Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1897)
- Date
- 1897-11-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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OberhemdenReparaturwerkstatt. *״« Sch».haus8rs1r. 40. Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfgr- Neuanfertig־. z. billigst. Preisen. Abholung frei. Fache überging, weil er keine Stellung in seinem Gewerbe finden konnte. Er ist nun V,2 Jahr als Weinküfer thätig zur vollsten Zufriedenheit. Jüngst wurde uns eine Dame zugesandt, die den Beruf als Krankenpflegerin ergriffen hatte, bei der ersten Operation, der sie bmwohnte, aber in Ohnmacht fiel und daher eine andere Thätigkeit ergreifen wollte. Wir konnten sie als Wirtschafterin bei einem Witwer mit mehreren Kindern unterbringen, der voll des Lobes über ihr Schalten und Walten in seinem Hause ist. Vor einiger Zeit kam ein Droschkenkutscher erster Klasse in unser Büreau und deklarierte sich als Buchhalter ersten Ranges, der viele Monate als solcher keine Stellung finden konnte, und daher, um nicht zu verhungern. Rosselenker geworden. Es gelang uns, ihn seinem Beruf wieder zuzuführen und in eine geeignete Stellung zu bringen. Mögen diese wenigen Beispiele genügen. Es wird Ihnen durch dieselben ein Bild der Thätigkeit geworden sein, wie sie ausgeübt werden muss, und man wird sagtm müssen, dass da.״ Resultat des ersten Jahres ein recht hefriedigendes ist: die Unterbringung von tibi Leuten. Dem gegenüber aber stehen 2500־ Personen, welche sich während desselben Jahres als Stellungsuchende bei uns meldeten, und da ist allerdings die Zahl der untergebrachten Personen noch gering, und wir werden weiter auf Mittel und Wege sinnen müssen, um Abhilfe zu schaffen. Es würde zu weit führen, wenn ich Ihnen über die Art und Weise der Thätigkeit. wie sie bei uns ausgeübt wird, ein erschöpfendes Bild gäbe, und ich möchte jeden sich dafür Interessierenden bitten, sich in den Vormittagsstunden von '•*—11 Uhr in unser Vereinsbüreau, Klosterstrasse 44, zu bemühen und sich einige Zeit daseblst aufzuhalten. In erster Reihe wird hier jeder einzelne Charakter, Fähigkeit und Lebenslauf geprüft, dann werden von den Büreaubeamten die nötigen Erkundigungen eingezogen, denn nur denjenigen, über welche günstige Auskunft eingeht, wird unsere Empfehlung zuteil. Unmöglich kann über die Notwendigkeit eines Vereins für Arbeitsnachweis ein Zweifel bestehen, denn täglich kommen befähigte Arbeitsfreudige mit besten Zeugnissen versehen, die trotzdem monatelang ohne Stellung sind, weil es ihnen an Kenntnis von Vakanzen oder Protektion mangölte; nun sie unser Büreau aufsuchten, konnten wir schon nach wenigen Tagen helfen. Wie oft erfahren wir, dass Prinzipale nur Leute christlicher Confessio» engagieren wollen, bis es unserer intensiven Fürsprache gelingt, bei Vakanzen nur Glaubensgenossen unterzubringen. Und war durch die Tüchtigkeit der eingestellten Juden erst der Beweis geliefert von dem Irrwahn dieser Anschauung, dann war Bahn gebrochen, und die Ueberzeugung greift Platz, dass es unseren Glaubensgenossen an Intelligenz und Pflichteifer keiner zuvorthut. Weit schwerer ist es, denen Arbeit zu verschaffen, welche bereits Schiffbruch gelitten haben, die an irgend einem Orte Deutschlands etabliert waren und dann mittelles nach Berlin mit Familie kamen, um sich hier wieder emporzuarbeiten. Nachdem sie hier monatelang, manchmal Jahre lang vergeblich gerungen, finden sie endlich ihren Weg zu uns. Aber auch in solchen Fällen kann sich der Verein oft bewähren, indem es ihm gelingt, den Fähigkeiten des Betreffenden entsprechende Thätigkeit zu schaffen, wenn auch nur mit meist sehr geringem Verdienste. Oft ist unser Rat von grossem Einfluss für die Errichtung einer neuen Existenz. Unser Verein aber muss auch häufig erziehlich wirken, und oft werden Ermahnungen und Belehrungen gegeben, das Pflichtgefühl angeregt etc. Im allgemeinen aber haben wir gefunden, dass der Jude gerne arbeitet und alle entgegengesetzten Behauptungen Lüge sind. Ganz besondere Sorgfalt wird von uns dem Lehrlingswesen gewidmet, denn hier muss ja zuvörderst der Hebel augelegt werden, eine tüchtige und brauchbare Generation zu erziehen. Wir prüfen zuvörderst, wozu sich der Botreffende besonders eignet, oft geschieht dies durch unser» Vereinsarzt. Dann wird dem unter׳gebrachten Lehrling ein Pfleger bestellt, der dauernd Aufsicht über denselben übt. Die Anerkenntnisse für unsere Institution fangen aber jetzt erst an Platz zu greifen, nicht allein bei Glaubensgenossen, denn wir haben viele Arbeitgeber christlicher Confessio», die auch ihren Vorteil finden Juden in Stellung zu nehmen. Ja, wir machen oft die Erfahrung, dass das Vorurteil gegen unsere Glaubensgenossen bei jüdischen Arbeitgebern mehr vorhanden als bei jenen. Hier könnte von der Allgemeinheit viel Besserndes geschehen und Iritümer aufgeklärt wie auch Wändelung erzielt werden. Wir sollten aber die Ausstellungen, welche gegen unsere Glaubensgenossen gemacht werden, nicht nur anhören, sondern jeder für seinen Teil dahin wirken, dass der Jude seine Kinder praktisch, für den Lebenslauf befähigt. , Dann aber ist es eines Juden Pflicht, sieh an unseren { Bestrebungen zu hethätigen. sie immer weiter ausbauen zu i helfen, denn wir stehen erst am Anfang der uns gestellten Aufgaben. Zuvörderst werden wir zur besonderen Fürsorge der sich bei uns meldenden weiblichen Personen ein Damen-Comite bilden, aus Vorstandsdamen jüdischer Frauenvereine bestehend, und so eine Wechselwirkung herbeiführen, die heilsam sein wird, wenn es uns gelingt, Damen zu gewinnen, die sich unseren Bestrebungen Verständnisinnig mit echtem, warmen Herzen widmen, die Mühe und Zeit nicht sparen, ihren Einfluss geltend zu machen. Wir werden uns daun mit Aufgaben zu beschäftigen haben, in denen uns andere Städte durch die Bnai-Bris- Logen voran gegangen sind, wie z. B. Frankfurt a. M.. Hambürg, Mannheim, Cöln etc. Es sind dies Arbeitsstätten, damit diejenigen von uns Beschäftigung finden, welchen wir Stellungen zu verschaffen ausser Stande sind. Wir würden für Berlin in erster Reihe die Einrichtung einer Schreibstube ins Auge fassen. Leicht würde man uns Tausende, ja Millionen von Couverts zum Schreiben übertragen, die Versendung von Avisen, Programmen, Einladungen, Incassos von Vereinsbeiträgen, Translationen, Musteraufnahmen, sowie viele andere sofort zu erlernende Handarbeiten. Und vieles andere, wodurch wir eine grössere Anzahl arbeitsloser Familienväter, die sonst der Armenpflege anheimfielen, Brot zu verdienen geben könnten. Das Nachweisen von Bücherabschlüssen, Unterrichtsstunden, Nachtwachen, Minjanleuten, Aushilfen etc. gehört auch dazu. Erst später müsste man daran gehen, wie es der ״Bnai- Briss-Frauenverein Caritas״ der Frankfurt-Loge so erfolgreich gethan, Subventionen zur Errichtung von Handwerksstuben an ehrenwerte Handwerkergesellen zu geben und ihnen für die erste Zeit, wo sie noch keine Kundschaft haben, Arbeit zu verschaffen. Zu gleicher Zeit müsste es angeregt werden, dass sich in den grösseren Orten Deutschlands, woselbst viele Israe• liten wohnen, je nach den örtlichen Verhältnissen wirkende . Vereine für Arbeitsnachweis ins Leben gerufen werden wie dies z. B. in München seitens der Bnai-Briss-Loge gegenwärtig geschieht. Die Krönung dieser Werke wird endlich in einem Centralverein aller •jüdischen Arbeitsnachweis - Vereine in Deutschland erfolgen müssen, durch welchen eine Verraittlung von einem Orte zum anderen erfolgen würde, so, dass von da, wo Arbeitskräfte brach liegen, solche gesandt werden, an die Orte, wo solche begehrt werden. Doch bis dabin hat es noch seinen langen Weg und es wird zur Zeit die Frage sein, ob diese Thätigkeit freiwilliger Liebesarbeit nicht doch zu viel ist, ob sie nicht Pflicht sei ausgeübt zu werden, offiziell von den jüdischen