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Berliner Vereinsbote · 1896-08-14 · Heft 33 (14.8.1896) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 33 (14.8.1896)
Date
1896-08-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Ros* 11c von E m m 1 Fortsetzung.! Holler Licht-erghmz strahlto ihnen onrgegej. Der riesige Tanimnbaum brannte mit hundert Kerzen, das .Rauschen der Knittergoblfahne, der süssliche. harzige Geruch der hier und dort aii^sriimon Ooniferen verbreitete eine schwüle s■ Atmosphäre, in welcher die Geister^ des Weins und dit luftigen ■blauen Ringelfeen des Rauches sich neckisch hin und her jagten. Bei dem Eintritt der Familie schwieg der laute, lebhafte Dialog, die Officiero umringten ihren Kameraden, der'jeden seiner Freunde eiw*wlu den Damen vorstellt(‘, und Frau Mathilde sah mit Genügt hu u11g. wie bewundernd man ihre ei gone Schönheit erblickte, und ebenfalls für ihre reizende Tochter nur Auge und Ohr ■ war. / Sinnig und liebenswürdig harte ■man aus den sei bst erhaltenen Gaben eine Auswahl getroffen, die für die freundliehen Hauswirte unter dem Tannengrün ausgebreitet lagen. Da gab es von den 'weiblichen Verwandten selbstgefertigte Handarbeiten aller Art, von dem zierlichen Cigarren-Etui in Elfenbein, bis zu dem derben gehäkelten Jagdveston, Blumen und.'Früchte, Delikatessen und Marzipane harrten in zierlicher Gruppierung ihrer־ Empfänger. Lieutenant Terzky führte Rosa an den bestimmten Platz: Ich habe Ihnen gar nichts zu geben, mein wertes .Fräulein“, hub’ er mit unterdrückter Stimme an, ״weil mir nichts würdig genug scheint für Sie und weil ich von Ihnen anders erinnert sein möchte als meine Kameraden,“ Es war mehr als kühn, dass er nach einer kaum minutenlangen Bekanntschaft dies zu sagen wagte, und einen Augenblick zog es durch Rosas Herz wie eine Beleidigung, denn sie dachte, dass er es der Jüdin biete, die er sich nicht gleichstelle, doch dieses Gefühl wich einer tiefen * Novellen aus <!em jüdischen Familienleben; Berlin 1889. -- Druck und Verlag von Emil Streisand. Beschämung, als der junge Mann ein Medaillon von der Uhr los nestelte und es öffnend/ das Lieht erhellend darauf fallyrr;liess: ״Dies ist das Bild meiner teuren Mutter, das höchste Kleinod, welches ich besitze und die einzige Gabe, welche ich Ihrer würdig erachte. Wollen Sie mich durch die Annahme zum glücklichsten Menschen machen'?“ Er fijhrte ihre Hand an 'sein Herz. / ״Mein Herr, cm ein Herr, was thun Sie“, stammelte in /.iofster Erregung das bewegte Mädchen. ״Ich folge dem Zuge meines Herzens, welches mich / noch nie getäuscht“, erwiderte er, und noch immer hielt er ihr darbietend das Bild im Medaillon hin. ״Eine stolze Frau“, sprach Rosa mechanisch das Bild betrachtend und sah ihn fragend an. . ' ״Ja, eine stolze Frau“, erwiderte lächelnd der Officier: ״Eine Feindin aller Ceremonien, wenn sie nur die Tünche oberflächlicher Bildung ist, eine Freundin3 alles Guten, Reinen und Schönen, gleichviel ob es im Ziergarten oder am Wege wächst — ohne Vorurteil, wenn Herz und Geist von Adel meine Mutter ist eine Engländerin■-— Sie verstehen sie und mich jetzt, Fräulein Seelig‘?“ ״Alle Engländerinnen sind sehr fromme Christinnen“, hauchte Rosa, ״wer weiss, ob sie wünscht, ihr Bild in den Händen einer strenggläubigen Jüdin zu wissen.“ Lieutenant Terzky lächelte nicht mehr. Seine flammenden Augen senkten sich, doch sofort blickte er wieder frei in das schöne Antlitz, welches ihn bei dem ersten Blick in Bande der Liebe geschlagen. ״In England schliesst man. ohne seiner Religion untreu zu werden, Civilehen — — Intoleranz ist nicht der Fehler eines freigeborenen Herzens.“ Das Medaillon glitt in ihre Hand, welche sich zuckend darüber schloss — dann traten andere zu ihnen, der alte joviale Major bot der jungen Dame ein Glas Wein, um mit ihr auf das Wohl ihrer lieben Eltera zu trinken. Rosa zögerte und blickte ihren Vater an, welcher abwehrend winkte, dann erklärte er einfach und würdevoll:

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