Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 51 (17.12.1897)
- Date
- 1897-12-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Wiesner, auf dem Podium bleibend, wurde von Anhängern Wenggs thätlich angegriffen und musste sich unter den Schutz des Polizei - Kommissars, der sich zum Einschreiten bereit machte, begeben. Ahlwardt begann zu reden und beklagte, dass Wiesner, der ein guter Antisemit und lauterer Charakter sei, sich von Leuten habe verführen lassen, die durch Judengeld (!) bestochen seien. Dann ergriff Wengg das Wort. Sein Gesicht war gerötet. Er bebte vor Erregung. Mit pathetischen Worten wies er auf die von ihm gebrachten Opfer hin, ging mit schärfsten Ausdrücken gegen einseine Intriguanten vor und zieh schliesslich, insbesondere den Rechtsanwalt Schielein, Oberexpeditor a. D. Scheidler und einen gewissen Schaubeck der Verleumdung. Er forderte die drei Genannten auf, gegen ihn klagbar zu werden, ״Thun sie das nicht, dann sind sie gerichtet, thun sie es, dann werden sie gerichtet.“ Dann schloss Wengg die Versammlung. Ein gerichtliches Nachspiel dürfte unvermeidlich sein. Wien. Der Abgeordnete Pernerstorfer hat eine Enquete über die Petroleum- und Erdöl-Industrie in Galizien veranstaltet, deren Ergebnisse er im letzten Heft seiner ״Deutschen Warte“ mitteilt. Bei Charakterisierung der Arbeiter schreibt er: ״Eine andere Gruppe besteht aus ebenso zerlumpten polnischen Juden, nur kenntlich an dem verwahrlosten Bart und den Locken. Sie sind besser entlohnte Arbeiter, müssen aber die schwerste Arbeit, das Steinetragen besorgen. . . . Im Hinblick auf gewisse Zeitrichtungen ist es erwähnenswert, dass von der genannten Ziffer (7000—8000) wohl die Hälfte auf die Juden entfallt, die hier ebenso verzweifelt und hilflos ihr Los tragen, wie die christlichen ruthem’schen Arbeiter“. Und für welche Löhne arbeiten diese Aermsten! Es erhalten: Oberhäuer 60—80, Häuer 50—60, Steinträger 80—100, Klauberinnen 40, Kinder 10—15 Kreuzer pro Tag! Alle diese Löhne gelten für 16stündige Arbeitzeit, und bei diesem Hungerlohne erwerben die vielgeschmähten ״faulen galizischen Juden“ das Brot für ihr Familie. Prag. Der als fanatischer Agitator stadtbekannte Antisemitenführer Eduard Werich, der Hausbesitzer und Inhaber der Firma: Erste tschechisch-christliche Wäscheerzeugung, wurde verhaftet und sofort nach dem Verhör dem Strafgericht übergeben wegen Teilnahme an dem Bombardement auf das Palais Aehrenthal sowie wegen Aufreizung des Pöbels zur Plünderung und Brandstiftung. — Kinderbekleidung. Die Bester israelitische ßeligionsgemeinde hat bei Beginn der rauhen Jahreszeit die armen Zöglinge ihrer Schulen mit Winterkleidung versehen und zwar 261 Zöglinge der Knaben - Volks- und Bürgerschule 166 Zöglinge der Mädchen-Volks- und Bürgerschule. Ausserdem hat die israelitische Gemeinde 30 Zöglinge der israelitischen Lehrerpräparandie mit Kleidern versehen.