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Berliner Vereinsbote · 1896-09-04 · Heft 36 (4.9.1896) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 36 (4.9.1896)
Date
1896-09-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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N o v'׳e i 1 e v o n E m n> V Ross i. *) Im Hause des Grosshändlers Samson herrschte vom Haupte der 'Familie bis zum letzten Dienstboten herab Unruhe und Aufregung, und das bunte Gewirr einer ■fest־ lieben Ausschmückungder 'weiten Empfangsräume deutete auf einen geschätzten Gast. Die schönen Töchter Leah und Betty und ihre ebenso schöne Mutter, prüften mit grösster. Sorgfalt die Wirkung ihrer reichen Toilette, denn Herr Stern, der reiche Geschäftsfreund des Vaters, hatte seinen Besuch angekündigt, und Herr Stern war ein jugendlicher Witwer, der, wie man sagte, mit der Idee umging, seiner kleinen Tochter eine neue Mutter zu gehen. Herr Samson, eine hohe stattliche Erscheinung mit cholerisch .rollenden״■Augen, ordnete und befahl bald hier und dort, und die Dienerschaft flog bei dessen 'leisestem Winke. Die ganze .Erscheinungdes Mannes trug das Gepräge des herrischen Selbstbewusstseins und , nur seine schöne Frau wusste ihn durch scheinbare Nachgiebigkeit, welche einer schlauen Taktik entsprang, zum Schiven ihrer egoistischen Wünsche zu machen. Sie wm ein ■ blutarmes, aber feluges Mädchen gewesen, welches durch Schönheit und Talente den wohlhabenden ■Mann in ihr Netz gezogen, und meisterlich darin festzuhalten verstand. Ihre Töchter waren eine verjüngte Auflage der Mutter, und die ältere, Leali hätte vielleicht-durch ihre Gesangskunst und ihr vortreffliches Ela vierspiel in den Kreisen der Aristokratie Schwerins Zutritt gefunden, wenn Herr Samson nicht ein ultra-orthodoxer Jude gewesen wäre, '.dem ein Verkehr mit. Christen eine wahre Last war, sobald es sich nicht um Geschäfte und Verdienen handelte. Schwerin besass eine ziemlich gross© Gemeinde israelitischer Glaubensgenossen, und auf diese Kreise beschränkte sich der Wvgang. der Familie Samson. Im *} Novellen aus dem jüdischen Familienleben. Berlin 1889. —׳ Druck und Verlag von Emil Streisand. rTTapeten ßehr. Hampe bIrun sw/9 [.Tr. gegenüber dem Militär-Arrest. ' WW- Telephon Amt IV, 3057.׳IN M. Zachart Bildhauer. Fabrik und Lager aller Arten Grabdenkmäler. BERLIN Neue Könlg-Str. 8. Telephon Amt VII, No. 3123. II. Geschäft: Neu Weissensee ‘ am jüdischen Friedhof. Anfertigung von Erbbegräbnissen inSchmiedeeisen, Marmor u. Granit. (JONDITORBI und Caf6 von R. Aweyde, Rosenstr. 18 im .,KäufhAur Stettin־‘ Bestellungen auf Baumkuchen, Torfen, Eis u. 8. w. werden prompt aus• geführt. Sämmtliehe Backwaartvn worden in garsmtirt reine!\ Natur* butter gebacken. Patente Gebrauchsmuster u. Waaren- Zeichen schnell, sorgfältig u. preiswerte durch Maz Schöning, Ingenieur und Patentanwalt Berlin $., Moritzstr. 9. * Gegr.: 1878. Telephon IV, 3446. WWW Neu eröffnet! mmm Zu <1011 hohen Festtagen otWm tätigst: Lebend und koscher ge* schlachtetes Geflügel. Alle Arten iebender Fische. 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Er führte die jugendlich gekleidete Mutter zur festlich gedeckten Tafel, neben ihm sass Leah, die flammende, schwarzhaarige Orientalin, im goldgelben Seidenkleid und Korallehschmuck, ihm gegenüber Betty, die in Aussehen und Kleidung etwas heller schattirt war- Ganz unten an der Tafel bemerkte er ein kleines blasses Mädchen, deren kastanienbraune Haare In schlichten, sanften Flechten den. feingeformten Kopf umgaben und fast zu schwer für ■den schlanken Nacken waren, den sie stets leicht gesenkt hielt. Ein veilchenfarbenes Kleid umschloss die zierliche Gestalt, und ausser einem langen, silbernen Pfeil im Haar, und am Halsschluss eine winzige Broehe aus Mosaik, trug sie keinen Schmuck, und stach gegen die ganze, goldbelad ehe Tischgesellschaft, Avie der elegante Grosshändler sagte, sehr vorteilhaft ab. Niemand als ihr Nachbar, ein alter, kleiner, verwachsener Mann, vor! ausgeprägtem, jüdischem Aussehen sprach mit ihr. Trotzdem konnte Herr Stern sie nicht für eine untergeordnete Bedienstete des Hauses halten, denn ihre rehfarbenen Augen waren fest und sicherblickend über alle Gäste geglitten, als sie etwas verspätet ihren Sitz einnahm, und eine gewisse Ehrerbietung der Begrüssung lag in dem Erheben der jüngere1yHerrenr welche sich erst wieder niederliessen, nachdem das blasse Mädchen sich gesetzt hatte. / Als man sich von der reichen Tafel erhob, musste Herr Stern wieder Kavalierdienste leisten, und die schwarzlockige Leah inf den Salon führen, wo sie zur Harfe sang, und wieder überschüttete der galante Gast die stolze Sctiönf mit Komplimenten über ihr eminentes Talent. , Dann spielten beide Töcliter Klavier nnd sangen ein Duett, und

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