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Berliner Vereinsbote · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Hier innen sind ich und meine Brüder noch immer die strenggläubigen Juden, denen die Form nicht■ zur leeren Oeremonie herabgesiinken, nein, es ist die Form, welche den Geist einschliesst und uns wert ist und bleW, weil sich in ihr unsere Religion erhält. Ich vermeide nicht den Genuss verbotener Speisen aus gedankenlosem Nachleben, sondern weil ich nicht'׳ anders .leben ■will als meine Brüder, welche mit mir zu dem Gotte meiner AD er beten. Ausserdem umschliesst dies Sanitätsgesetz so viel Reinlichkeit und Vorsicht, dass es schon aus diesem Grunde einer Befolgung wert ist." ״Sie mögen Recht haben", sprach der junge Lieutenant Terzkv und nahm das Glas aus Rosa’s Hand, welche es bis dahin unschlüssig gehalten hatte: ״Ich trinke auf das Wohl der liebenswürdigen Familie, welche lehrt, wie man gegen Andersdenkende tolerant und gegen sich selbst strenge ist." ׳'״;..* Er leerte das Glas und wandte sich an die anderen Kameraden, welche höflich ebenfalls ihre Gläser leerten: ״Ich danke Ihnen, meine Herren Kameraden." Man sprach mit feinem Tact sofort von etwas anderem, und auf allgemeine Bitte nahmen die Geladenen Platz. So verging eine Viertelstunde, Frau Mathilde plauderte *) zuberoitet. **) nicht ziibe reitet. lebhaft und gefiel sichtlich besser, als ihre stumme Tochter, •welche in Gedanken versunken, nur erschreckt, aüffuhr, wenn der Titel ״Durchlaucht" an ihr■ Ohr schlug. ״Wer ist hier Durchlaucht?" fragte sie endlich schüchtern dem .Lieutenant Terzkv, der hin und wieder schweigend an ihrer Seite Platz nahm. Seine Augen sprachen aber von dem sonnigen Glück seines Herzens. Er blickte sie betroffen an: ״Durchlaucht? - Das bin ich". Rasch griff er in seine Tasche und öffnete ein wappengeschmücktes Etui, dem er eine Karte entnahm. Sie las halblaut: ״Egon, Prinz Terzkv." Ein Rausch bemächtigte sich ihrer. Ein Prinz, ein wirklicher Prinz hatte sich leidenschaftlich in sie verliebt. Mit dem Bilde der Mutter, mit der Erklärung ihres'Charakters , hatte er den Grundstein zu einer ehrlichen treuen Liebe gelegt. Welch’ ein Triumph, wenn die boshafte neidische Nandine von Wilken anerkennen musste, «lass sie wirklich eine ״Judenprinzessin" geworden, und die Gemahlin eines so edlen, so schönen jungen Mannes obendrein. Schauer rieselten über ihren Körper, denn in ihre stolze Seligkeit mischte sich ein Gedanke, der wirr und ohne Namen auftrat, ihr Denken und Fühlen beengend. ’ . Leise zog sie aus einem Blumen strauss eine zarte weis.se Rosenknospe and bot sie «lein entzückten Prinzen. . ״Für Ihre Mutter", flüsterte sie. ״ich heisse Rosa.** Plötzlich schoss ein heller Stroni Thränen aus ihren schönen Augen. Onkel Josef nennt mich sein ״Röslein", fügte‘ sie hinzu. Ihr unlogisches Thun vermehrte seine Freude, er gewahrte, da& ihr<e Verwirrung, aus erwidernder Neigung entsprach, und drückte seine vollen weichen Lippen auf die Hand, die ihr Sinnbild darbot. Da erhob sie sich rasch und zu ihrem Vater tretend, der lebhaft mit dem Major über die politischen Ereignisse und ihre etwaigen Folgen sprach, bat sie hastig, atemlos: ״Darf ich gehen? Onkel Josef wartet auf mich." (Fortsetzung folgt.) ’ 410^635179

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