Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 53 (31.12.1897)
- Date
- 1897-12-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Ueut«ühlamd“ zum Ausdruck gelangt, in dem der Referent, Herr Rttbbfner Dr. Vogelstein-Stettin, unter den Aufgaben des Verbanden die Pflege der Geschichte und Literatur, die Errichtung von Vereinen und ihre Förderung nachdrücklich hervorhob. Aber es sei ein anderes, ein Ziel als erstrebenswert zu bezeichnen, ein anderes, an seiner Ver- Verwirklichung fchätig arbeiten. Letztere hätte die Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Angriff genommen und damit ein hervorragendes Verdienst sich erworben. Sie bilden einen bedeutenden Markstein in der Geschichte des gegenwärtigen Judentums. Jede Zeit schafft sich durch die Gnade der Vorsehung die geeigneten Mittel was früher das sogen. ״Lernen“, die Erforschung der Thora angestrebt, geschehe heute erweitert in den Geschichts- Vereinen, aber nur formell sei es heute anders. Mit warmen Segensworten für die Begründer, die Führer und Leiter des Verbandes, für die Versammlung und ihre Beratungen schloss Redner seine eindrucksvollen Ausführungen. Herr Syndikus Dr. Minden, welcher Namens des Ausschusses des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes das Wort nahm, erinnerte daran, dass der Bund bereits vor zehn Jahren die ״historische Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland“ eingesetzt habe, welche aber den Erwartungen, die ein Teil der deutschen Judenheit darin gesetzt, nicht ganz entsprach, weil ihre Thätigkeit zu hoch war, ihre Arbeiten der Laienwelt nichts zu bieten vermochten. In diese Lücke seien die Geschichtsvereine getreten. Die jüdische Geschichte und Literatur hätten den Vorzug vor anderen, dass sie mit der biblischen Zeit nicht aufhören, sondern bis in die Gegenwart hineinreichen. Es sei oine neiden»werte Aufgabe der Vereine, die Kenntnis unserer Vergangenheit und unseres Schrifttums den Laien zu vermittein, wissenschaftliche Tiefe mit populärer Klarheit zu verbinden, und diesem schönen Streben wünsche auch der D. I. G. B. volles Gelingen. Herr Dr. Karpeles dankt den Rednern für ihre herzliehen Worte und fordert zur Wahl des Bureaus auf. Dasselbe, durch Zuruf gewählt, setzt sich folgendermassen zusammen: Dr. Gustav Karpeles erster, Prof. Dr. Horwitz Thora zweiter Vorsitzender, Dr. Eng. Merzbacher-München erster, Hähnlein-Bochum zweiter Schriftführer. Zunächst erstattet Herr Dr. Karpeles den Bericht des geschäftsführenden Ausschusses. Der Verband wurde am 24. Dezember 1893 mit 29 Vereinen begründet. Heute sind es 81, welche sich fast über alle Teile Deutschlands erstrecken. Im Jahre 1891 bestanden nur drei Vereine, die Ausbreitung von Memel bis Metz sei sicherlich ein Verdienst des Verbandes. Die Vereine haben auch in den religiös zerklüfteten Gemeinden die Einigung hergestellt und gefördert, in einzelnen überhaupt erst einen Zusammenhang unter den Mitgliedern herbeigeführt. Allerdings haften dem jungen Werke noch Mängel an, deren Beseitigung eben der Verbandstag erreichen soll. Die sehr knappen Mittel haben eine nur sehr bescheidene Thätigkeit ermöglicht. Heber 50 Schriften seien dem Verein zugestellt, über 1000 Briefe mit Auskünften über Vortrags-Material etc. geschrieben worden. Von den 81 Vereinen habe kaum einer nicht den Rat und die Mitwirkung des Verbandes angerufen. Der Verband sei jetzt mit der Verwirfelichung des Zwecks gemeinsamer Publikation durch Herausgabe eines ״Jahrbuchs der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur“ beschäftigt, das bereits 4000 Bestellungen aus den Vereinen aufweisen kann in den nächsten Wochen erscheinen wird und, wie die Namen der Mitarbeiter beweisen, als eine hervorragende Leistung des Verbandes zu bezeichnen sei. Redner schildert die Schwierigkeiten, die der Begründung von Vereinen, leider auch von denjenigen, die am ehesten berufen und verpflichtet sind, sie zu fördern, entgegengestellt werden, dann die Schwierigkeiten, die Vereine in kleinen Gemeinden lebensfähig zu erhalten. Letzteren müsse vor allem geholfen werden und werde durch Errichtung eines Fonds zur Aussendung von Wanderrednern am wirksamsten geschehen, welche deshalb seitens des Berliner Vereins beantragt werde. Redner empfiehlt die Errichtung von Vereins- Bibliotheken und Lesehallen und vor allem von Fortbildungskursen, welche sich hier in Berlin und anderwärts als sehr segensreich erwiesen haben. Hauptaufgabe sei die Belehrung, deshalb müssen auch die Vorträge viel populärer gehalten, und das Schwergewicht der Arbeit in die Diskussions-Abende verlegt werden. Hierauf erstattet der Schatzmeister des Verbandes, Herr Kommerzienrat Julius Isaak, den Kassenbericht: Dem Verbände gehören 43 Vereine an, von denen aber nur 14 regelmässig ihre Jahresbeiträge geleistet. Redner giebt anheim, Vereine, die mehrere Jahre nicht gezahlt, auszuschliessen. Der Revisor, Herr W. Löwenthal, verliest das Revisions - Protokoll und beantragt Entlastung des Schatzmeisters, welche erteilt wird. Bö! der Wahl des Vorstandes werden die Herren Dr. Gustav Karpeles - Berlin, Dr. Hirsch Hildesheimer-Berlin , Kommerzienrat Julius Isaak - Berlin, Dr. Fink - Hamburg, Rabbiner Dr. Frank-Köln, Siegm. Freund-Dortmund, Emil L. Meyer-Hannover und Rabbiner Dr. Prager-Cassel wieder-, die Herren Docent Dr. Brann-Breslau und Prof. Dr. Horowitz-Thorn neugewählt. Hierauf wurde die Abänderung statutarischer Bestiminungen beschlossen. Nachdem noch einige Anträge seitens mehrerer dem Central -Verband angehörigen Vereine beraten und zum Beschluss erhoben worden, schloss der Vorsitzende die Versammlung. Nach dem Maariw-Gebet und dem Anzünden der Chanukah-Lichter vereinigte sich ein grosser Teil der Delegierten zu einem Festmahl, das der Vorsitzende des Fest-Comites, Herr San.-R. Dr. Jastrowitz, mit Worten herzlicher Begrüssung eröffnst«. Sodann entwickelte Herr Rah. Dr. Rosenthal-Pr. Stargard unter Ausdeutung der Meinung»- Verschiedenheit der Schule Schammais nnd Hillels über die Reihenfolge beim Entzünden der Chanuka-Lichter die Aufgaben der Geschichtsvereine, welche er hauptsächlich in der Pflege der Wissenschaft erblickt, um dann mit einem Trinksprach auf den Verbands-Vorstand zu schliessen. Herr Hähnlein-Bochum gab dem Wunsche eines Zusammenwirkens von Synagoge und Haus Ausdruck; Herr Dr. David feierte in schwungvoller Rede den edlen Geist und heiligen Eifer, der in den Vereinen walte; Herr Dr. Brann- Breslau widmete mit geistvollen Ausführungen den Gastgebem, den Vorstandsmitgliedern des Berliner Vereins, sein Glas; Herr Dr. Hirsch Hildesheimer sprach den auswärtigen Gästen den Dank der hiesigen Gleichstrebenden aus; Herr Rabbiner Dr. Blumenthal-Ratibor überbrachte die Grüsse und Glückwünsche seines Vereins und pries in begeisterten Worten die Begeisterung, welche zu entzünden und zu nähren, die Hauptaufgabe der der Pflege unserer Geschichte und Literatur gewidmeten Vereinigungen sei und bleiben müsse. Herr Gustav Levin stein widmete in formvollendeten Versen unter jubelnder Zustimmung aller Festteilnehmer dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Gustav Karpeles Lob und Anerkennung, worauf letzterer in tiefer Ergriffenheit seinen Dank aussprach und die Verdienste der Männer, welche zu Beginn des Werkes ihm ihre freudige Unterstützung geliehen, der Herren Kommerzienrat Julius Isaak, Dr. Hirsch Hildesheimer, W. Bambus und Albert Katz, rühmend hervorhob. Ein Festlied des Herrn Dr. H. Hirschberg trug im Verein mit der vortrefflichen Küche des Herrn Peltesohn und den ausgezeichneten Palästina-Weinen sehr wesentlich zur Erhöhung der Festes- Stimmung bei. Ihren würdigen Abschluss fanden die Veranstaltungen in der seitens des Berliner Vereins den Delegierten gewidmeten Chanukah-Feier, über deren würdigen Verlauf wir in nächster Nummer ausführlich berichten werden. Für den 68jährigen Talmudisten gingen noch ein: von Herrn S. P. Seligsohn Mk. 5,—, Frau Matiwek, Mk. 10,—, P. A. Mk. 2, , F. K., Angermünderstr 2, Mk. 3,—, Ungenannt Mk. 10,—, Goldberg, Lottumsfcr. Mk. 4,—, A., Genfcinerstr, Mk. 5,—Dr. Israel, .Terusalemersfcr. 23, Mk. 5,—. Eug. Schlesinger Mk. 2—. N. N. Insterburg Mk. 0,60. Zusammen Mk. 55,90. Allen edlen Spendern im Namen des Bittstellers herzinnigen Dank. Die Expedition.