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Berliner Vereinsbote · 1896-08-28 · Heft 35 (28.8.1896) · page 6

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 35 (28.8.1896)
Date
1896-08-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Inzwischen־ wollte 'Bernhard seinen Bruder von der Ungerechtigkeit seiner Vorwürfe gegen Mathilde überzeugen, damit der unselige Familien/wiespalt endlich sein Ende erreiche. Plötzlich aber ■,drückte. .Bernhard sein Gesicht fest an die Scheiben, seine. Augen drängten sich vor Anstrengung fast aus ihren Höhlen. ״Mathilde, sieh*, sieh, / ist es möglich.׳'־dort kommt Josef mit Rosa. Nein, nein, er kehrt nicht um, die Tritten hinauf, diä Flaust hin־ klingelt4‘. Er stürzte, mit machtigen Sätzen aiff den Haus Hur 1״Josef,4* schrie er überlaut.. ״Josef, mein Bruder!‘4 Sie lagen sich in den Annen und weinten vor Freude und Scjunerz. I)a fasste Rosa ihres ׳ Vaters Rechte und zog beide Brüder über die Schwelle der trauten Stube, in deren Mitte ■erwartungsvoll Frau Mathilde stand. Josef blickte sie an, sie konnte seinen Blick offen erwidern. ״Bruder44, sprach er fest und laut, ״und Sie, Frau meines Bruders, wollt ihr mir Eure Tochter zum Weibe geben?. Wir lieben itns und bitten um Euren Segen44. ' * ' ״Das ist mehr .4118 ich von Gott erbeten44, jubelte Bernhard und schloss sie beide in eine Umarmung, der erste Arme, der über> die Schwelle kommt, soll erfahren, wie dankbar ich gegen Sehemjisborueh*) bin! ( *,י Gott. .;/׳ . ״Und ׳'nicht.■־׳wahr, liebe Mama, um meinetwegen wirst Du!)ich jetzt mir Onkel ,Josef vertragen44? bat, unbewusst welche Saite 8w in Beider Herzen berührte, das junge Mädchen. ״Es ist meine Schuld, liebes Rö,sle1n, die Mama hat kein Teil daran‘4, erklärte Josef mit so feierlichem Ernst, «lass Rosa ihr ■Kopfschütteln ■einstellte■.’■■; Und dann folgte ein Tag des Glücks, wie ihn (las Heben nur selten seinem Lieblingskindern bereitet. Nur ein Schreiben Rosaäs Im Prinz Terzkv scheuchte auf eine kleine Weile die Heiterkeit, ihrer Seele. Sie' schrieb ihm: : Mein verehrter Prinz! Welch ein Glück, dass Sie nur Gelegenheit fanden, meinen äusseren Eigenschaften eine freundliche Teilnähme entgegenzubringen, denn mein ganzes Innere gehört bereits seit langen, langen Jahren einem Manne, : dessen einziges Glück ich bin. Für ihn bin ich das schönste Roslein seines Ziergartens — für Sie' eine Blume am Wege! Sie selbst sagten so mein Prinz». Und dennoch danke ich Ihnen für das Vertrauen, für die .Freundschaft, welche'Sie der unbekannten Fremden' entgegenbrachten. Aber bedenken Sie, mein Freund, wenn Sie hinter Anita’s Maske das so ganz anders geartete Sein Rosa’s entdeckt hätten, wie würden Sie die Enttäuschung ertragen haben? Die Natur mag uns Beide äusserlich gleich geschaffen haben aber desto verschiedene! ist unser Charakter, unser Herz, das fühle ich, da ich Ihnen, verehrter Freund, nie einen anderen Titel geben könnte als dieseh. Das Bild, den Brief an Ihre Mutter behalte ich zum Andenken an das nobelste Herz, dessen Liebe ich nicht annehmen, noch erwidern kann und darf! Der liebe Gott erhalte sie Ihrer Mutter, und Ihnen Glück und Segen wünschend, bin ich in aufrichtiger Freundschaft ’ Rosa Seelig.

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