Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1896)
- Date
- 1896-05-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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steil Zufriedenheit ihrer Herrschaften. Und diesen Erfolg verdankt die Anstalt nicht an letzter Stelle der geprüften Lehrerin, dem׳ Fräulein Selma Baer, die mit den Mädchen praktische Oekonomie treibt. Aerzte und Rechtsanwälte. Lehrer, Kaufleute und Privatiers haben ihre Kräfte nnentgeltlich in den Dienst dieses Instituts gestellt. Vor allem aber ist gerade unseren Frauen Gelegenheit gegeben hier segenbringend zu wirken. Und liest man die Namen derselben, Zo ist man erfreut darüber, wie diese Damen die Glücksgüter, mit denen sie gesegnet sind, zum *Wohle der Armen verwenden und nur zu bedauern ist es, dass diese Gesinnung nicht allgemein vorhanden ist. Denn trotz der erfreulichen Th'atsache, dass die Anstalt von BIT Mitglieder auf 450, die Summe der Jahresbeiträge von 3669 auf 4733 gestiegen, die Zahl der Stifter und der immerwährenden Mitglieder von 30 auf 57 und das Gesamtvermögen von Mk. 12733,13 apf Mk. 21348,20 angewachsen ist, klagt doch das Stift über Wie noch immer beschränkten Mittel. Das jüdische Mädchenstift hat das grosse Vertrauen, dass die ״wohlwollende Förderung menschenfreundlicher Glaubensgenossen es in den Stand setzen wird, nicht allein die gegenwärtige Zahl von Zöglingen weiter die Wohlthaten des Stifts gemessen zu lassen, sondern sie auch noch ferner zu erhöhen.a Vereinigung üilontrijou. ״Culturelle Streifzüge durch den jüdischen Orienta, hiess das Thema eines Vortrages, der den Mitgliedern und Gästen der Vereinigung am 0. Gesellschafts־ Abend, 25, April, zu Gehör gebracht wurde. Dr. Heinrich Loewe, Redakteur des Zion, Mitglied der Vereinigung Monbijou, ergriff das Wort, umjmszuführen, dass ein Vortrag unter dem Titel ״ Culturelle rstreifziige durch den jüd. Orient“ zwar manches Neue bieten könnte, dass er aber nur die Absicht habe, ״crarnbe repetita“ d. h. aufgewärmten Kohl wiederzukäuen. Denn das Interessanteste, das Familien- und Frauenleben verhülle sich dem Reisenden. Nur das Eine wolle er hervorheben, ohne freilich den Damen des Vereins nahe zu treten, dass er die schönsten jüdischen Typen, die er je gesehen, bei den christlichen Araberinnen am Brunnen von Kejr Kenna bemerkt habe. Heute hat das orientalische Leben schon wieder an Frische gewonnen, wozu freilich am meisten die jüdischen Einwanderer beigetragen hätten. Bei einer Reise durch Aegypten hat Dr. Loewe die verschiedensten Juden kennen gelernt, die aus Europa, Asien und, Afrika hier eingewandert oder Nachkommen altansässiger Juden sind, und bei allein Unterschiede in Kleidung, Lebensweise, Sprache■ und Ritus sind sie doch nur ein Volk, das überall die Merkmale der gleichen Abstammung aufweikt, modifiziert lediglich durch die vorschiedene Bildung und durch den geringeren oder grösseren Grad von Freiheit, denen inan ihnen gewährte, oder Unterdrückung, mit denen man sie verfolgte. Selbst die Karaer, die seit Jahrhunderten vom Hauptstamme getrennt sind, und von denen Referent eine ebenso anziehende wie lehrreiche Schilderung nebst kurzer Skizzierung ihrer Geschichte gab, fühlen sich durchaus als Angehörige desselben Volkes und harren der gleichen Hoffnung auf eine glückliche Zu- | kunft im alten Stammeslande. So sei es denn auch sehr erfreulich, dass die zahlreichen Juden in Aegypten — in Kairo allein 30 000 — sobald sie nur einige Bildung erst genossen haben würden, sich mit Freuden an der Kolonisation Palästina s beteiligen möchten. Im Anschluss an ein Gesprach zwischen Redner und einem koptischen Studenten, das er mit ihm während der Reise von Ismailieh nach Port-Said und von dort nach Jaffa hatte, entwickelte Redner ein Bild eines hebräischen Gymnasiums, dessen Unterbau in Jaffa schon im Beth-Sefer existiere. In culturellen Streifzügen durch das heilige Land gab der Vortragende nunmehr ein Bild von der Fruchtbarkeit־ und,,.wunderbaren Schönheit Kanaan's, die im schreiendsten Kontraste zu jener entsetzlichen Oede stünden, die nur durch die blühenden jüdischen Bauernkolonien unterbrochen wurde. Besonderes Lob verdient die Ackerbauschule der Alliance bei Jaffa, die sich zu der blühenden Kolonie Mikweh-Jisrael ausgewachsen habe. Von den jüdischen Kolonien hob er dann besonders noch das prächtige Risch6n TZion, das moderne Zikhrön-Jaakob, das romantische Röseh-Pinöh und endlich Rechöbhötli, den Typus eines echten jüdischen Bauerndorfes liervor. Er skizzierte auch in kurzen Zügen dir Geschichte dieser Kolonisation, die den Beweis ablege, das» der Jude heute noch ebenso wie vor Jahrtausenden ein tüchtiger Landwirt und fieissiger Arbeiter sein könne, wenn er nur frei und unbehindert die Scholle anbauen darf, die seinen Vätern ein Vaterland ־war. Ebenso aber lege auch das Land selber von der Bauernthätigkeit der Juden und ihrer fieissigen Emsigkeit in uralter Z**it beredtes Zeugnis ab, wie andererseits man überall und allerorten im heiligen Lande historisch interessante Orte trifft, von denen die Geschichte Ruhmes- und Heldenthaten der alten Israeliten zu melden weiss. Die Ruinen und Trnnuuerstatten des Landes seien hinwiederum, da sie allen Epochen' und Zeiten angehörten, Denkmäler, die in ihrer Gesamtheit zugleich ein Bild der ganzen jüdischen Geschichte auch im Exil ■ darstellten. Des historischen Zusammenhanges seien sich daher auch die Träger der Kolonisation im vollsten Maasse bewusst. Schliesslich gab Redner eine eingehende Schilderung des Beth-Sefer in Jaffa, einer vortrefflichen Schule, die sich aus den Verhältnissen heraus zum Unterbau eines Gvuinasiums mit hebräischer Unterrichts- und Umgangsspraehe ,entwickelt hat, und wies auf die grosse Wichtigkeit hin, diese Scjmle nach oben hin auszubauen. Indem Redner zum Schluss eine lebendige Schilderung des ältesten israelitischen Baudenkmals, des Restes vom alten salomonischen Tempel gab, schloss er seine Rede mit dem Appell, dass die ״Vereinigung Monbijou“ damit fort fahren möge,״ wie sie es begonnen, für die alten Ideale des jüdischen Volkes seine Mitglieder zu erwärmen, damit die ganze jüdische Jugend siciy allmählich für die gesamte jüdische Uultur in allen ihren lebenskräftigen ' Formyn begeistere. Denn das Ziel des Judentums müsse es "sein, eine Zukunft herbeizuführen, in der auch der Jude in seinen Menschenrechten anerkannt sei, indem er sich durch Selbstachtung auch die (Fortsetz, der Vereinsschau ־׳auf der vorletzten Seite.) SRSSBSSOTcSSRIT Grösste und billigste Bezugsquelle für 4A frische Blumen. w 1 * ov BERLIN W. AW Charlottenstr. 48. Telephon Amt 1, 984. JBSSS1S&SSfififiSSL erteilt Gymnasiasten erfolgreichen Privat- Unterricht, Mathematik bevorzugt. G. Wachsner, Angermümlerstr. 0 pt. Student Prämiiert Dresden 1874. 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