Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1896)
- Date
- 1896-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Schokoladen•, KonfitUren-Handlung I* Dünokler, 3 Neue Promenade 3 empfiehlt zu den Festtagen Desserts, Pralinäs, Schocoladen Marmeladen, cand. Ingwer, Honig, Pommeranzenschalen, Bisquits, Bonbonnieren, Atrappen, mit feinem Konfekt gefüllt, in reicher Auswahl. Sämmtiiche Fabrikate der Hofl. Th. Hildebrand L Sohn. Vorzüglichen Eiercognac, Rum, Likör und Cognac. 3 Neue Promenade 3. Bestellungen nach auswärts werden pünktlich ausgeführt. Ottomar Anschütz BERLIN W., Leipzigeratrasse 116 (gegenüber dem Reichspostamt) Lager der bewährtesten Apparate, sowie sämmtlicher Utensilien für Photographie und Projection. Ausführung Aufnahmen von Vergrößerungen. jeglicher Art. /Kunstverlag. Besichtigung < i * * s EtMhIissemonts ist gern gestattet. — Auskunft um) .!'1 eisliste stelnui zu Diensten. Herren-Garderobe nach Maass M.,Wolff, Alexanderstr. 38a 1 Grosses Lager in Nouveautes Herstellung in kürzester Frist. Solide Preise. 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Mmite war der öde Teil verlassen, jind KubfMi bürt»1 aus den geöffnetem Fenstern, des gegenüberliegenden Hinterhauses ♦‘ine sanfte, süsse Stimme dringen. Veilchen sang ölen gestört 011 (?♦*ist zur Kulte. Der klein♦* alt(* Mann setzte sieh auf eiü«1 niedrige Bank und schloss die Augen, aus welchen strömend heisse Thränen drangen. ׳ Als er sie wieu r aufschlug, stand vor ihm der gefeierte Käst seines Vetters, aus dessen Gesicht das süssliehe Kacheln gewichen war und einem tiefen Ernst Platz gemacht hatte. 'Kuben .sprang in die Höhe, alter Herr Stern drückte ihn sanft auf seinen Platz zurück und zog mit der andern Hand ■einen Stuhl herbei, welchen er selbst ein nahm. Aus dem breitastigen Lindenbaumc, der ein offenes Fenster bedeckte, drang eine feierliche Melodie. ״Das ist ja aus den Hugenotten״.'flüsterte', der'Hamburger Millionär, aber Kuben widersprach: .,Es ist des Christen Lobgesang; der ,Luther hat' ihn gemacht'.״ Herr Stern ent sann sich, dass Me verheer allerdings das protestantische Kirchenlied als ׳Motiv benutzt hatte.• Die süsse Stimme verhallte. Herr Stern deutete auf das Fenster hinter <h*in י Lindenbaume: ״Das arme Kind hat ein schweres Leid zu fragen.״ Kuben sah ihn an, sah die warme Teilnahme aus den Augen leuchten. Er ergriff des Herrn Hand, drückte sie gerührt und seufzte: ״Ein Engel ist Veilchen, und doch — und doch — ich weiss nicht, darf ein Kind andere Wünsche ■haben als die seiner Eltern, hat sic* Recht, oder hat sie Unrecht, dass sie sagt, die Liebe fragt nicht nach dem Namen der Religion? Liebe ist selbst eine Religion, sagt Veilchen. — Sie sind, ja ein kluger Alaun aus einer grossen klugen Stadt. Herr Stern, was denken Sie über* die Lutherischen? ..Mein lieber Herr Kuben, jede Religion umschliesst einen edlen Kern. Leider ist die Ceremonie den meisten mehr als die Ausübung der Gottesgesetze, die Form wertvoller als der Inhalt. Ich schätze jeden Menschen nach seinen Thaton, gleichviel ob Türke, .Jude oder Christ, und obgleich■■ selbst ■orthod.ox, weil Pietät für. Verwandte mich dazu veranlasst, sehe ich doch mit Genugthuung, wie bei uns in Hamburg edle Männer unseres Glaubens auf der Balm, welche Moses Mendelssohn gebrochen, fortschreiten und die Kinde des Vorurteils, welche sie gesellschaftlich von der Welt und die Welt von ihr trennt, niederreissen. ״Aber reissen sie nicht auch das Band entzwei, welches die ganze Judenheit wie eine grosse Familie umschlang?״ forschte ängstlich der kleine Mann. ״Soll die Glocke auferstehn, Muss die Form in Stücke gehn!״ repetierte der aufgeklärte Orthodoxe, und Kuben schwieg,, als wieder das Lied zu ihnen drang.: ״Mit unserer Macht ist nichts gethan, Wir sind ja bald verloren, Es streit’ für uns der rechte Mann. Den Gott selbst auserkoren!7— — ״ —