Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3019627-3019682-3019717--279-3020716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ein sozialistischer Grossstaat vor 400 Jahren. - Von Dr. Osoar Härtens. — Gegen Einsendung von Mk. 1,50 durch die Expedition des ״Berliner Vereinsbote“, Kaiserstr. ■ 39/40, franko zu beziehen. ׳’Soeben ׳erschien: — ERLEBT. — Erzählungen aus dem jüd. pamilienleben von Alphonse Levy. ־:::::::“־ preis SO Pfg. In jeder Buchhandlung, sowie in dem Verlag des ״Berliner Vereinsbote“, Berlin, Kaiserstr. 3.9/40, zu haben. Tviyiririiiiii 1111 rniTYii um 11 rix 1* Tran : Berliner Privatpost u. Spedition, Act.-Ges. \ Fornsprectier C., Ni©d©rwall*tr. 16. Amt I. No. 115. « Der Betrieb der Postabteilung erstreckt sich auf die Beförderung; von Briefen, Karten, Kartenbriefen, Drucksachen, Waarenproben, Geld• , anweisungen, Einschreibebriefen und Incasso von Quittungen und ״ dehnt ^ich auch auf die grösseren Vororte aus, nach welchen \ jedoch geschlossene Briefe nicht befördert werden dürfen. Die < Bestellung der gewöhnlichen Briefe erfolgt durchschnittlich inner- « halb 8 Stunden. Ganz besonders machen wir auf den Express- J Verkehr aufmerksam. ' Täglich _ 27 malige Bestellung. Briefe, , Karten und Kartenbriefe werden zum Portosatze von 10 P.fg. * innerhalb einer Stunde bestellt. N H M N N N N N N M N M M N M יי M ,rTrrTYTTTTiTirriiigirrriiiii-iiJLrririiiirriTn Nüch Sc Niesbeck Frische Blumenי 156, Friedrichstrasse 155. Specialität: Braut-Arrangements. Kränze, Bouquets etc. Tafelgarnirungen. ^WW Kinderwagen grossartige Auswahl, billigst, viele Anerkennungen. Musterb. gratis und franco, iff&z Brinner, Jerusalemerstr. 42, Berlin. Masseuse für Herrschaften, Herren u. Damen, äusserst gewandt. Friedrichstr. 13t d. Vorderhaus, I Treppe rechts. FmS־ Otto Schwabe Rosenthalerstr. 5. ——m——׳ Haus- Telegraphen, Telephon• und Sprachrohr-Anlagen. Reparaturen. 1,׳ I'!,' ' i|l,| 11; j Alex Lubranczvk ADfer^DD^ Ginster Herrenbekleidung Schneidermeister 1 s *“®־ «*«fle Preise. Friedriehstrasse 105 B. 1?euhe,ton “Äfa e ong־ —..׳■■ Reichhaltige Musterkollektion jederzeit zu Diensten. — Zu den Feiertagen empfehlen wir die in den jüdischen Dörfern des heiligen Landes .-מ gebauten und gekelterten Wir Weine. -WU Sichron-Jaakob (weiss) . Esra (rot, süss) ... Rischon l’Zion (rot, herb) Jaffa, Cognac . . per Flasche Mk, 1,20 .,־ 1,50 ״ - •״ 1,75 .. ״ . .. . :־■ ,4 - ■ ' ״ - ז ■ V 1 י m 2_ ״iWDTl Br.'Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. J. Hildeshe im er wird auf Wunsch beigefügt. MM- Versand nach allen Orten des In- und Auslandes. Bestellungen sind zu richten an das Comite für die Ausstellung der Erzeugnisse jüdischer Dörfer in Berlin. Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896. Cairo bei Berlin. ♦ ♦♦♦♦♦♦♦ ♦ ♦ j Berlin, Mohrenstr. 52, offerirt in neuen Exempl.: Die Heilige Schrift ׳der Israeliten, übers, v.L.Philippson. Ulustr, v. G. Dore. Original-Prachtein band statt 88 für 50 M. Prof. Oppenheim. Bilder aus dem jüdischen Familienleben. 12 Blatt Folio in Original-Mappe 26 M. Wilhelm Haene Tapezier u. Decorateur Grosse Frankftirterstr. 64. Anfertigung von Decorationen, eleganter u. einfach. Polstermöbel sowie sämmtl. im Tapezier- Fach vorkomm. Arbeiten. ♦ ♦’ ♦ ♦ ♦ « ״Seltsam,“ murmelte Herr Stern und frag, sich dicht an .Rubens Öhr bückend: ״Wer ist der Christ, den das sanfte Mädchen mit seiner Liebe beglückte?“ Rüben prallte zurück: ״Wie? Der Herr weiss?“ — ״Nicht viel, lieber Freund, aber ich möchte alles wissen.“ . / 4־ Er sagte es so decidiert und doch so herzlich und teilnah ms voll, dass der alte schwache Mann sofort den Ent- Schluss fasste, ihm alles zu gestehen. Vorsichtig blickte er um sich und rückte dann noch näher, indem er hin und und wieder Blicke auf eine Öleandergruppe warf, welche diesen Ruheplatz vom Gartenschloss her abschloss. Dann begann er in gedämpftem Flüsterton: ״Soll mich Gott hüten, dass ich gegen meinen guten \ etter ein böses Wort sag’. Er ist eine Seele von Mensch, aber jähzornig und streng; streng auf unseren Glauben, wie man heut׳ nicht mehr viele im Land findet. Aus dieser Ursach' kann ich ihm verzeih'n, dass er so arg bös' auf seine Tochter; ist, auf Veilchen, das arme Herz! — Veilchens Mutter war g'rad wie die Tochter, sanft, duldend aber unbeugsam in ihren Gefühlen. Es war nicht gut, dass die Schwiegermutter von dem Vetter mit ins Haus gezogen ist, die Meschuggene*). — er deutet auf das lindenbekränzte Fenster — sie war eine gewaltsame, harte Natur und hat ihre Tochter, wie her Prinzess alles zu Willen gethan. Ihr Mann war der reichste Mann in dem kleinen Neste Krivitz. Ich bin auch von dort und hab’ alles, was ich erzähl', miterlebt. Vielleicht kennt der Herr nicht einmal den Namen des kleinen Städtchens?“ unterbrach Rüben sich und fuhr dann nach ׳einer, bejahenden Antwort fort: ״Nun, weil er der Reichste im .Orte war, haben die Christen vor ihm den Hut gezogen, und ihre Kinder haben■ mit einander gespielt. Sein nächster Nachbar war der Cantor der städtischen Schule. Arm waren die Leute, aber brav, und die älteste Tochter, die Maria, isLganz unzertrennlieh von Esther ־— Veilchens Mutter — gewesen. Wie Schwestern sind sie aufgewachsen. Am Schabbesabend hat Maria die Lichter geputzt und andächtig beim Broch emachen*) am Tisch gestanden, dann hat das Christenkind das jüdisch-gesegnete Brot und das Maid geteilt. Am Sonntag, wenn die Glocken zur lutherischen Kirche läuteten, bat Esther die Freundin schön frisiert und mit ihren eigenen Sachen angeputzt, damit die Maria nicht gegen die anderen Kinder in der Kirche absticht. Hat man Maria vermisst, so war sie bei Esther zu finden, ist Esther nicht zu Haus gewesen, so war sie bei Cantors Maria. So ist das fortgegangen, bis sie gross und erwachsen waren, und die Lieb' ist mit ihnen gewachsen. Maria hat so gut das ״Schrna Isrool“**) sprechen, können, wie ein gut jüdisch Kind, und Esther könnt' das Vaterunser wie der beste Goi.f) Ja, der alte Kantor hat oft gelächelt, wenn Esther mit seinen Kindern den all abendliehen Nachtgesang, das Lutherlied — und wieder deutete' er auf das Fenster des Hinterhauses — gesungen hat und Esthers Vater hat die Maria oft sein christlich Juden kind genannt, weil sie benschenff)• könnt, wie Eine! Keiner hat deshalb den anderen für einen Proselitenmacher gehalten, es warenAeusserlichkeiten. (Fortsetzung folgt.,) *) Geisteskranke. *)Segensprechen. **)Gebet, f) Andersgläubiger, ff י beten. ^5521