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Berliner Vereinsbote · 1896-08-07 · Heft 32 (7.8.1896) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 32 (7.8.1896)
Date
1896-08-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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boi Colin Sache der Empfindung des beleidigten Stolzen, des verletzten Ehrgefühls. Dem entspricht auch die Richtung, welche der eine oder der andere der Judenauswanderung geben will. Herzl will in dem selbständigen Judenstaat unseren Glaubensgenossen das Recht der Selbstbestimmung, die volle Souveränität für alle Zeiten zurückgewinnen, Cohn will nur eine neue Gesellschaft ohne konfessionelle und nationale Vorurteile aufführen, in welcher man sich die Juden als gleichberechtigte Staatsbürger gefallen lässt das wäre die nordamerikanische Union. Freilich muss er zugestehen, dass sich dort auch schon antisemitische llegungen״: zeigen, nur meint er, - dass sie mehr gegen die lÜberschwemmung mit den verarmten, in der Kultur etwas zurückgebliebenen Brüdern aus Russland, als gegen die Einwanderung bemittelter und gebildeter Juden gerichtet sind. Aber just um die armen Juden, die vom Antisemit tismus am schwersten betroffen werden, bandelt es sieb doch! Nach Cohn’s Ausführungen sollen zuerst das Land \ erlassen: 1) Wer von seinen Renten lebt; 2) wer eine g»*wisse Zuversicht haben kann, jenseits des Meeres sich . ine gute. Lebensstellung zu erwerben; 3) die ärmere Be- •v־olkerung. Vereins-Schau. Die allgemeine ״Geschäftsstille“ hat ihre Flügel auch ober die Vereine gebreitet. Während die Wohlthätigkeits- ♦1reine -naturgemäss ihre stille Thätigkeit fortsetzen and hre Segnungen den Armen und Kranken zuteil werden lassen,׳ ruhen die sogenannten Vergnügungs-, Bildungs- und unliebe Vereine jetzt aus, um zu Beginn des Herbstes ihre Wirksamkeit mit vollen Kräften wieder aufzunehmen. Wenn vir jetzt die Vereine, nachdem wir ihre Thätigkeit schon längere Zeit mit wachsamem Auge beobachten, an unsenii luge Revue passieren lassen, dann müssen wir mit dem Psalmisten ausrufen: ״Wie schön und lieblich ist es, wenn sinnier in Eintracht bei einander sitzen!“ Der bei uns an -Ich ausgeprägte Familiensinn bat sich auch in dem Zusammenschluss Gleichgesinnter und 'Gleichstrebender glänzend bewährt. Unsere Wahrnehmungen in den Veruneu bestätigen voll und ganz die Behauptung von dem uidisehen Woblthätigkeitssinii, von unserer Strebsamkeit;)di Erlangung höherer Ziele, von unsemi Bestreben, alles Gute und Edle zu fördern. Mit freudiger Genugthuung können wir hervorheben, dass die Vereine je'nach• ihrem Zweck■ und ihrem Wesen eine an Erfolgen reiche Arbeit entwickelt ■haben.׳ Die Segnungen, deren sich die Vereine auf den verschiedenen Gebieten ihrer Thätigkeit zu erfreuen haben,; wirken erspriesslich. So manche Thräne der Verzweiflimg ist getrocknet, so manche Sorge Bedrängter• und Hilfsbedürftigter ■ verscheucht, Not und Elend gemindert. Besonders bemerkenswert ist die Art und Weise, wie die Vereine ihre humanitären Zwecke zu erreichen bestrebt sind, wie sie bemüht sind, jede■ Beschämung zu 'verhüten und eine sorgfältige Sichtung der Bittsteller nach ihrer Dürftigkeit und Würdigkeit vorzunehmen. Andere Vereine wiederum haben die Verbreitung von Licht und Aufklärung zu ihrer Aufgabe gemacht. Der immermehr um sich greifende Indifferentismus ist nicht zum mindesten auf die Unkenntniss unserer Geschichte und Litteratur zurückzuführen. Darum gebührt den Vereinen, die sich der Förderung des Wissens gewidmet haben, besoliderer Dank. Dass die Vereine neben den eins teil Aufgaben auch die Pflege des Gemeinsinnes und der Geselligkeit in den. Bereich ihrer Thätigkeit gezogen haben, ist nicht von Nachteil gewesen; man bedenke, dass die lebenslustige Jugend Zerstreuung sucht und dabei nicht selten den Versuchungen und Verlockungen anheimfällt, weshalb es mit Freuden zu begriissen ist, dass den jungen Leuten in den Vereinen Gelegenheit geboten wird, in einer ihnen zuträglichen Weise des Lebens Freuden gemessen ■zu können. Erfreulicherweise mehren sich täglich die Reihen derer, welche die socialen Regungen unserer Zeit sich zugänglich erweisend, mitarbeiteil■■ möchten an dem schönen Werke der Verbesserung der Lage ihrer Mitmenschen. Die Frage, ob und inwieweit die Existenz der sp.ecifisch-jüdischen Vereine berechtigt ist, haben wir bereits wiederholt andeutungsweise besprochen, werden aber in der nächsten Nummer unseres Blattes eingehender darauf zurückkommen. Im Mittelpunkt der Vereins thätigkeit stellen gegenwärtig die ״Synagogenvereine“, deren Existenz nicht zum mindesten von der Vermietung der Plätze in der von ihnen gegründeten und nicht selten mit schweren Opfern unterhaltenen kleinen Synagogen und Andachtsstätten abhängt. Es ist für und gegen diese Institutionen viel gesprochen und geschrieben worden, dass sie aber notwendig zu sein scheinen, geht daraus hervor, dass zur Zeit der hohen Festtage, denen wir jetzt entgegen gelten, neben diesen sowohl von der Gemeinde selbst, als auch von Privatpersonen gottesdienstliche Veranstaltungen getroffen werden, die dem Mangel an ständigen Gotteshäusern für diese Zeit .abhelfen sollen. Die Erfahrung hat aber gelehrt, dass die Privatunternehmer bei der Wahl der Lokale und der als Cultusbeamte tungierenden Personen häufig 'diejenige Rücksicht aus dem Auge lassen, die sie der Würde einer derartigen Veranstaltung schuldig sind. Viele unserer Glaubensbrüder haben besonders zu den hohen Festtagen das Bedürfnis nach gottesdienstlicher Erbauung und Belehrung. Und 'da sollte es —:־ meinen wir — die vornehmste Sorg(‘ der Veranstalter sein, die Andacht so zu gestalten, dass sie '.der '"Weihe der Tage entspricht. Die Unternehmer sollten daher bei der Wahl der Lokalitätui und der mit der Leitung der Andacht betrauten Personen nicht ausschliesslich ihr Geschäftsinteresse, sondern — und vornehmlich auch ■- die ideale Seite im Auge haben. Nur unter diesen Voraussetzungen wird diese Art gottesdienstlicher ■Veranstaltung ihren Zweck erreichen und segensreich wirken. Firmen-Schilder-Malerei von A. Berkheim, Dragonerstr. 18. Yletectiv - Institut — *״ Fuchs & Vogt Berlin SW.. Fried rieh Strasse 228 besorgt Auskünfte, Beobachtungen, Ermittelungen etc. Drogerie Otto Schulze Werftstrasse 10, Fernsprecher Moabit 347 empfiehlt zu ernüissig en Preisen Mineralwässer, in frischer Füllung, Badesalze. Schwämme. 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