Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1896)
- Date
- 1896-07-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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baues sind. Gerade die Haurän-Kolonien haben ja eine ganz : besonders glänzende Zukunft vor sieh,• 80 dass wir hoffen dürfen, dass sie sogar die glänzenden Erfolge der Kolonisation iraWestjordiinlande noch in den Schatten stellen werden. Um einen Begriff von dem modernen Schulwesen im Lande Israel zu geben, hat man die Schule Mikweh-Jisrael in allen ihren Anlagen photographiert und in etwa 10׳ vorschiedenen Ansichten dargestellt. Ferner liegt ein Teil der modernen hebräischen Litteratur aus Palästina aus, wobei besonders die Schulbücher und die Werke über .Kolonisation reichlich vertreten sind. Schliesslich hat man in den Rahmen der Ausstellung noch die jüdische Holzindustrie aus Jerusalem mit einbezogen. Der Grund ist der, dass man den wirklich arbeiteil den Drechslern und Holzschnitzern einen reellen Absatz schaffen will, während sie bisher in unerhörtester Weise von einer kleinen Anzahl Schwindler ausgebeutet und exploitiert werden, die auf dem Wege elendester Bettelei die billig gekauften Sachen zu hohen Preisen verschleissen \ und noch obendrein die jüdische Arbeiterbevölkerung der heiligen Stadt in den denkbar‘schlechtesten. Ruf bringen. Was man gegen solche Schwindeleien thun soll, wird an Anderer Stelle des Näheren auseinandergesetzt. Es möge nher wohl beachtet werden, ♦lass von den vielen jüdischen Besuchern, von denen Tausend♦‘ alltäglich unsere Ausstellung besichtigen, kaum wenige sind, die .nicht ’ alsbald äussern: ..Solche Sachen bekommen wir ja immer von Jerusalem von armen Drechlorn zugeschickt.“. Auf näheres Fragen hört man dann den Namen Joseph Rabinowitz, seltener Jeff eines gewissen Denaburg. Um so unbegreiflicher ist es, ♦ lass die massgebenden. Kreise in Jerusalem selbst, deren 1111־ ahwffisban‘ Pflicht es■ doch sein sollte, endlich einmal öffentlich Stellung einem solchen Gebahren gegenüber einzu nehmen, sich völlig passiv verhalten. Sie sollten sich bewusst sein; dass noch längeres Stillschweigen sie zu Mitschuldigen ■־machen׳ würde. Immerhin hat Verfasser dieses, als er gegen diesen Schwindel öffentlich auftrat, selbst von Jerusalem billigende Zustinimungsadressen erhalten. ׳ In jedem Falle legen die ansgestellten Schnitzereien und Drechslerwaren lebhaftes Zeugnis von den ausserordentliehen Fortschrittenab, welche auch diese Hausindustrie bei den Juden seit dem Beginn♦‘ der Koh)nisationsbewegung gemacht hat. ׳ ' Besonderes׳. Interesse "erregt eine Jugendzeitung in hebräischer Sprache mit ♦lern Titel ,,*< >läm Katöiä*,die in erziehliche!• Hinsicht ein erfreuliches Bild giebt. ferner der .Jla'ikar eine Zeitschrift für jüdische Landwirt♦‘ mit Wissenschaft liehen und populären Artikeln. Die Zeitschrift giebt zugleich., :ohne, es zu wollen, ei neu schlagenden Beweis für di♦‘ Fortschritte der hebräischen Sprache in Pa- Udina : denn während die ersten Hefte noch fast ausschliesslim> im. 'jüdischdeutschen Dialekte 'geschrieben waren, nimmt das . hebijiische Idiom mit jedem Hefte zu und ist /jetzt ■schon' ausschliesslich die Sprache der so sachlich ge- /•schrieben»‘!! Zeitschrift. Die hebräische Zeitung ,,HazewiA welche in Jerusalem von E. Ben Jehoudah redigiert.' wird, hängt hier aus und heweisst, dass die• hebräische Jaurnulis-. tik keineswegs in der ׳Güte und an gediegenem Inhalte hinter gleichartigen europäischen Litteraturerzeugnissen zurücksteht. Wie wehige begreifet! es ja, ehe sie es mit eigenen Augen sehen, dass man sich zu Artikeln über die Röntgen'sehen X-Strahlen oder über Vorsichtsmassregeln gegen Schädigung der Weinberge durch die Reblaus ebenso gut der hebräischen wie irgend eines andern Kulturvolkes Sprache bedienen kann und wirklich bedient! Zur Zeit existieren in Palästina folgende jüdische Kolonien: Mikweh-Jishael, Rischon-FZion, Rechöbhöth, ‘Ekrön, Katra. El-Kastine, Artüf (im Fnstchen begriffenA Mbzäh, Pethach-Thikwöh und Jelmdije. diese sämtlich i1\ Judäa, wovon jedoch nur Artuh und Mozäh im Hochlande, im alten Gebirge Jehuda liegen. In der Ebene Saaron liegt in der Nähe des alten Caesarea das Dorf El-Chudeira und km Abhange des Karmel die grosse Kolonie Sikhron-Jiffak^b mit ihren Tochterdörfern Umm-et-Tüt, ümm-el-DBchemäl,\Schefeja und Tantüra. Im Innern Galiläas liegt ein uraltes Dorf jüdischer Ackerbauer, man könnte beinahe sagen jüdischer Fellachen, das Fiken oder Pekiui heisst und dessen Ursprung sich im Dunkel der Geschieht(‘ verliert. In Obergaliläa liegen dm die Stadt; Sofed als Zentrum herum das grosse Dorf Rösch-Pinäh, ferner ‘Ain-Sethim. Maehanajim. Miron, Mischmar-Hajarden und Jessud-Hamahtla 11. Letztere Kolonie, die hart am Meromsee liegt, dort wo man von tropischer Gluthitze aus den Anblick auf des Hermons schneebedeckte Gipfel hat, ist geradezu ein einziger Blumen-, garten. Denn da die Kolonie hauptsächlich Blumenzucht zur Parfüm- und Rosenölfabrikation treibt, so dehnen sich dort meilenweite Gärten von Rosen, Tubarosen. Geranien, Mimosen und andern Blumen und Bäumen. Endlich sind, wie oben schon׳ erwähnt wurde, im Hauran die neuen Kolonien Kok ob I, Koköb II. Sollen!׳ ed-Dscholäu, NVane, I )sch i 11 in und Nafaffi im Entstehen begriffen. Die Ausstellung jüdischer Dörfer in Palästina draussen in der kleinen Araberstadt bei Treptow gehört, wie wir sehen, zu den interessantesten und eigenartesfcen Erschei- Mutigen der gesamten Ausstellung und wird von Juden und Nichtjuden als solche genügend gewürdigt. Die Aus- Stellung macht, ohne cs zu beabsichtigen, direkt Propaganda. Sie widerlegt auf's schlagendste den Vorwurf von der jüdischen Faulheit und Arbeitsscheu, sie bekämpft den Zweifel an den Erfolgen der jüdischen Kolonien, an der Leistungsfälligkeit der Juden als Landwirte und zeigt, dass dbr neue jüdische Bauernstand in Palästina die erfreulichsteil .Fortschritte-, und den vollgiltigen Beweis von jüdischer Arbeitskraft und opferfreudigem: Idealismus ablegt. Die. Ausstellung hat somit schon manchen Gegner eines Besseren ■belehrt- und wird noch manchen überzeugen. Die Haupt- ׳ bedeutjung liegt freilich darin, dass praktisch der Nachweis . geführt'wird. ■'dass' eine grosse Menge von Produkten der jüdischen Kolonien in Palästina, vor allem Wein, Kognak, Honig.' Rosenöl, Parfüms u. a/ m. exportfähig sind, ihren Platz auf dem Weltmärkte behaupten, und trotz der hohen Eingangszölle in Deutschland mit den einheimischen und aus andern Länden» eingeführten Produkten sieh bä- Jläppten kann. Darin liegt ein unermessliche! Fortschritt. Denn nicht mir wird man in Europa Acic üng vor d,en Produkten Palästinas. Vor den Erfolgen jüdischer Kolpni- Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Ire i tag. den £1. 3ttlt in allen ,'. Synagogen abends 71/., Pin׳. Sonnabend. den Juli in der alten Synagoge morg. 82/י Fbr. in den übrigen Synagoge!! 1 * tu-'icei!" Für. predigten: \m־m. l'!!>-. .Vite 'S\ u.ig'og«-. Herr Rabbiner l>r. s'lic. - Vni in 1(» r i I K userstr, Bvililgoge. II1 1r Ualdän-.T Pr, May־ bäum lJn<ie!n>rr, Synagoge Herr Habb i 114*1* Pr.!Losen/c׳ng. Ibendgottesdienst '׳ i'br Gottesdienst an den Wochentagen yiorgens td . -Uiir und' 1 ubenris (fl/,. ,Uhr.. ן י Verein für Arbeitsnachweis. Kloster-Strasfte 44. Fernsprecher 5, 3366 Geschäftsstündhn 9 I und 3 6 ׳ Sonntag 10 12 Wir erbitten dringend Arbeitsgelegenheit für folgende Kräfte: Commis und Expedienten verschiedener Branchen. Confectionär für Herrengarderobe. Calculator für Damenconfection. - Stadt? reisende. Buchhalter. Comptoiristen auch für fremde Sprachen. Schreiber. Buchbindergesellen. Kellner. Schtächtergesellen. Klempnergesellen. Schriftsetzergehülfen. Conditorgehülfen. Uhrmachergehülfen. Glasergeholfen. Malergehülfen. Tapezierergehülfnn. Sattlergeholfen. Zuschneider und Bügler für Herren־ und Damenconfection. Handwerkerlehrlinge. Cigarrenarbeiter. Verheiratete Männer für jede Beschäftigung Hausdiener. Cassenboten, aul h mit Cautionen. ״ ־ Buchhalterinnen, auch erste Kniffe, mit'׳. Spravbkenutmssen Verkäuferinnen verschiedener Branchen Lehrmädchen für engros und detail mit hollerer ,!nd Volksschulbildung. * Pi•• V ermittelung von Stellen durch unseren Verein erfolgt vollständig kostenlos. Der Voritand. ״Judas Töchter’ Vereinigung jüd. Frauen und Mädchen zu Berlin. Sonntag, den Ätt. Juli er. Dritter diesjähriger Ausflug .mi, girhenwerdee. Gemeinsame Abfahrt Vorm. 10 Uhr 50 Min. vom Nordhuhnhof. (Treffpunkt für׳ Nachzügler, im ״Gasthaus /.־ו!ו Briese*‘.• Bei Regenwetter findet die Landpartie nicht statt. Jüd. Lesehalle und VoIkibibUothek. Münchener Hof Spandauerstr.111-13 für jedermann geöffnet: Wochentags 1 4, und 7ll2 10. Sonnabend 2 5. Sonntag 10 2.*