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Berliner Vereinsbote · 1896-09-04 · Heft 36 (4.9.1896) · page 7

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zu den Feiertagen empfohlen wir die in den jüdischen Dörfern de• heiligen Landes ' ■ , gebauten und gekelterten Weine. Sichron-Jaakob (weiss) . Esra (rot, süss) . . Risehon l’Zion (rot, herb) Jaffa, Cognac . per Flasche Mk. / ~)T2/OTI 'Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. J. Hildesj bei in e r wird auf Wunsch beigefügt. \ JKT* * Versand nach allen OrtenFdes In und Auslandes. *0Wdk j Bestellungen sind zu rieh teil an das \ Comite für die Ausstellung der Erzeugnisse ץ jüdischer uärfer in Berlin. Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.; Cairo bei Berlin. \ SSS Zum Neujahrs - Fest offerieren wir höchst geschmack■ _ volle Gratulationskarten mit natürlichen gepressten Blumen aus Pa• i lästina in billigerer und besserer Ausführung. SSS ■; ״ Patent- Pollwände Schutz gegen Zugwind, für Zimmer, Garten, Balkon etc. Davids & Co., Berlin C. 19 Seydel-Str. 3 u. 27, a. Spittelmarkt. Rollwände-, Jalousien- und jdolrrouleaux-pabrik. Z Wurstwaaren. Z!S Centrsl-Üilarkthsiie. § Stand 167. H. Loewy. 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Aber bei alledem sah er nur in• einer Ecke des grossen Gemaches einen gesenkten kastanienbraunen Mädchenkopf und bedauerte dessen Einsamkeit unter der Fröhlichkeit. '■״■.׳־■ Das vom Rätselhaften umgebene bleiche Mädchen zog sein Interesse unwiderstehlich an. ׳ Als der Kaffee präsentiert und die Veilchenfarbene seinem suchenden Blicke entschwunden war,׳ fasste er sich ein Herz und fragte leichthin: ״Schöne Frau, von ׳der allzugrossen Schönheitsfülle geblendet, entging mir die Vorstellung bei einer einfachen jungen Dame im Veilchen״ farbenen Kleide.44 Die Frau vom Hause zuckte die vollen Achseln: ״Sie meinen Veilchen?44 , Der fremde Gast schaute sie überraschend an: ״Veilchen!44 In der Tliat ein passender Karne für das sanfte Kind, dachte er und setzte laut hinzu: ״Sie ist Ihre Verwandte?*4 Die schöne Frau ^errötete doch ein wenig, als siet erwidern musste: ״Sik ist meine älteste Tochter — das heisst meines Mannes Tochter — ich bin die zweite Frau./ Was haben wir schon durch dieses Mädchen ■gelitten־! Es ist eine lange, traurige Geschichte für meinen armen Marin. So viel Freude wir an unsern beiden lieben Töchtern haben, soviel Kummer bereitet uns dies undankbare Geschöpf.44 ץ Herr Stern unterdrückte die Bemerkung, dass der? Kummer auf Veilchens Seite zu sein schien und sprach0 sein Bedauern über solch’ häusliches Leid aus. Das ver! anlasste Frau Samson in ihrer vertraulichen Mitteilung fbrtzufahren: ״Denken Sie nur, Verehrtester, das nnverkünftige Geschöpf begeht den Wahnsinn und verliefet sich in einen Menschen, einen — nun, ich mags nicht aussprechen. Ich hab meinem Mann ,gesagt: ״Gieb ihr eine Mitgift, lass sie Weggehen mit dem Menschen, aber er — wollts leider picht und drang in sie, den Namen, den sie so lange verheimlicht, zu erfahren, und denken Sie das SchreckliDe, Unaussprechliche, es war — — — —״ ״Ein Verbrecher?u musste Herr Stern ausritfen und sein Herz bebte in unaussprechlichem Weh. ״Gott bewahre, nein, ein sehr respectabler Mensch, aber ein Christ,u seufzte Frau Rosalie, und die Diamanten auf dem üppigen Busen zitterten unter der heftigen Erregung des stiefmütterlichen Entsetzens. Herr Stern führte das vom Gürtel an eine?־, venetianischeh GFöHkette lang herabhängende Flacon der schönen Frau an seinekrömische Adlernase. jw\ä sali dann auf di«* Spitze seiner?Lackstiefel, ohne eine - Zustimmung־ des Bedauern8 zu äfessern. ־ , Plötzlich .veVstiunmte das heitere ׳’Geplauder der Gaste, welche mau HerrnStern zu Ehren geladen, denn *Inter der Thür erschien eine**"tfohe. Gestalt in lange schleppende, weisse. Gewänder gehüllt. Es ■war eine alte Frau, der die grauen, verworrenen Haarsträhne unter der Stirnhaube her- ■ verquollen’ und sich um das hagere, bleichfarbene < Besicht knäuelten: Der zahnlose Mund 110g krampt‘halt , auf und zu. die unirdisch grossen Augen schweiften wild über die Versammelten. Bis in die• Mitte' des •Gemachs, wiuikte. die unheimliche Greisin, , dann sank sie in ■die Knie' und die knöchernen Hände hoclistreckend, klang es von den krümpfgeschüttelten, blutlosen Lippen: ״Höre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger, ewiger Gott, gepriesen sei sein Name in Ewigkeit!u Herr Samson war bei dem Eintritt der alten Frau ins Nebenzimmer entflohen, Frau Rosalie schmiegt♦* sich bebend in• die üppigen Plüschpolster, die Gäste sahen mit dom Ausdruck des Mitleids und der Angst starr auf die störende Erscheinung, nur die schwarzlockige ■Leah schüttelte euergisch den blumengeschmücltten Kopf und trat auf die alte /Vqdah zu: ״Grossmutter, komm*, ich bringe Dich zu 'Veilchen!44 ״Veilchen!44 schrie gellend die Greisin, ״wo ist Veilchen?• Ist sie auch tot wie ihre gebenschte*! Mutter, meine arme Esther? Hat der schrecklich♦* Mann sie alfch. geunordet?44 Frau Rosalie sah aschfarbene Schatten über Herrn Sterns blühende Wangen ziehen und fand die Besinnung, ihm zuzuflüstern: ״Sie ist wahnsinnig.44 Der gefeierte Gast fand keine Antwort. Er hörte unterdrücktes Weinen und sah, als er sich umblickt♦?; den alten buckligen Manu,—der bei Tisch neben Veilchen gesessen und sich ״flüsternd und liebevoll mit ihr unterhalten hatte. *1 gesegnete. {Fortsetzung folgt,!

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