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Berliner Vereinsbote · 1896-05-22 · Heft 21 (22.5.1896) · page 3

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 21 (22.5.1896)
Date
1896-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jahre 1882 gebe es erst eine eigentliche zionistische Partei. Diese sei, wie es auch natürlich ist, in Russland entstanden und von dort haben sich ihre Ideen nach Galizien, nach Palästina und nach andern Ländern verbreitet. Eine Folge des Wiederauflebens des nationalen Selbstgefühls war auch das Emporblühen der hebräischen Sprache und Litteratur, welche durch eine trefflich geleitete Presse aufs eifrigste gefördert wurde. Anfangs erschienen zahlreiche lieber- Setzungen aus fremden Sprachen, bald aber auch hervorragende Original werbe von bedeutenden Dichtern und Schriftstellern. Ein weiterer Hauptpunkt des zionistischen Parteiprogrammswar die Wiederbesetzung des nationalen Bodens durch die Juden ujtd dieWiederaufrichtung des jüd. Staates. Während anfangs noch eine Reihe von Zionisten dieses Land in der neuen Welt suchte, ist inan jetzt im Allgemeinen darüber einig, dass die neue Heimat nur Palästina sein kann. . Zu diesem Zwecke existieren zahlreiche Kolonisation«-Vereine, welche sich die Aufgabe gestellt haben, diejenigen Juden, welche besonders schwer zu leiden haben, in Palästina in mit allen modernen Erfordernissen ausgerüsteten Kolonien anzusiedeln. Nachdem der Referent den Stand der zionistischen Bewegung in den einzelnen Ländern in Russland, Oesterreich, Deutschland, Amerika etc. eingehend geschildert, ging er zu einer kurzen Betrachtung über die Berechtigung des Zionismus und seiner Bestrebungen über und erklärte, dass er selbst ein Nationaljude sei, d. h. dass er die Juden ebenso für eine Nation halte,, wie etwa die Deutschen, Franzosen etc., indessen sei er gegen die Gründung eines selbständigen jüdischen Staates aus religiösen und praktischen Gründen. -In der sich ■an den Vortrag schliessenden Diskussion setzte Herr Dr. Heinrich L.oewe in längeren trefflichen Ausführungen teils seinen in einigen Punkten entgcgengesetzten Standpunkt auseinander, teils suchte er die Angaben des Referenten zu ergänzen. : Unser Bericht über das ״jüdische Mädchenstift“, Münzstr. 28, enthält einige Ungenauigkeiten, die wir hiermit befichtigen wollen. ,Zweck dieser seit sechs Jahren bestehenden Anstalt ist die hauswirtschaftliche Heranbildung unbemittelter jüdischer Mädchen, und die bisherigen Erfolge weisen eine'erfreuliche Entwickelung auf. Anfangs auf mir sechs Zöglinge beschränkt, erzieht das Stift jetzt deren fünfzehn und zwar ganz unentgeltlich. Von (len bisher entlassenen Mädchen befinden sich acht als Köchinnen, sechs als Hausmädchen und zwei als Mädchen für Alles im .Dienst, fast durchweg zur völligen Zufriedenheit ihrer Herrschaften. ' Der Vorstand unter dem Vorsitz des Waisenhaus-Directors Dr. Strelitz und Frau Julie Neu mann ist eifrig bemüht, den immerhin noch viel zu eng gespannten׳׳ Rahmen, innerhalb dessen sich die Wirks«m1׳keitdes״Mädchenstiftes bewegt, zu erweitern. Die Zahl der immerwährenden Mitglieder ist auf 57, die der ordentlichen Mitglieder auf 450, die Summe der Jahresbeiträge auf 4738 Mk., das Anstaltsvermögen auf 21348,20 Mk. gestiegen. / Die ordentliche Generalversammlung des ..Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde“, am 8. <k, eröffnste der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Dr. H. Veit- Simon, mit einer längeren Ansprache über dis Lage des Vereins, über die durch die Waiden neugesekaffeno Situation und über die Aufgaben, die dem Verein für die nächst^ Aeit erwachsen. Der Verein hat.eine grosse Aufgäbe in unserer Gemeinde zu erfüllen, er hat das Banner der liberalen Idee hoclizuhaltmi gegenüber allen Reaktionsversuchen. Die überwiegende Majorität der Gemeinde steht auf •seiner Seite, und bei eifriger, zielbewusster Agitation kann es ihm auch nicht fehlen, dieser Idee des religiösen Fortschritts den Sieg zu verschaffen. An diese mit lebhaften! Beifall aufgenommene Ansprache knüpfte siel, eine längere und zum Teil animierte Debatte über die Mittel der Agitation innerhalb der Gemeinde, in der die Ausführung des Herrn Justizrat Makower den Mittelpunkt bildeten. Klar und sachlich entwickelter in längerer Rede die Aufgaben, die der Verein zu erfüllen habe, und versprach, ander Erfüllung dieser; Aufgaben ' eifrig'■ mitzuarbeiten. Die s.tatutenmässig ausgeschiedenen Mitglieder wurden einstimmig wiedergewählt; ausserdem wurden die folgenden Herren per Akklamation in den Ausschuss hineingewählt: Prof. Buka, Wilhelm, Tasch, Willibald Löwenthal, Rechtsanwalt Felix Makower, Stadtverordneter G. Wittkowski, Adolph Mayer, Hugo Heil mann, Dr. Engel mann, Moritz ('heim, Dr. Lewin, Rechtsanwalt Stillschweig. L. Hämmerst<011. Michael Cohn, Emil Masse, Dr. B. Holz, Louis Eduard Sachs. L. Mecklenburg, J.׳ Löwenstein, Benas Leyv, H. Rothenstein, Hermann Hirsch, Ignatz Lasch in Charlottcnburg. Zum Schluss wurde der Antrag des Herrn Jacob. <lem Vorstände den Dank für seineLeitung der Vereinsangelegenheiten aiiszusprechen, einstimmig angenommen., Der ״Central - Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hielt am 12. Mai in Dräsels uestSälen ein*‘ Ver- Sammlung ab. die von etwa■300 Mitgliedern und Gästen besucht war. Herr Rabbiner Dr. Ludwig Rosenthal aus P r. - Stargar d hielt einen mit lebhaftem Beifall aufgenomnmnen Vortrag über ״Jehuda Halewi und Walther von der Vogelweide.w Der Redner behauptete, .dass keim*. wesentlichen Charakter-Verschiedenheiten, sondern vielmehr merkwürdig«‘ Aehnlichkeiten zwischen Deutschen und Juden vorhanden seiender wies (lies an zwei hervorragenden Dichtergestalten nach, welche beide als bedeutende •Spiegelbilder der Gesämtlichen gelten, aus denen sie hervorgegangen sind. Hierauf berichtete der Vorsitzende des Vereins, Herr Rechtsan Walt Dr. Horwitz über das erfreuliche Wachstum «des Central-Vereiils, welcher jetzt 50 korporativ heigetreteim Gemeinden und über 5800 Einzelmitglieder •umfasst, und damit eine Vereinigung von fast 30 000 deutschen Juden darstellt. In erfreulicher Weise beginne jetzt auch das Interesse für die Vereinssache in Süddeutschland sich zu regen. An weitere geschäftliche Mitteilungen knüpfte sich eine kurze Diskussion, an der sich die HerTn Dr. ■St.*tu und Jaffe beteiligten. Hierauf schloss Herr Dr. Horwitz die Versammlung mit dem Wunsche, dass die Anwesenden die Sommerferien zum Werben und Arbeiten für den Central- Verein benutzen mögen!' ר ' . . , d-c ~ ״ ° (torts. der v eremsschau aut .Seite »MV Grösste und billigste Bezugsquelle für frische ,\י Blumen. w 1/ v BERLIN W. Charlottenstr. 48. Telephon Amt I, 984. ־ ־ jSß ־ ־ AmWAMAIArfVAfAWrK Junges Mädchen ans anständiger jüd. Familie sucht Stellung als Stütze der Hausfrau cd. bei Kindern. Familienanschluss erwünscht. L6vy, Poststr. 1. III. » Kitte ausfchneiden!» H. Besteher Photograph Berlin, Landsbergerstr. 82 nahe Ale.:anderplatz. I Dtzd. Visitporträts O RftUl/ od. 3 Kabinetsbifder ÖjÜUjua• Nach alten Bildern werd. Vergrösserungen schon '.WfT. für 3 Mark angefertigt. Auf briefliche Anfrag, umgehend Bescheid. 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