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Berliner Vereinsbote · 1897-12-03 · Heft 49 (3.12.1897) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 49 (3.12.1897)
Date
1897-12-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die beiden Erstgenannten waren der Körperverletzung, der letztere der Sachbeschädigung beschuldigt. Herr Witte spürte in einer Nacht gegen 1 Uhr noch das Bedürfnis, mit seinem Schwager einen Schoppen zu trinken und betrat zu diesem Zwecke ein auf ihrem Wege liegendes Bierlokal. In diesem schien lustige Gesellschaft beisammen zu sein, denn als die späten Gäste eintraten, wurde ihnen von allen Seiten zugeprostet und der Witt von einem Gaste mit der Frage angeulkt: rob er etwa Jude sei?u Dies ist nun nicht der Fall, Herr W. glaubte aber, dem Frager keine Rechenschaft schuldig zu sein und antwortete deshalb mit dem etwas orakalhaften Satze: ״manchmal ja, manchmal aber auch noch mehr!“ Andere Gäste sprangen hinzu, die beiden waren im Nu umringt, aus dem Hintergrund ertönte es: ״Juden raus“ und ״Ahlwardt hoch!“ und die nicht mehr genügende Kraft besitzenden Argumente der streitenden Parteien wurden durch erhobene Biergläser verstärkt, wobei absichtlich oder ’unabsichtlich, Herr W. mit Bier begossen wurde. Die Wogen der Erregung gingen darauf aufs neue in die Höhe. Plötzlich schien sich der Spuk von Resau zu wiederholen, von unsichtbarer Hand getrieben schwirrten Bierseidel durch die Luft und nahmen ihren Weg in der Richtung nach den beiden Bedrohten. Herr W. wurde auch zweimal getroffen und durch einen solchen Wurf an der Backe verletzt, so dass das Blut hervorquoll. Damit nicht genug, er wurde gepackt und gewaltsam aus dem Saale entfernt. Da er seinen Schwager in Gefahr glaubte, wollte er wieder hineindringen und als ihm dies nicht gelang, soll er aus Wut die Scheibe einer Glasthür mit seinem Stock zertrümmert haben. Der Staatsanwalt meinte, dass dem Witte in der That sehr übel mitgespielt worden sei und sprach die Hoffnung aus, das die beiden ersten An geklagten als gebildete Menschen Scham über ihr Verhalten an jenem Abend empfinden würden. Es sei festgestellt, das Stephan mit einem von ihm geworfenen Bierseidel die Verletzug des Witte verursacht habe. Letzterer sei daher nur wegen Werfens von harten Gegenständen auf Menschen mit 20 Mark Geldstrafe zu bestrafen. Gegen Stephan beantragte er, lediglich damit seine-Karriere nicht ganz verdorben werde, keine Gefängnisstrafe, sondern nur eine Geldstrafe von 100 Mk., gegen Witte, der sich von der begreifliehen Wut habe hinreissen lassen, 20 Mark Geldstrafe. — Der Gerichtshof entsprach bezüglich des Stephan dem Antrage des Staatsanwalts, indem er auf 100 Mark Geldstrafe erkannte, bezüglich der Angeklagten Encke und Witte hielt er eine Geldstrafe von je 10 Mark für ausreichend. — Die Missionszeitschrift ״Dibre Emeth“ bringt wieder einmal Mitteilungen aus der Thätigkeit der Londoner Judenmission, die nicht uninteressant sind. Den 192 Personen, welche in ihrem Dienste stehen, gelang es, im Ganzen im Jahre 1896 nur 68 Juden zur Taufe zu bringen, und zwar 31 in Warschau, 19 in Jerusalem, 12 in Bristol, 6 in London. Wie man sieht, war die Ernte im vorigen Jahr gering, drei Missionare waren nötig, um einen Juden zur Taufe za überreden! Dagegen soll das Taufgeschäft in Abessinien bei den Falaschas besser gehen, auch aus Sibirien sollen sich viele Juden zur Taufe auf brieflichem Wege erboten haben, offenbar, um dadurch das Aufenthaltsrecht zu erwerben. Vereinsschau. rorts*n!von Mit einer gewissen Spannung hat man die Beantwortung der Frage: ״Liebt es altjüdische oder nationaljüdische Melodien?“ aus dem Munde eines unserer hervorragendsten Musikkenner, des Herrn Prof. Dr. Breslaui• erwartet. Wie gross das Interresse seitens des Publikums, nicht nur des jüdischen, ist, beweist das aussergewohnliche zahlreiche Auditorium, das dem Vortrage des Herrn Prof. Di. Breslaur im Saale der Kgl. Hochschule am 25. v. Mts. mit gespannter Aufmerksamkeit folgte. Der Vortrag war, besonders durch die erläuternden musikalischen Vorführungen in vorzüglicher Ausführung, hochinteressant und ein beredtes Zeugnis für den Bienenfleis und die volle Hingabe, womit der Vortragende sich der Aufgabe unterzog. Herr Prof. Dr. Breslaur beantwortet die Frage im vereinenden Sinne; er ist vielmehr der Ansicht, dass unsere Melodien slavischen und ungarischen Motiven und Einflüssen ihre Existenz verdanken, was er durch die Vorführungen und durch Citierung zahlreicher Aussprüche von Gelehrten, die sich mit dieser Frage eingehend beschäftigt haben, zu beweisen suchte. Sowohl die Chorgesänge, meisterhaft ausgeführt von dem Chor der Reformgemeinde, als auch die Sologesänge der Frau Koroatis, Frl. Louise Reimann, der Herren Franz Rosenthal und Kantor Nathan fanden, wie der Vortrag überhaupt ungeteilten Beifall. Wie wir hören, wird der Vortrag im Druck erscheinen, was gewiss vieler Wunsche entsprechen wird. Für den greisen Tahnudisten gingen bis heute ein: von Herrn J. Bosenberg jr., Heiligegeiststr. 38, Mk. 5,—, Herrn Heinr. Ferester Mk. 3,— und 2 Rockanzüge, Herr Isidor Ferester Mk. 2,—, J. H. Mk. 2,—, J. Cohn, Mendelsohnstr. Mk. 1.—. Ad. Cohn, Schillings«•. 29 Mk. 1,—. J. Rothholz Marsiliusstr. 13 Mk. 1,—. TV. 8. Mk. 5,—, Motte Mk. 1,—, 8. 8. 86 Mk. 10—, Herr M. Koplonitz Handels«, ll Mk. 5,—, Frau Wolff Mk. 1,—, Frau Wiener Mk. 3.—, Ad. Wiener Markgrafenstr. 30 Mk. 5,—, R. B. Mk. 3,—• Ina ganzen in bar Mk. 45,—. Innigen Dank im Hainen des Bittstellers, mit der Bitte um weitere Gaben. Die Expedition.

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