Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1896)
- Date
- 1896-08-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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In seiner Broschüre: Der Judenstaat. V0vsue 11 einer modernen Lösuתg der Ju denfrage vo 1 1 T11. H0rzl, Doc10r der Rechte*) in Wien, denkt sich der Verfasser die Ausführung «eines grossen Planes also: . Man gebe uns die Souveränität eines für die gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche, ob in Palästina oder Argentinien, dass lässt er vorläufig noch dahingestellt. Um die Gründung vorzubereiten und durchzuführen, sollen zwei grosse Organe gegründet werden, die er mit englischen Namen bezeichnet, und zwar die מSociety of Jewsu und die ״Jewisch Company“. Die ״Societva soll das wissenschaftlich vorbereiten, was die ״Company4‘ praktisch ausführen soll. Die ״Company“ soll die Liqui- (lierung der .'abziehenden Juden und die, Organisation des ■wirtschaftlichen Verkehrs in! neuen Lande besorgen. Der Abzug soll freiwillig und nach und nach erfolgen. Die ״Company“ ist als eine Aktiengesellschaft unter dem Schutze Englands gedacht. Das Aktienkapital soll etwa eine Milliarde betragen. Zuerst müssen.gelernte jüdische Arbeiter aus den grossen russischen und rumänischen Reservoirs in das Land ziehen und Häuser bauen. Die Arbeiter arbeiten in zwei Schichten je 7 Stunden und darin soll gleich ein sozialpolit'ischer Versuoh zum -Wolde der. ganzen Menschheit gemacht werden. Nachher folgen den Arbeitern die Unternehme!׳, die Ucainten, die 0ffieiere der Schutztruppe etc. Das allmähliche 'Aufblühen des neuen Judenstaates •wird nun von Herrn Dr. He rzl im einzelnen geschildert. Das Aufbriiigen des. Geldes . denkt er sieh so, dass das Aktien- ׳kapital durch unmittelbares Ausseh reiben aufgebracht werde und dass sieh vielleicht, auch Christen an der Zusammenbringung des Kapitals, beteiligen würden, ׳wenn sie hoffen könnten, auf diese Weise die .luden los zu werden. Die ״Society“ ist nun die eigentliche ideale Führern! in dem neuen Judenstaat. Sie ■macht ׳ zunächst Stimmung dafür: sie■ vermittelt das Verständnis in ׳ den Wissenschaftliehen Kreisen: de sorgt für Fühlungnahme* mit den Rabbinern kurz, sic bereitet alles Ideale für den neuen Staat vor. Sie ist. wieder Verfasser sieh, ausdrückt, der -,,negotiorum gestor* der Juden. Im besonderen wird sie dem neuen Staate, die rechtliche Grundlag(‘ und die Verfassung geben.' -Eine monarchische■ Verfassung scheint dem V erfasser nicht geeignet. Fine neue Sprache wird nicht gebildet.■ Jeder nimmt seine bisherige mit. und diejenige. *־ i Verlag ■der BreitVnstehrschen Buchhandlung tu Wien. welche sich am besten bewährt, wird die neue Judensprache. Jeder ist in seinem Glauben unbeschränkt, nur muss er Jude sein. Der Staat ist neutral; er braucht nur ein Berufsheer zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Der Verfasset schliesst mit dem begeisterten Aufruf: ,,Wir wollen endlich als freie Männer auf unserer eigenen Scholle leben und in unserer eigenen Heimat ruhig sterben.44 —Der Kern der Broschüre: . Vor dem Sturm. Ernste Malm werte an die deutschen Juden von Dr. Beruh. Cohn in Berlin,*» behandelt ebenfalls die Frage de! jüdischen Auswanderung. Dennoch geht der Verfasser in seinen Ausführungen ganz andere Wege. Während' He rzl. z. B. die Möglichkeit eines dauernden friedlichen Zusammenlebens mit den arisehen Völkern verwirft, ist für Cohn die Auswanderung nur das letzte der mannigfachen Mittel, welche er den Juden anrät, um sich der antisemitischen Bedräng!!ng zu erwehren. Ehe er die Expatriierung vorschlägt, betont er die Bered!- tigung der Juden, sich als treue Staatsbürger zu fühlen. So gut wie Protestantismus und Katholizismus, welche ausgesprochenermassen Deutschland in religiöser Beziehung in zwei feindlich gegenüberstehende Lager zerreissen, in strengster Ausschliesslichkeitihre religiösen Standpunkte betonen dürfen, ohne dass ihr deutscher Patriotismus ange zwei feit werden darf, ebenso wird man es uns, der verschwindenden Minderzahl, nicht verübeln dürfen, wenn wdr unser Judentum heilig halten, und doch dabei die Forderung aufstellen, dass man uns die Treue, ׳die wir für den Glauben unserer Väter bewahren, nicht als gegnerische Haltung dem nationalen Volksbewusstsein gegenüber anrechnen solle. Wir müssen streng darauf selieil, dass wir als ebenbürtige Bürger des deutschen Vaterlandes betrachtet werden, und ernst betonen, dass uns nichts ferner liegt*, als der Wohlfahrt■ der Gesamtheit und Einheit des Staateentgegenzu wirken,“ ä ■ .״ ■ ׳ Wie Herz], so bekennt schliesslich auch Cohn: ״Mau will uns nicht halten, wir sind überall im Wege, diese Thatsaehe ist nicht wegzuleugnen.u Und an dieses Bekennt!u's schliesst er den Satz: ״Darf dann der Gemiedene es mit seiner Eine vereinbar!,alten, in dieser Gemeinschaft auch.nur als Geduldeter zu figurieren? Nein!“ Und nun stellt er vor der ultima rat io: ..Was bleibt uns unter solchen Umständen weiter übrig als - das Feld •zu räumen?“ Bei Herz! ist die Auswanderung eine ■Sache der Vernunft, *) Fr. Weseman's Verlag, Berlin W. :30. Jüdische Gemeinde, Gottesdienst. Freitag, den 7. August in allen Synagogmi :!!».-־.’7 <!,!.׳■>. Uhr. Honnabend. den H. Augustin der alten־Synagoge-morg. 82;י Uhr. in ׳hm »ihrigen Synagogen morgens 0 Uhr. predigt: Vorm. 10 Uhr: Linden- ■■st,״.־Synagoge.. Herr Rabbiner Di. Wemn . ) ugendgottesdi enst:m-.׳hmi,m gs t Uhr: •Name Synagoge, Herr Uahbiner!h. Uusenzweig. Abendgottesdienst *׳' : Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen morgens 02/ז Uhr und abends 61 > Ohr. ״y וי Concerthaus "ן-״ךי 48 Leipzigerstrasse 48. Festgottesdienst mit Begleitung der Orgel und Predigt. Bidets 1». X»1&dw. Bleis,Stralau«*!•* strasse •am Molkw) markt. Telephon Amt 1'. No. 12%. . Verein für Arbeitsnachweis. Kloster-Strasse 44. Fernsprecher 5, 3366 Geschäftsstunden 9 I und 3 6 Sonntag 10—12. Kaufleute aller Branchen, Arbeiter, Handwerker, männlichen und weiblichen Geschlechts, erhalten durch unseren Verein vollständig kostenlose Ver- Mittelung. Der Vorstand. ^ommerfest mit Qoncertundjanz am Sonntag, den 16. August or. in Dräsels Garten and Festsälen, Neue Friedrichstr. 35 ZUM Dessen der Witwenu. Waifenkasse des Hnmanitätsvereins ״Gewul §auw". De» verehrten Damen ist die Kaffeeküche von nachmittags 3 Uhr ab geöffnet Anfang des Concerts am 4 Uhr. Boi ungünstiger Witterung findet das Fest in den Sälen statt. Gäste haben Zutritt. Bidets ä 50 Pfg. sind beim Unterzeichneten zu haben. J. BlOCh, Prenzlauerstr. 19, I. ר״רד רי׳כד Festgottesdienst und Predigt im Festsaal Gr. Frankfurter Sttv 74; mit anerkannt guten Kräften. Innegehabte Plätze werden auf zeitige Anmeldung bis zum 15. August reserviert. Vermietung der Plätze daseihst. Oer Vorstand. Vorbeter sucht Engagement f.d. hohen Festtage. J. Feder, Fehrbeilinerstr. 28. Unterrichte in Hebräisob und Talmud, auch erteile Schul-־!rindern Nachhilfe. Suche sauberes Zimmerchen. Gefl. Anfragen sub L 480 an die Expedition dieses Blattes. Jüd. Lesehalle und Volksbibliothek. Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: Wochenta gs 1 —4, Sonnabend 2—5. Sonntag 10—2.