Mannheim
Compact Memory

Berliner Vereinsbote · 1896-07-10 · Heft 28 (10.7.1896) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 28 (10.7.1896)
Date
1896-07-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3019627-3019682-3019708--204-3020412
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ein sozialistischer Grossstaat vor 400 Jahren. * — Von Dr. Osoar Martens. — Gegen Einsendung von Mk. 1,50 durch die Expedition des ״Berliner Vereinsbote“, Kaiserstr. 39/40, franko zu beziehen. ik Soeben erschien: # ERLEBT. *■ Erzählungen aus dem jüd. pam»!tenleben von Alphonse Levy. rzzrz preis 50 Pfg. ~-־rrr In jeder Buchhandlung, sowie in dem Verlag des ״Berliner Vereinsbote“, Berlin, Kaiserstr. 39/40, zu haben. Lebensstellung. Gewandte Herren und Damen erw. sich in kurz. Zeit durch Vertretung einer bestrenomm .Versieh.- Ges. namli. Verd. Ev. Anstellung bei hob. Fixum schon 11ach4 Woch. Meid. Alexanderstr. 70 I. ORNATE für Rabbiner, Prediger, Cantoren, Richter u. Rechtsanw&lte etc. liefert in allen Preislagen zu soliden und festen Preisen G. Herbert. BERLIN SW., 5, Alte Jacobstrasse 5. Telephon Anschluss Amt IV, No. 1255. Gegründet 1826. V Berlin 8.O., Cuvrystrasse 3, Tel. Amt IV, 485. Berliner Gewerbe-Ausstellung, Gruppe VII, Kunstschlosserei. Export und Versand nach ausserhalb. Neueste Erfindung! Von Baumeistern lebhaft begrüsst. Sturmsicherung Thiirschliesser Hat alle Vortheile der sonstigen Apparate und verhindert das Zuschlägen der Thür auch bei Sturm, geht nie entzwei und schont die Schliesser dauernd. Neu! Geräuschlose Thürfedern ^IofÄn Neu! Hausordnungsschildermit 1tTÄi״hpn Müllkasten &es*׳r*c*1e״’ verzinkt, Sortimentslager _FensterlichtschachtgittergX|äuESlcM Bitte Preislisten einzufordern. Wäsch» Haus-, Leib- und Tischwäsche wird z. Waschen u. PlÄtten übernommen. Auch werden alle Reparaturen an Wäsche sauber und billig äusgeführt. Wolkenlose Abholung u. Zusendung.?risäsrieks-Jaffs __Pallisadenstf 100. Rüch <L Kies^eär Frise he Blumen. 155, Fpiedrichstrasse 155. Specialität: Braut-Arrangements. Kränze, Bouquets etc. Tafelgarnirungen. '*WW hin und her schwankten. Nur das Aechzen der gequälten Vaterbrust und die tiefen Atemzüge der andern drei Männer, mischten sich in das Heulen und Pfeifen des Sturmwindes. Mehr als zehn Minuten vergingen so in lautloser Stille, dann klingelte die Hausthürglocke, hüpfende Schritte . klangen über die Fliesen der Diele, ein rascher Ruck öffnete die Zimmerthür. Dina liess das wassertriefende Tuch auf der Schwelle liegen, band den feuchten Schleier von den Locken und stand regungslos bei dem Anblick der seltsamen (Truppe, welche sie mit Todesschweigen empfing. Abi schritt mit ansgebreiteten Armen auf sie zu, aber diesmal hielt ihn Löh Bar. zurück. ״Erst komm ich/ sagte er, ergriff die Hand des erschrockenen Mädchens und zog sie an den Tisch. Indem er mit dem Finger auf eine Stelle des offenen Buches deutete, befahl er kurz und hart: ״Lies!4* ׳ Dina, welche sich wie in einem bösen Traum befangen dünkte, gehorchte: ״Und sie hatten eine Schwester, welche Dina genannt war, diese ging gegen Abend einsam auf die Strasse und geriet unter die Canaaniter, worauf sie schimpflich um Ehre und Tugend kam/ —-- ״Woher kommst Du?44 fragte wieder die harte Stimme des sonst so gütigen Vaters. ״Von unserm lieben, guten Grossherzog/ rief in Erinnerurig an das soeben widerfahrene Glück, jubelnd das ahnungslose Mädchen. ״Denke Dir, ich habe drei Bitten thtin dürfen, weil ich mich neulich so arg erschrocken habe, und da hab’ ich dann gebeten: Erstens, dass mein guter Vater den erwünschten Titel Commerzienrat erhalt, zweitens, der liebe Onkel die Tuchlieferung und drittens, — kommen Sie näher Herr Graf, das geht Sie und meinen Abi an — drittens — Abi, hat der Grossherzog die Erlaubniss gegeben, dass Du die Operation an der Frau Gräfin machen darfst. Aber weshalb seht Ihr mich so sonderbar an?u fragte sie verwundert. Graf Bülow hörte mit trauernder Miene diese frohe Mitteilung, der Onkel Veitei weinte, Löb Bär bebte und suchte vergebens nach Worten. Nur Abi ergriff die Hand seiner Braut und drückte sie an sein vertrauenreiches Herz. ״Erzähl!44 befahl endlich kurz und trocken der Vater. Sogleich hub das gehorsame Mädchen ihren Bericht an: ״Gestern abend als Du im Tempel warst, kam Hoheit zu mir, hier in diese Stube. Er war sehr freundlich und gnädig und bedauerte, dass er mich so erschreckt hatte. Nun ja, ich hatte mich arg erschrocken, als ich so in dem alten Kleid und Hauspantoffeln vor dem hohen Regenten, die Butter hinwarf. Deshalb erlaubte mir der gute .Fürst. gerade wie im Märchen, sagte er, drei Bitten zu thun. ich sollte sie mir überdenken und heute Abend zu ihm in seinen Sommerpavillon kommen. Ja, wahrhaftig, Herzensvater, er hat mir die Ehre erwiesen, mich selbst einzuladen.“ ׳ Graf* Bülow fühlte das Knistern des Zettelchens in seiner Brusttasche, worauf die wenigen Worte der grossen Handschrift standen: ״Ihre tugendhafte Jüdin ist bei mir im Sommerpalais!44 Dina lehnte den Lockenkopf an ihres Vaters Brust: ״Ja, Vater, und da habt Ihr mir gestern Abend alle drei Eure liebsten Wünsche verraten, und ich» wusste, was ich zu erbitten hatte. Ich geh’ also heut Abend nach dem Gartenschlösschen. Da brennen die drei Laternen wohl, aber keine Menschenseele, nicht einmal ein Diener, ist zu sehen, Als ich nun zögernd stelle, öffnet sich mit dem Glockenschlag, die Domuhr schlug acht, eine kleine Seitenthüre, die ich ganz übersehen, Hoheit selbst stellt auf der Schwelle und winkt mir näher zu kommen. Er führt mich durch einige Zimmer und endlich in ein kleines rundes Gemach, ganz sonderbar eingerichtet, kein Fenster ringsum, aber die Zimmerdecke aus buntem Glas' und an den Wänden lauter rotsammtne Divans. In der Mitte stand ein Tischchen mit Leckereien und Wein, der für zwei Personen gedeckt war. Hoheit bat mich, Platz zu nehmen, doch ich erwiderte, ich wisse wohl, dass das .■sich nicht schicke. Ich blieb also stehen und fragte, ob ich־■ meine drei Wünsche sagen dürfe. Als ich dazu Erlaubnis* erhielt, bat ich, wie ich schon sagte, und Hoheit gewährte Alles huldreichst. Darauf dankte ich und wollte gehen, aber Hoheit wollte nicht, dass ich in die strömende Nacht hinausgehe• und hiess mich den Regen ab warten,, der ■lustig auf der bunten Glasdecke des Zimmers niederprasselte. Zu gleicher Zeit befahl er mir, ihm etwas von meinen Angelegenheiten zu erzählen. Ich erzählte ׳denn auch.'dass ich meine gute Mutter so früh verloren und nicht verschmerzen kann, dass ich bei Onkel und Tante Veitei in Goldberg erzogen bin, weil Vater so oft verreisen und mich doch in guten Händen lassen musste, und «lass ihr Sohn Abraham der Doctör Veitel ist, dem er gnädigst die Operation gestattet und dass ich mit dem Doctor Abi rerlobt. bin.44 Graf Bülow’s Gesicht hatte sich längst aufgeklärt. Er trat einen Schritt näher und sah mit freundliehen! Lächeln in das freie, offene, vergnügte Gesicht der schönen Dina. So sieht das Schuldbewusstsein nicht aus, sagte ihm sein Herz. (Schluss lölgt׳

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.