff sozial wie möglich zü beschneiden. und mehr Raum fürs neue Testament Zu gewinnen. Wes hall) geschieht das? In erster Rauhe deshalb," ׳weil thatsäehlieh von orthodoxer Seite die Befürchtung atisgesprochen wird, der christliche Religions ־ IUnterricht auf breiter Grundlage de* alten Testaments .,vorjüdehd die christlichen Kinder. Dass das^.ganze Sittengesetz, soweit man es ein 'allgemein menschliches nennen kann, im alten Testament seine Wurzeln habe, dass das ganze neue Testament mit seinen in det Theorie über das Alte hinausgehenden Postulaten der allgemeinen Menschenliebe selbst nach Ansicht strenggläubiger (Tristen nur eine ■'Weiterführung der diesbezüglichen Lehren des alten Bundes sei, kann man nicht ganz vergessen und bedient sieh der heiligen Schrift der ,Juden!wenigstens auszugsweise, aber mit grosser Vorsicht. - Wie 'stehts bei uns mit dieser vielgepriesenen Vorsicht? Ein ganz entgegengesetztes Verfahren wird von vielen unserer vornehmen und feinen G laubensseh west ei n I eingeschlagen, an > tat t die K in der aii die < Quelle zu führen,; daraus׳ lebendiger Glauben für ■ihn» < dnfession tlms-t. lässt 1 man dieselben sieh laben und er«;nicken am fremden-Born. | Der erste und oft auch der ־•■einzige Religion-־! mterricht, I denviele Kinde! der oberen Tausende ןü41. Eltern em- | plan gen. ist der von andersgläubigen'. 1 ,ehrpersonen ' ihnen | erteilte. .,Altes Te-tament, .bleibt.alt.es Testament, ganz | gleich, von .wem es vorgetrageu wird", so heisst es für gej wohnlich: und wenn selbst.־ das jiid. Kim! am m-ntestaimmt-! liehen rnterrieht beteiligt ist, to timt das nicht-, ־׳s fallt im-! ilier etwas fpr die allgemeine 'Bildung'dabei ah. es gewinnt i an christlichen! Schliff und verliert an jiid. Engherzigkeit,, [ die eonfessionelle Seheidewand wird .niedergerissen. und das ist nicht׳ nur kein' Schaden, sondern sogar ein ■grosser Segen, der Versöhnung ■■׳und gegenseitige WVrr-ehatzimg herbeiführt. So und ähnlich hört man oft genug sprechen. Es 11'esse sieh das vielleicht noch hören, wenn der;also ■erteilte- Religions 1 ־־ )nterricht etwa ein Moral - luUerricht s wäre, der "Humanisierung bis auf die Juden herab zum j Ziele hat. der nicht die Grundlage eines streng positiven i < Irristentums bildete, .wie er schon von staatswegen für j die .Schulen verlangt wird. Betrachten . wir einmal die pä- | dagogiseh-psycjiolögisHie Seite dieses Verfahr«-ns.;Was soll‘ I der Religions־! diterrieht denn «‘!gentlieh ausser der- Herzens^ | und Gemütsbildung. die sein Hauptziel ist, bezweck«-n? Er i soll in die Geschichte und •die» religiös-ethischen Grund an-. | sehaimugen der• Bekenne!־ der Religion eintuhren.; «׳r soll ohne in ,Dogmenstreit ׳ und }■,arteigezänk au-zuarten — ge־־ legentlieh auf Hauptunterschiede zwischen d«u־ •*inen und anderen hin weisen, er soll mit geistigen Waffen a 11-10-0־ ui.! 11111 etwa erhoheue!! Vorwürfen und ■Verleumdungen mit ■Erfolg'■ begegnen zu können er soll ■Vorurteile und Irrt inner b.-seitagen helfen er soll zur Teilnahme am Gottes־, dienst vorbereiten, und das alles soll ein gemi-dit-konfess ioneile r und doch■ streng christlicher Religions-! diten ielit leisten? Nein, das kann er nie und nimmer!eisten, gerade deswegen nicht. w׳dl er zu einer Ver«jiiiekung von ganz unmöglichen Zuständen führt. Wer will dem frommen christlichen Religionslehrer zumuten, dass er um der Hand voll Judenkinder den von ihm erteilten Religionsunterricht verwässere und verblasse? , Soll er um der paar anders-