Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1896)
- Date
- 1896-04-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Die am 24. j März . im rMünzhof1 veranstaltete Versammlung clor Gruppe C. des „Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens'1 wurde von Herrn Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld geleitet Herr Rechtsanwalt Rudolf Ha hn wies in einem mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrage überzeugend nach, dass die antisemitische Phrase von der „Neigung der Juden zum Verbrechenu völlig haltlos sei. Die Behauptung, dass die Sittlichkeit der Juden weit unter dem Niveau der deutschen Sittlichkeit stehe, würde selbst dann unhaltbar sein, worin sich aus der Krimmalstafcistik ein grösserer Anteil der Juden am Verbrechen nachweisen Hesse, weil die Bestrafungen keinen festen Maasstab für den sittlichen Charakteri der Gesetzesübertreter bieten. Die Kriininalstatistik in jihrer Gesamtheit zeige aber gar keinen grössern Anteil der Juden am Verbrechen. Dies wies der Vortragende auf Grund der von Dr. Lux in München für die Jahre 1882 bis 1892 aufgestellten Ziffern der deutschen Krimmalstatistik nach. Danach war in dem Zeiträume von 1882 bis 1889 das Verhältnis der thatsächlichen jüdischen Bestrafungen zu der ihrem Verhältnis" zur Bevölkerungsziffer 'Mitsprechenden Zahl der Bestrafungen nur HH Prozent und dieses günstige Verhältnis gestaltete sich in den Jahren \SHH bis 1892 durch die Herabminderuhg auf 81 Procent noch günstiger. - . Da die Antisemiten aus den Zahlen der gesamten Statistik nichts für die Juden Belastendes herausfinden konnten, bezeichneten sie diejenigen Verbrechen, an welchen Juden besonders wenig beteiligt waren (Mord. Einbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung» als solche, die besonderen. Mut und Thatkraft verlangen und warfen fieshalb den Juden Feigheit vor. Mit welchem Recht, das zeigt die Thatsache. dass in den Jahren 1882 bis 18<>2 1149 Juden wegen Zweikampfs bestraft wurden, während nach ihrem , V erh äl t n i s zur Bevöl k e ru i igszi ffer uu r 1 -1 Ju d e n sich »Ii eses Delikts hätten schuldig machen dürfen. Wegen Mordes sind in demselben Zeitraum nur f> Juden-statt H7. wegen Körperverletzung nur 42H2 statt ca. i-NXM) bestraft worden. Redner wies dann die Nichtigkeit der" antisemitischen Behauptung nach, dass der grösste Teil der jüdischen Verbrechen 'ungeahndet bleibe bezw. gar nicht zur Anzeige gelange. Der. hohe Prozentsatz der "jüdischen Freisprechungen erkläre sich vielmehr aus der mangelhaften Begründung zahlreicher Anklagen. Diejenigen Gesetzesübertretungen? an welchen die Juden stärker als die übrige Bevölkerung beteiligt sind, sind, solche, welche besonders unter Handeltreibenden vorzukommen pflegen, weil die Juden bei der Schwierigkeit der Berufswahl vorzugsweise '.auf den Handel angewiesen sind. Vergleicht man bezüglich dieser Delikte die Kriminalitätsziffer der Juden mit derjenigen der gesamten Kriminalitätsziffer des vorzugsweise auf die Industrie angewiesenen Königreichs Sachsen, so ergiebt sich,.dassbei den betreffenden Delikten die Juden mit 1.2H Procent, die gesamtnte Bewohner des Königreichs Sachsen mit 272 Procent der Durchschnittsziffer beteiligt sind. Der Vortragende berührte dann die Verhältnisse bei den Sittlichkeitsverbrecnen,- dem Meineid, der Kuppelei, dem Betrug, dem betrügerischen Bankerott und dem Wucher und bewies, dass selbst bei den, Delikten, bei welchen den Juden ein grösserer Anteil nachgewiesen werden kann, teilweise die Berufsverhältnisse mitwirken, aber auch eine entschieden günstigere Gestaltung der Ziffern ' in den letzten Jahren zu konstatieren sei. Damit dürfe man sich aber nicht genügen lassen, dass die Sittlichkeit der Juden keine schlechtere sei als die der übrigen Bevölkerung, vielmehr müsse rastlos an der Hebung der Sittlichkeit gearbeitet werden, damit die Juden sich durch höhere ^Sittlichkeit auszeichnen. Wenn ein Christ das Gesetz verletze, werde dies als das Delikt eines Einzelnen beurteilt, "für-dasjenige eines Juden würden stets alle Juden verantwortlich gemacht. Dies müsse stets als Mahnung dienen, sich vor jedem Delikt zu hüten. An den Vortrag schloss sich eine lebhafte ausgedehnte Diskussion. Am!). und 424. jeden Monats erscheint Der Israel. Jugendfreund, Blattei' zur Belehrung und Unterhaltung lieraus^'^'ht'n von E. Flanter. VaTteljalulich 1 Mark. ■Bestellungen nimmt jedes Pestamt »H5k21 s '\*>dv Bueliiiandluii.^ *ovvi«» die Expedition Christinenstr. 36 ♦ -nt^i-n. Proheht-Ue kostenlos. ^ÄOtK)<Jrund&<Jo. |*Mft.<i r lm** LWm*m- FMaUr«^ MCTAU.-HOU- ICUl ltCHStABtM- J OAMK-SUSSCHtllfCRtl 18la»>Aetx t pti Vtr ftMiri t rTrmcnscl^i lder-Rbril "^^ Fischer-Brücke 25. nvvi m* ■umsmccmeb: »mt i ytt», rOSWMIl.ft ^en-^(päillen-]<QbpiK0 * Prämiiert Dresden 1874. Prämiiert-Berlin 1879. Hirsch'sche Schneider-Akademie Gegründet 1859. 24000 Schüler ausgebildet Berlin C Rotes Schloss No. 2. Grösste, älteste, besuchteste u. einzig preisgekrönte Fachlähraastait der Welt. Am I. mul ia. j*»»l<?.n Mendts I « nimu'n tlu» tu-iu-n Kur».' in;i!i< n- \t '«.fi,:iiü<«n «i' t Narren-, Damen- und Wüsche-Schneideret, *owm» n>< Skizzenzeichnen u» i Handelswissenschaften. Perfecta Ausbildung zu Direktricen. Zuschneidern Kon fekttonaren. Ahsolut M<hoior Krtotg wir«! 'gH-rat?ti«-.rt Na< h 'nl^uh iru-n. Kursus k<v*t«nl«iM»r St«»ll<wnmwliwfi»t. l*r<»*}>«'kt«- j*r»tU Aum*■ Ioui.^«l»:»S- <ligst t'i'ht'tr'n. 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