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Berliner Vereinsbote · 1896-06-19 · Heft 25 (19.6.1896) · page 2

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 25 (19.6.1896)
Date
1896-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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t ätigung christlicher Nächstenliebe das Typische des Christentunis zu erblicken. Die Judenhetze ist nachgerade für einen Teil gewisser exklusiver־ Bevölkerungskreise zum vornehmeii Sport geworden, dein sie'mit Eifer sich hingebenyj indem sie in der Langweile ihres übersatten Lebens gar zu gern der Meute sich anschliessen. die man zur Hetze auf dieses Menschenwild dressiert und lpsgelassen hat. Ohne ein bischen Autisemitimas geht es überhaupt nicht mehr, und fast allen den Vereinen, die im Verlauf der letzten Jahre auf den verschiedenen Gebieten des gesellschaftliehen Le bans entstanden sind, hat man eine Dosis dieses Leben sei ixirs mit beigegeben, denn das macht pikant, macht lebensfähig und hält das Interesse wach, und darum hat auch der Bund der Landwirte in Würdigung dieses zugkräftigen Mittels sich beeilt, die Judenhetze als Haiiptmimmer in das Programm aufzunehmen und so mit gesorgt, dass seine Mitglieder auch nach dieser Richtung hin nicht zu kurz kommen. Und so fahren sie nun, die Vereine und politischen Parteigruppen, deren autesimitische Tendenz bald breit und offen, bald mehr und bald weniger verklauselt zum Ausdruck kommt, mit stolzer Flagge und W-llen Segeln . im breiten antisemitischen Fahrwasser, sich dm־ Erfolge "rühmend, die sie jüngst erst im Parlament auf dein v:ulks\virtschaftliehen Gebiete des Erwerbslebens davongenügen haben, Erfolge, die als Uonseijueiizen antisemitrieb er Gelüste zu betrachten sind, jede Gelegenheit zur möglichst empfindlichsten Schädigung jüdischer Interessen Widn׳zunel1,n>,-11 und dies durch gesetzliche Beschränkungen in Handel und Gewerbe zu erstreben. Schade nur, dass sich die Spitze die>•־- re♦!׳uvnseii Kurses;!lieh gegen diejenigen richtet.,.' zu deren Heil er inseeinert wurde und bedauerlich zugleich, .׳dass die Mahnrufe besonnener .Männer zur Yer- 11 ü11! 1.1g i 1 ies« *!־die a 1!gern־ יi11 e Wohll'art ticf'sc 11 ädigehden Gr‘- s»זי za ' an dem Ansturm der . cidtm'feihdlirhen '.Phalanx verhallte, welche in hu‘d»‘11sehaft]iel1er Erregung und fanatisi her B״g׳eh!־lh bk« it nach ihren Opfern rasten. Dass hier der Pfeil, der den Gegner-treffen soll, zum grossen Teil auch den. Schützen trifft, 'dies zu erkennen, lässt der instinktive: Hass •■nicht'־' zu, und in kurzsichtiger Verkeimung dieser Timt Sache eilten sie von allen Seiten herbei, um'sich mit dem י Wohlbehagen der höchsten- Befriedigung an dem Strangulationswerke zu bet heiligem .Diese Excursion in die Räume der gesetzgebenden Körperschaften und iü das Gebiet der praktischen Politik ■erscheint mir mit Rücksicht auf die Natur der Dinge, wie sie sieh dort abgespielt haben und namentlich später noch'g abspielen werden, dringend geboten und um so not wendiger, als es gerade dort, wo das Volk in seiner Vertretung Gesetze berät und zuf Praxis verhilft, am de ntliebsten erkennbar wird, wessen wir uns noch alles zu versehen haben. L’appetit se trouve en mangeant, ist das bekannte Sprichwort, dessen Wahrheit sich in den meisten Fällen bewährt hat und pvohl auch dort die Probe bestehen wird, wo für den Gaumenkitzel antisemitischer Gourmands in entgegenkommendster Weise gesorgt wird. Diesen und ähnlichen Vorgängen gegenüber musste naturgemäß die Taktik in dem Verhalten!der in ihren Rechten Gefährdeten und Betroffenen allmählich, eine Aenderung erfahren und zwar* nicht zum wenigsten im Hinblick auf die Thätsäclie, dass nicht nur numerisch die •Ueberlegenheit unserer Feinde wirksam ins Gewicht fällt, sondern vielmehr dadurch, dass sich in ihren Reihen eben Männer finden, deren holte gesellschaftliciie Stellung in Verbindung mit Amt und Wür- »len die Menge frappiert und den Pöbel blendet. Da war es endlich Zeit, aus der bisher beobachteten Reserve hervorzutreten, die Kräfte zur Notwehr und Selbsthilfe zu konzentrieren und den Rahmen, innerhalb dessen das. jüdische Vereinsleben bislang zum Ausdruck kam, zu erweitern. Es ist nicht, mehr allein die Sorge um unsereWit wen und Wai>on, um die Not und «las Elend der vom ■'Schicksal schwer Geprüften, nicht mehr ausschliesslich das Bestreben, den geistigen Intellekt/ innerhalb des Judentu ms lebendig' zu erhalten, Kultur und Ethik zu Verbreiten, was bis vor einigen Jahren die jüdischen Vereine, deren stattliche Zahl zür Minorität in einem Verhältnis steht, dessen wir uns wahrlich nicht zu schämen brauchen, zur alleinigen Aufgabe hatten,' die jüdische. Vereinsthätigkeit muss sich noch zum aufgezwuügenen Kainpfe für die idealen Güter des Lehens, deren lpan uns berguben möchte, Organismen, ohne freilich die humanitären Aufgaben gegen jene Unglücklichen zu, vernachlässigen, deren Schicksal•, man der sogenannten christlichen Liebe und Barmherzigkeitv wie sie Stöcker und seilie Satelliten predigen, nicht überlassen konnte. Wir haben ihn aufgenommen, diesen Kampf der kleinen Minorität in seiner Defensive gegen die Uebermacht der Masse offener und maskierter Feinde, wir sind eingetreten in diesen ungleichen Kampf im zuversichtlichen Vertrauen auf die elementare Kraft des Zeitgeistes, jener Macht, die unaufhaltsam fortschreitet und durch die 'Pygmäenarbeit "von Dunkelmännern sich nicht auf!!alten lässt in ihrem Gange durch die Welten. Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den 19. Anni in allen Synagogen• ■;,bends 7f 2 Uhr. Hvttnadend, den 29. )uni in der alten .Synagoge morg. 8l,2 Uhr, in den übrigen •Synagogen morgen 9 יד. Uhr-. Predigt Vorm. io Uhr. Neue Synag. »ge. Herr Rabbiner Pr. St i,-!■. , . ) ngendgottesd i en st Na» hm. 4 ihr: KäUerstr. Svnagogr Herr -■ Rabbiner Pr. W.’riri•. Abendgottesdienst ׳.»' t I hr. Gottesdienst. an׳ den Wochenrag.‘« . ■in .. allen Synagogen . morgens 6'- ■Uhr und abends «iri Thr. | י י' ־ Vereinigung Monbijou. iJiitUuodi. den *24. Juni 18%: Geselliges Beisammensein aller aetiven und inactiven Mitglieder in Deäselo Gstvlett Neue Friedrichstrassc. Abends S Ubr. Gäste willkommen. Dringende Bitte an sämmtliche Mitglieder! Sountog 21. Amt! ist die Bibliothek von vormittags 1,rill—1Uhe geöffnet und werden alle Mitglieder, welche noch im Bellt; von Büchern lind, beittgettd gebeten, dirfelben bis;um obigen Tage ab zugegen. Die Kommission für geistige Interessen. Jüdische Lesehalle und VolksbibKothek Münchener Hof Spandauerstr. 11-13 für jedermann geöffnet: Wochentags, 14, und *71 10. Smmabmid. 2.- 5». Sonntag 102*״״.. I Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens. Sitzung, den 29. Juni abends!« Uhr; Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes in dieser Sitzung zu erscheinen. unMominen. Der Vorstand. Der Synagogen-Verein Beth-Zion veranstaltet; zum Besten der Vereinskasse am Mittwoch, ^d. 24. d. M., von nachmittags 4 Uhr ah. in N0aek*S Garten u. Sälen, Brunnenstr. 16, ׳»־׳* kr. Sommerfest verb. m. Concert, Theater, Ball, Kinder hei tust., wozu Teilnehmer freundlich8t eingeladen werden. Entree ä 30 Pf. - I. A.: J. Heymannsohn, Vors., Bruimenstr. 57. ״Judas-Töchter“ Vereinigung jüdischer Frauen und Mädchen zu Berlin. Sonntag, den 21. Juni: 2.Ausflug nach Belitzhof. Gemeinsame Abfahrt vorm. 10 Uhr 46 Min. vom Alexanderplatz nach Waiinsee. Treffpunkt für Nachzügler bis nachmittags 6 Uhr im Restaurant von Schmidt, auf der rechten Seite. VomAVaniiseebahnhofe gelten alle 20 Milt Züge. Bei liegen weiter findet die Landparthie nicht statt. Der Moestand

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