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Berliner Vereinsbote · 1896-05-29 · Heft 22 (29.5.1896) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 22 (29.5.1896)
Date
1896-05-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Zum ersten vollzog Herr Rabbiner Dr. Weisse die Confirmation von Mädchen der von ihm geleiteten III. Reiigionsschule in der .neuen Synagoge. Das Gotteshaus war zum grössten Teile gefüllt, und mit sichtbarem Interesse nah men alle an der erhebenden Feier teil. Die Predigt des Herrn Dr. Weisse machte einen tiefen Eindruck auf alt und jung. Mit Innigkeit und Verständnis sprachen die sechs Mädchen ihr Glaubensbekenntnis. Der feierliche Akt schloss mit dem Segen und dem erhebenden Gesang des Synagogenchores. Berliner Gewerbe-Ausstellung. Vor einigen Tagen wurde in ״Kairo u die Palästina- Ausstellung eröffnet, die eine grosse Anziehungskraft ausübt. Mindestens % aller Kairobesucher haben die Palästina- Ausstellung besichtigt.und aus aller Munde konnte man Worte des Lobes und der Anerkennung hören. Die Ausstellung enthält eine reiche Sammlung von Bodenei'Zeugnissen des gelobten Landes und viele Produkte des Kunstfleisses der dort angesiedelten •Oolonisten. An der■ Hand, zahlreicher Illustrationen kann man sich von den in gedeihlicher Ent- Wickelung begriffenen Colonien ein deutliches Bild machen. Wir werden auf diese hochinteressante Ausstellung eingehender znrückkommen, empfehlen aber schon jetzt den Besuch derselben aufs wänüste; ' * כשר Neu eröffnet. כעיר ff. Fleisch• und Wurst •Waaren. WM- Central-Markthalle Stand 147. -WM Gute Qualität — Reiche Auswahl. Billigste Preise. כעיר Fr. Loewy. 3טור ORNATE für Rabbiner, Prediger, Cäntoren, Richter u. Rechtsanwälte etc. liefert, in allen Preislagen zu soliden und festen Preisen G Herbert. Berlin sw., 5. Alte Jacobstrasse 5. Telsphon Anschluss Amt IV, Ho 1255. Gegründet 1626. Müch Sc Niesbeck Frische Blumen. 155, Friedrichstrasse 155. Speciaütat: Braut-Arrangements. | ■ Kränzt*. Roiujucts et«■. | MM*' Ta fei gar n in m g) 01. ^WG 1REBSTB! m ms Scheibe. Berlin S.O., Cuvrystrasse 3, Tel. Amt IV, 485. Berliner Gewerbe-Ausstellung. Gruppe VII, Kunstschlosserei. 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Nach und nach wurde aus dem Sohn des■ armen Flüchtlings ein reicher Marin. Während der französischen Okkupation übertrug man Wolf auf Empfehlung seines alten Gönners, des inzwischen zum Obersten ernannten Herrn von Oersdorf, sehr einträgliche Lieferungen. Seine fast demütigt‘ Bescheidenheit und grosse Schweigsamkeit erwarb ihm in allen Offizierkreisen ein grosses Vertrauen, das seine Ehrliehkeit glänzend rechtfertigte. Bereits zur Wohlhabenheit gelangt, blieb er in dem engen Friesengässclien wohnen und entging so den schwersten Einquartinmgslasteil, die viele Bürger Dresdens während der Franzosenzeit ruinirten. Die Klugheit Juliens wurde bald auf ernste Proben gestellt, als die übermütige französische Soldateska manches Fa- milienglüek erschütterte; in jener schweren Zeit hatte sie ihre Energie so oft nötig,!lass ihr Wesen nach und nach eine Härte und Barschheit •erlangte, die ihr früher nie eigen gewesen wE- Wolf sah stets in ihr eine feste Stütze und eine^rtrauenswerthe Ratgeberin, der er in allen Stücken folgte^ mir nicht in Bezug auf die seinem ganzen Wesen fremde selbstbewusste Entschiedenheit. Geschäftlich war dies von Vorteil; denn die hohen sächsischen und französischen Offiziere, die Wolf als Negozianten verwendeten und alle möglichen Einkäufe und Verkäufe von ihn! besorgen Hessen, fanden Gefallen an dem schweigsamen und bescheidenen'Mann; dem keine Mühe zu gross war, der seinen’wachsenden Wohlstand nie an, Werktagen, sondem nur an Sonnabenden und Festtagen merken Hess, wo er die beste Kleidung an sich und den Seinen liebte und eine grossariigi‘ Gastfreundschaft übte. Die während der Franzosenzeit bedeutend angewachsene jüdische Gemeind«* zählte viele'Mitglieder,• die für die französischen Ideen .der• ,.Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.״ begeistert waren und für das Franzosen-Re.gi.ment schwärmten, da*• Wolf Innerlich zuwider war. Sein ganzes Herz hing an dem Wohlthäter seines Vaters, dem früheren Kurfürsten und nunmehrigen König Friedrich August und■■ blutete, ׳als derselb*‘ nach längerer Gefangenschaft auf einen Teil seine* Lande* verzichten musste. Als Mitglied des jüdischen Genieinderates stand er mit - bei ׳ jener. Deputation, di־׳ zu dm zahlreichen Abordnungen der Stadt Dresden gehörte, ■welch«•■ den aus der Gefangenschaft heimkehrenden Monarchen an! festlich geschmückten Pirnaisehen Thore tiefbewegt hegrössten. So sehr es ihm auch schmerzte, dass manche'■ Vorrechte, welche die Franzosen den Dresdener Juden eingeräumt•-' hatten und der russische Gouverneur. Fürst Repnii'1. ruhig fortbesteh eil Hess, nach der Rückkehr des Königs wieder verloren gingen, nie hört«‘ man von ihm darüber ein bitteres Wort. Vor dem Abmärsche d«*r sächsischen Truppen mu h Russland im Jahre .1812 hatte Wolf für die Equipirung einzelner Offiziere ansehnliche Summen verlegt. Die wenigen sächsischen Offiziere, welche heimkehrten, bezahlten unaufgefordert: von den Hinterlassenen der in Russland gehlie- , benen Opfer verlangte Wolf nichts und er wies die Aufforderung Juliens, doch wenigstens .bei wohlhabenden .Fa-' milien den Versuch zur Wiedererlangung des verlegten Geldes zu machen, mit Entschiedenheit zurück. Er sagte, er habe in Sachsen ein zweites Vaterland gefunden, sein Vermögen an der sächsischen Armee verdient und habe dafür freudig Opfer zu bringen, wenn er sich nient selbst״ für einen Undankbaren halten solle. fTorsmung/folgt.;

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