Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Geschäftliche Mitteilungen. Das bisherig«‘ lehr -1 nstitut für wissenschaftliche Zuschneidekunst Henry Sherman, Berlin W. Leipziger-Strasse 40, nunmehr unter dem Namen Hulda Thieme widtergetührt. empfiehlt der geehrten Damenweit seine neu verbesserte ,Methode zur Ausbildung ' für Damen- Schneiderei im theoretischen wie praktischen Kursus. Die Lehrsäle sind ebenso geräumig als beijuen» eingerichtet, und ist die ׳Firma auf das Eitrigste bemüht, 1 ז »11«ג an ein derartiges Institut zu stell,׳nden Anforderungen in ausgedeimtesi.-rn Maasse gerecht zu werden. Die Methode der amerikanisch wissenschaftlichen Zuschneidekunst, welche im .fahre 1885 von Amerika und England nach Deutschland gebracht und -vvn Privatwie Fachkreisen mit sehr geteilter Meinung auigenoiiimen -wurde, ist seither dein Publikum in derjenigen verbesserten Fassung-geboten, welche wohl das vorzüglichste bietet, was ♦1ine Methode >1herl,a1>1»t zu leisten vermag. Die früher ziemlich primitive Form derselben ist durch deutschen Fleiss und deutsche Gründlichkeit in Auflassung und Darstellung, wie durch vielseitige ^praktische Erfahrungen .*zu einer Vollkommenheit gediehen, welche auf /diesem . (ta*biete kaum erreicht wurde.. Gegründet 'wurde das,Lehr- 'Institut 1886 und. 'ist.seit,der!r bemüht, den Anforderungen der Gegenn artw erhöht** 'Leistungsfähigkeit anzupassen. Das Hauptbunau mit seinen Vertreterinnen bildet alljährlich über HOOG Schülerinnen nachweislich not im Kpstnnifach ans. Der Unterricht” findet in den Sälen des Lehr-Instituts an jedem Wochentag«׳., zwischen Ir111־ früh und 8 Uhr abends statt, und stellt dey d erneu den Da inen die Wahl sowie Anzahl ihrer Üebungsstunden vollständig frei. '•Jede vollständig ausg,-bildete Schülerin erhält, ein Abgangs- /eognis seitens des Leh1־-lnstituts und können Damen’ sich «las 1Lehrcmmen-Zeugiiis unentgeltlich durch niehc wöckt*11 tliehes. ' regeU massiges Hospilj.reti• e.rw׳rh<m. Wohl kann die allgemein(' Anerkennung dem System hier und da ei,,,- Zeit lang vuren!,halten bleiben, doch . bricht es ־sich seiner V־irtrelllichkeit ■wegen zusehends Bahn.; . Sein häuslicher., wie geschäftlicher Vorteil ist so bedeutend, dass keine Dame Verabsäumen sollte, sich diese nutzbringende Kunst anzueigm-n. Im ■Vertrauen :,nt das freundliche, öffentliche Wohlwollen, wel« -•dies dein Lehr-institut in so erfreulicher Weise von vielen Kreisen enigegellg. hraeht wird, möge auch dieser Hinweis dazu dienen, der Finna viele neue Schüler zu ihren alten zuzuführen. 'Ein jiid, Familienv «.־!׳♦; r, Handwerker, .sucht ein Darlehn von 250 bis 300 Mk. Als Pfand eine gute Wirtschaft. ׳Offerten unter V. 31 an 'die (Exped. d.Bl. e, h. ׳; ־ ± Berliner Corset-Fabrik W. & CE Nenmann Inhaber: William Neumann. Fabrik und Haupt-Comptoir: Kaiser Wilhelmstr. 19 a. MT 25 Filialen 1m ■ir in allen grösseren Städten Deutschlands. ״MU ׳—־־■׳ Filialen in Berlin: ־־■־ Drcsdener-Strassc 80a. 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Im tollsten׳ Lärm spottend uml sie hin und her pulsende umringte der wilde Haufen das' gekränkte Kind, welches in lautes Weinen ansbrach. v * 4 ,y Plötzlich Trat tiefe Stille ein. eine sanfte Stimme hatte gefragt: .«Was leidt Dir, mein" Kiüd?4‘; ־'׳ ״Der .Her!: Pastor", murmelten di«: erschrockenen Mädchen beschämt:'- ־;׳ < ׳ י V ( . t מ Was war die׳ Ursa che dieses unm'ä« 1 ehenh aften 'Lärms", trug wieder der alte Geistliche: .״Nun, hat, keine den ,Mut die Wahrheit zu sagen?ü \, Und wieder war es Nandine, welehe den Mqt zu einer Erklärung fand: י" Wir haben Rosa Seeljg ausgelacht, weil sie pfählte, dass sie so fein wie eine Prinzessin sei". ,,Wisst Ihr, was es heisst eine Prinzessin zu sein?" fragte sanft lächelnd der silberhaarige Greis. ״Ja, schönere Kleider haben, feinere Sachen essen? im schönen Wagen fahren, tausend Puppen haben“ -- tönte es im Chaos durcheinander.' ״Und welche Prinzessin kennt Ihr denn?" fragte er wieder. ׳ \ ' / Hie sahen ihn alle vMwundert an, dann rief die eine: ״Schneewittchen", eine andere ״Dorrtröschen" und ״Prinzessin Tausendschön" eine dritte.. Der alte Herr lächelte seltsam, ehe er sehr ernst erwiderte: ״So will ich Euch erklären, welche Pflichten eine Prinzessin hat. Sie muss freundlich imd artig sein, gütig gegen jedermann, fleissigpr und verständiger als älle ihre Gespielinnen, sie darf nicht neidisch, nicht eitel und nicht zänkisch sein, muss ihre Kleider und Haare glatt und sauber halten, und vor allen Dingen, nicht wie gewisse Kinder in unanständiger Weise lärmen und schreien oder glaübt Ihr, dass Schneewittchen oder Dornröschen jemals ein solches Betragen gehabt?"! Als die Mädchen beschämt schwiegen, warf die stolze Forstmeistertoehter, welche bis dahin nur chls Zuschauerin an dem Ganzen teilgenommen, ein: ״Aber Herr Pastor, . .eine*־ Jüdin - kann ־ ,doch׳ ׳ keine Prinzessin seinf" ,,Wenn Du erst etwas älter geworden 1m«l das alte Testament kennen lernst, so wirst Du auch erfahren, dass es früher jüdische Könige und also auch jüdische Prinzessinnen gegeben hat, die sich durch Tugenden und feige Sitten ebenso Vorteilhaft auszeichneten, als |heute unsere eigenen Fürstentöchter. .Aberi die Glocke läutet, begebt Euch ruhig und gesittet auf' Eure Plätze, ich Werde später auch ig Eure Klasse zur .Inspektion kommen.“ \ Kruxend eilten die Meinen Revoltemacherinnen in das Schulzimmer, zurück, ein halblautes Gemurmely wie Herbstwind im dürren Waldeslaub, rauschte durch ihre Reihen der Hof war leer. Der alte Herr sali ihnen mit schwermütigen Augen nach und faltete dann seine weissen. zitternden Hände auf dem Rücken. Da brannte plötzlich ein feuchter Druck auf seiner Rechten, erstaunt 0910