Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1897)
- Date
- 1897-11-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Oberhemden Reparatur Werkstatt, *»**»—«««■■ *0■ H&lspriesen 20, Paar Bandpriesen 25, Leinen-Einnatz dl Einsetzen 50 Ffg- Weuanfertig־. z. billig-at. Preisen. Abholung frei. mit der Devise, seinen Mitgliedern Pflege zu gewähren in den Tagen der Krankheit, Hilfe in der Not, Beistand und Fürsorge für Hinterbliebene. Heute zählt der Verein circa 800 Mitglieder; wie er bis auf den heutigen Tag den Zielen nachgeeifert, die er sich gesetzt, wie viel Thränen er getrocknet, wie viel Seufzer er gestillt, wie viel Hot er beseitigt, wie viel Elend er Trost und Hülfe gebracht, wer könnte es ermessen, wer könnte Worte des Dankes finden für all die Liebe und Milde, die Mildthätigkeit und Barmherzigkeit, die im Verlaufe von einem Vierteljahrhundert Ungezählten der Mühseligen und Beladenen zu gute gekommen ist? Sichtbar hat an dieser Vereinigung edler Menschen, treuer Juden, der Segen des Höchsten sich bewährt, indem er Gedeihen und Förderung sandte dem Werke menschlicher Hände. Jede Vereinigung, die begründet wurde im Namen Gottes, zur Verherrlichung Gottes, wird Bestand haben, lautet ein Wort unserer alten Weisen. Im Dienste Gottes stehen, das heisst im Judentum im Dienste der Menschheit stehen, Verherrlichung des göttlichen Namens, darunter versteht das Judentum all’ die mannigfaltigen Liebesdienste und Betätigungen menschlicher Pflichten denen gegenüber, denen der Tisch des Lebens allzu kärglich gedeckt ist. In diesem Sinne hat der Verein ״Gewul Tauw“ seine Pflichten aufgefasst und betätigt. Von 10 Mitgliedern auf 800, das ist eine Leistung, würdig des höchsten Lobes und der höchsten Anerkennung! Nächst Gott und der Gnade des Allmächtigen fällt das Verdienst, an der Schaffung dieses Segens beteiligt zu sein, allen denjenigen zu, welche in treuer unermüdlicher Arbeit seit Jahrzehnten dem Verein ihre Kräfte gewidmet haben. Nur noch 3 Männer von den 10, welche damals den Verein ins Dasein riefen, weilen noch im Lande der Lebenden, es sind dies die Herren L. Aronsohn, A. Simonetti und L. Cohn. Der erste Vorsitzende war Herr A. Fabisch, sein Stellvertreter A. Herbst. Beide erfreuen sich im Jenseits an dem Anblick des Guten, das sie hienieden gewirkt, und von ihren Werken ausgeht fort und fort. Nach dem Abscheiden des Herrn Fabisch trat am 4. Oktober 1886 Herr Gustav Michaelis an die Spitze des Vereins, dem er noch heute vorsteht. Herrn Michaelis ist es vergönnt gewesen, das Erbe seines Vorgängers zu vorgrossem und zu vermehren nach jeder Richtung hin, dem Verein Anregungen’ zu geben, seine Ziele weiter auszubauen und in jeder erdenklichen Art und Weise die Segnun gen des Vereines auszubreiten nach allen Seiten hin. Sein eifriges, uneigennütziges, heil- und nutzbringendes Wirken wurde vom Verein dankbar anerkannt u. a. auch dadurch, dass Herrn Michaelis an seinem silbernen Hochzeitstage die Ehrenmitgliedschaft des Vereins verliehen wurde. Gleichzeitig wurde eine Stiftung begründet, die den Namen des Herrn Michaelis trägt, und so Gott will den Namen dieses edlen Mannes in leuchtenden Lettern der Zukunft überliefern wird. Ehrenmitglieder des Vereins sind ausserdem Herr Rabbiner Dr. Blumenthal in Ratibor, E. Blumenthal, Albert Graetz, Dr. Nascher, ehemals Rabbiner der Gemeinde Schochare Hatob. Neben Herrn Michaelis wirken noch gegenwärtig im Vorstand die Herren B. J. Levy, Leonor Krön er, G. Friedländer. L. Cohn, J. Köttner, Ludwig Ries, A. Samolewitz und Justin Bloch. Als Vereinsärzte fingieren Dr. J. Loewenstein und Dr. Emil Samter. Auf 25 Jahre einer unermüdlichen, schaffensbegeisterten, mit Segen und Erfolg gekrönten, von Dank und Anerkennung begleiteten Thätigkeit im Dienste des Judentums blickt der Verein ״Gewul Tauwu zurück. Gott segne sein Wirken, wie er es gesegnet bis auf den heutigen Tag, sagen alle die Männer und Frauen, die in ihm und durch ihn liebevoller Fürsorge sich geweiht, und lasse sie reichliehen Lohn und Segen finden in dem erhebenden Bewusstsein, zu allen Zeiten und bis auf den heutigen Tag das Gute und Edle erstrebt, das Gute und Edle erreicht zu haben! Aus der Gemeinde. Unter den Einrichtungen, die von den hiesigen Gemeindebehörden getroffen werden, den religiösen Sinn der jüdischen Jugend zu beleben und die Angehörigkeit an den Glauben ihrer Väter zu erhöhen, ist die Veranstaltung des Jugendgottesdienstes an den hohen Feiertagen wohl die bedeutendste. Die tiefgehende Wirkung dieses Gottesdienstes auf die kindlichen Gemüter hat auch in den Referaten der sich mit dieser Angelegenheit beschäftigenden jüdischen Blätter die gebührende Anerkennung gefunden. Während aber die Ansprachen der Lehrer an die Kinder die geziemende Würdigung erfahren, ist nach unserem Dafürhalten dem musikalischen Teile nicht die Aufmerksamkeit geschenkt worden, die er doch im reichen Maasse verdient. Die einfachen, schlichten Weisen der Responsen und Lieder im Munde der Kinder klangen so weich und rührend; sie machten die Herzen empfänglich für das belehrende und erhebende Wort der Redner, und die durch sie erweckten Empfindungen und Gefühle fanden ihren Nachhall in den stimmungsvollen Melodieen der Gesänge. Ja, Herr William Wolf, der die Agende bearbeitet, hat es verstanden, das Gemüt der Kinder mit Sammlung, ihre Seelen mit Andacht zu erfüllen. Ihm fällt unstreitig ein grosser, wenn nicht der grösste Anteil an dem schönen Erfolge dieses Gottesdienstes zu. Sehr wünschenswert erscheint es, dass die Kinder schon früher mit dem Inhalte der Agende, besonders aber mit den Gesängen vertraut gemacht würden. Es wäre dies wohl in der Weise zu erreichen, dass in den Schulanstalten der Gemeinde und Religionsschulen etwa in der Zeit von dem Wiederbeginn des Unterrichtes nach den Sommerferien bis zum Eintritt der hohen Feste einige diesem Zwecke dienenden Gesangsstunden erteilt würden. Herr William Wolf würde sich dieser Aufgabe gewiss mit dem ihm eigenen freudigen Eifer gern unterziehen, und ein noch weit schönerer Erfolg würde der Lohn dieser Mühe sein. G. J. — — Durch die Presse gehen seit einiger Zeit allerhand Notizen und Gerüchte, welche das Judentum bezw. seine gesetzliche Stellung betreffen. Uebereinstimmend wird mitgeteilt, dass man im preussischen Ministerium an einer Revidierung des Gesetzes vom Jahre 1847 betreffend die jüdischen Kultus-Gemeinden heranzutreten beabsichtige. Namentlich solle die Stellung der Rabbiner und Lehrer auf gesetzlichem Wege eine Umgestaltung erfahren. Selbstverständlich ist es zur Zeit unmöglich, alle diese unkontrolierbaren Auslassungen auf ihre Richtigkeit oder Unrichtigkeit hin zu untersuchen. Vor allen Dingen ist es, bevor man die Pläne der Regierung in ihren Einzelheiten noch nicht kennt, vollständig unmöglich zu entscheiden, ob eine ״Verstaatlichung des Judentums“ geplant wird oder nicht. Ultraliberale wie ultrakonservative und antisemitische Organe haben sich bereits je nach ihrem Standpunkt mit dieser Angelegenheit befasst. Merkwürdigerweise berühren sich diese sonst so feindlich gegenüberstehenden Parteien in ihrer Abneigung, dem Judentum neben den anderen in Preussen vorhandenen Confessionen in Zukunft eine würdigere Stellung zu gewähren. Dass ״Volk“, ״Finanz- Zeitung“, ״Reichsbote“, ״Staatsbürger-Zeitung“ und das ganze übrige reaktionärjunkerlich - konservativ - agrarischantisemitische Gelichter ganze Kübel von Spülicht über das Judentum bei dieser Gelegenheit wieder einmal ausgiessen, ist weiter nicht auffallend. Dass dabei ein Sammelsurium von Ignoranz, Uebelwollen, Unsinn und Blödsinn herauskommt, ist ebenso selbstverständlich. Wir behalten uns