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Berliner Vereinsbote · 1896-06-05 · Heft 23 (5.6.1896) · page 2

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 23 (5.6.1896)
Date
1896-06-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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nahezu verflossen, seitdem die Dörfer auf dem heiligen Boden entstanden -fünfzehn Jahre schwerer Kämpfe nichtallein mit materiellen Sorgen, sondern vor allein mit der Feindseligkeit, dem Indifferentismus der Juden des @ccidents, die Palästina als ein unfruchtbares Land mit verrotfeten Zuständen darstellten. Allein, war schon in den letzten Jahren diese feindliche Stimmung vor den Nachrichten unbefangener ' auch christlicher — Reisenden ge- ■wichen, so muss der letzte Schimmer eines Zweifels schwelgen nunmehr, wo man mit eigenen Augen die Erfolge jener Thätigkeit sehen kann. ’Wie bekannt, ist der Berliner Gewerbe-Ausstellung eine• Spezial - Ausstellung ״Kairo u an gegliedert, die in genialer Weise das landschaftliche Oolorit des Orients, das ׳ Lebm.1 und Treiben arabischer Bevölkerung nachgeformt darin ׳,Tot. Ein Berliner Stadtverordneter - der Schöpfer 1־ es Werkes - der dem jüdischen Leben ganz ferne stand, hau.׳ auf seinen .Keksen im Orient auch die jüdischen Dorf! besucht und noch ganz unter dem Eindruck dieser wie aus dem Boden hervorgezauberten Stätten in Berlin die Anregung gegeben, auch in Kairo diese Dörfer in ihren Erzeugnissen vorzuführen. Nach mannigfachen Versuchen gelang -es ihm, eine Anzahl hoehangesehener jüdischer Männer für den Plan zu gewinnen. Als das Produkt ihrer Bemühungen können wir'diese Ausstellung jüdischer Dörfer betrachten. Dem Palmenhaine, dem Edfutempel gegenüber, in dem 'wir die Ausstellung des■ Khediven (Bücher, Landesprodukte, Waffen etc.׳ finden; ■befindet sich in einem schlichten Bauwerk unsere Ausstellung. Von. dem Pyramidenplatze aus koinnmn wir zunächst in ein kleines Zimmer, das ohne j<*glichen ■architektonisch«m׳ Ausputz mit seinen weissen, mit: Bibelsprüchen, die. von der Fruchtbarkeit Palästinas künden, geschmückten'Wänden schon durch seine Einfachheit zeigt, «lass wir hier nicht eine prunkvolle Zusammen- 'Doppelung, sondern ein ernstes -Unternehmen, vor uns haben.. Hinter einem'.Ladentische sind mehrere mächtige Weinfässer aufgelagert, «lio «len Judenwein wie er von sein•* vielen christlichen Besuchern genannt wurde, enthalten. Bis jetzt, .werden eine Süssweinmarke ״Esraa, ein herber Wein ״Ri schon Leziorr und Cognac ״Jaffa“ verschänkt. Da es der Zweck dieser׳ Ausstellung keineswegs ist, ״lieber - schüsseu zu haben, so giebt es hier keine ״Ausstellungspreise״. Der Wein wird zu denkbar niedrigen Preisen verkauft, damit ein jeder siyh von der Güte und der Conenrreuzfäliigkeit der liier gebotenen Marken überzeugen kann. Und das geschieht im weitesten Maasse. — Wir werden ein anderes Mal noch auf diesen Wein zurückkommen, um uns über die Herkunft der Trauben, die Art des Weinbaue« in Palästina zu verbreiten. Jetzt aber wollen wir dem Menschenstrome folgen, der in das nächste Zimmer drängt. Auch liier weisen die Wände biblische Sprüche in hebräischer und deutscher Sprache auf. An einer Längswand finden wir die Namen der 24 jüdischen Dörfer verzeichnet. Auf einem langen Tische sind die Produkte der dortigen Agrikultur ausgestellt: Weizenj Sesam, Lupinen, Mais, Bohnenarten etc. Und man kann sehr häufig aus dem Munde erfahrener Landleute die Vorzüglichkeit, zumal die Grösse der Körner preisen hören. Ausserdem lassen Gele, Kosen - Olivensyrup, Honig etc. den Umfang der Thätigkeit erkennen. Besonderes Interesse erregen vor allem die Kokons, die Rohseide und die schweren schönfarbigen Gespinste, Kefijes, die im Lande als Kopftücher getragen werden. Auch das Eau de Cologne aus Jessoda Hamaalah erregt Bewunderung; freilich istes lebhaft zu bedauern, dass nursehr wenige Proben vorhanden sind. Es stellt zu erwarten, dass, wenn erst die Blumenanlagen in jenen Dörfern ältere sein werden, eine reiche und jnannigfache Produktion und somit, auch Ausfuhr stattfinden wird. Neben diesen Erzeugnissen des Bodens ist auch eine stattliche Anzahl von Olivenholzschnitzereien und Steinarbeiten ausgestellt. Neben grossen geschmackvollen Gegenständen stehen kleinere Dinge zum Verkauf, die in der That• reissendejn Absatz *finden: Halter, Rahmen, Leuchter, Tintenfässer in Gestalt ruhender Kamele, Serviettenringe. Auch Photographien denkwürdiger Stätten, der Klagemauer etc. finden wir neben denen der jüdischen Dörfer. In den nächsten Tagen wird zum Preise von 10 Pfg. ein Album verkauft werden, das die besten Photograpliien in trefflichster Autotypie enthält. Für heut genüge dieser allgemeine Ueherblick. In den nächsten Nummern wollen wir dann über einzelne dort ausgestellte Dinge des näheren berichten. Die Berliner Logen U. 0. B. K errichteten dieser Tage auf der Gewerbe-Ausstellung, und zwar im Pavillon ״Argus“ ein eigenes Bureau, woselbst sich die Mitglieder des Ordens begegnen etc. können. Es ist vorgesehen worden, dass zu bestimmten Stunden des Tages mindestens ein Berliner Bruder im Bureau anwesend ist, der Auskunft und Kat zu erteilen vermag, und wir werden diese Einrichtung, die gewiss den Beifall aller Mitglieder des U. 0. B. B. finden wird, in unserer nächsten Nummer ausführlicher behandeln. Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den All. Mai in allen Synagogen abends 71/י׳ Uhr. Sonnabend, den 30. Mai in der alten Synagoge morg. 8י)/ו Uhr,, in den übrigen Synagogen :״uigens 9 Uhr.■ Predigt Vorm. lÖUhr: Alte Sy nagoge, Herr •Rabbiner Dr. Stier. Ingendgottesdienst Nachm. 4 Uhr: Lindenstr, Synagoge Herr Rabbiner Dr. Weisse. Abendgottesdirnst 9 Uhr. Gottesdienst an den Wochentagen in allen Synagogen morgens b1 . Uhr und abends. bU. Uhr. Vereinigung Monbijou. Mittwoch, den 10. Juni 1896: Geselliges Beisammensein aller aetivon 11. inaetiven Mitglieder in Südende, Oürgergarterr. Aöends 8 Uhr * Abfahrt vom Anhalter Bahnhof. Gaste wiltkomrnerr. Hettachvichlistttts. Iwecks Herausgalre eines neuen Cakaloges werden alle activen nnd Lnactiven Mitgtieder ersucht, die in ihrem Besitz befindlichen Bücher bis Sonntag, Hnni Ln der BereinsdiSliotheK «Lederyulegen. Die Lommifsion für geistige Interessen. Sitzung der Repräsentanten-Ver- Sammlung Sonntag, den 7. Juni vorm. 11 Uhr im Sitzungssaal«* Oraiiien־ hurgorstrasse BO. Synagoge Nveb scholanm Lothringer-Strasse 48. Sonnabend Predigt Dr. Grünfeld. Litterarisch-Gesellige Vereinigung. Sonntag, den 7. Juni: Ausflug nach Birkenwerder per Extra-Waggon. Abfahrt 8,SO (nicht 7,45) vom Nordbahnhof, Bernauerstr. Entree (incl. y ־.■ Fahrt) Mk. 1, Für Nachzügler Trefipünkt Restaurant Paradiesgarten von 2—872 Uhr. Billets beim Comit& . Adolf Gehr, Neue Friedrichstr. 45. Georg Wolff, Koppenplatz 10. ״Juda’s lichter“ Vereinigung jüdischer Frauen und \ Mädchen zu Berlin. Möntag, den 8. Juni, Mends 9 Uhr, im ״Münchener Hof", Spandauer^ strahe ll- 13:. kvsvksktlivho Zusammenkunft für Monat!uni. Der Vorstand. Chebra Genius Cbassodim. (Israel. Wohlthäfcigkeits-Verein,) Zum Besten der Vereinskasse findet am Sonntag, den 7. Juni, in Brasefis Garten u. Jestsälen, Neue Friedrichstr. 35, ein 80mmsrls8t mit Lall statt. Bon Nachmittags 4 Uhr an Gonrert mit Bortragen. Veginu des Balles Meuds 8 Uhr. Um 9 Uhr große Fackelpolouaise. Rasseneröttnung 2 Uhr Nachmittags. Eintrittskarten, welche bqim Wker-eichnete« zu haben sind, müssen an der Kasse mit 25 Pf. pro Karte beglichen werden.; Der Eintritt ohne Karte ist hur geg. Zahlung von 50 Pf. gestattet Wer Vorstand r 1. Rosenthal, Vorsitzender Landsbergers tr.76.

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