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Berliner Vereinsbote · 1897-10-22 · Heft 43 (22.10.1897) · page 4

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 43 (22.10.1897)
Date
1897-10-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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OhorhemdflnBBParal.11rWerhsta.il■ Aiie schüni.a.s.rst!■. 40. Halspriesen 20, Paar Handpriesen 25, :Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg*. Neuanfertig־. z. billigst. Preisen. Abholung* frei. weiter als ausgetragene Verrücktheiten sind, brauchen wir wohl nicht erst ausdrücklich zu sagen. Eine Solidarität des Judentums im bösen Sinne des Wortes giebt es nicht. Im guten und heilsamen Sinne des Wortes und in Wahrnehmung berechtigter Interessen des Judentums wäre eine solche Solidarität, ein solches Zusammengehörigkeitsgefühl wohl zu wünschen und recht am Platze. Leider ist auch in diesem Falle sehr wenig davon zu spüren. Es giebt vielleicht auf der ganzen weiten Erde keine Gemeinschaft, die in so vielen Richtungen auseinandergelit, die in sich so zerrissen, zerspalten und zersplittert, so wenig einig in ihren Bestrebungen und Zielen ist wie gerade die jüdische. Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten im Judenturne und unter den Juden geändert, nicht immer zu seiuem bezw. ihrem Glück und Vorteil, die sozialen Verhältnisse, die Erschwerungen des Geschäfts und Erwerbes, das Auftreten und Anwachsen der antisemitischen Bewegung, und noch manche andere Ursachen haben einen Zustand hervorgerufen, der als ein natürlicher und gesunder nicht bezeichnet werden kann. Von Jahr zu Jahr sich steigernd mehrt sich das Zusammenströmen der jüdischen Bevölkerung in wenige grossstädtische Centren, die Gemeinden in den Provinzen veröden immer mehr und haben immer grössere Schwierigkeiten, um ihre Verpflichtungen als jüdische Gemeinden zu erfüllen. Als Folge dieses eingetretenen Zustandes macht sich hüben wie drüben immer mehr die Schwierigkeit geltend, in seinem erlernten Berufe sein Auskommen zu finden. Immer mehr Juden können sich diesen Zuständen gegenüber nur noch mit grosser Mühe oder gar nicht mehr über Wasser halten, sie sinken ins Proletariat hinab, und der Armenetat vieler jüdischen Gemeinden schwillt zu einer geradezu erschreckenden Höhe an. Das ist der von uneren Feinden so oft herangezogene jüdische Reichtum! Man sollte meinen, dass in solch schwerer Zeit, unter solch ungünstigen Verhältnissen, wo Feinde und Bedränger von allen Seiten her auf das Judentum und die Juden einstürmen, wo Indifferentismus und Unwissenheit in bedauerlieh grossem Maasse sich breit machen, wir Juden alle Veranlassung hätten uns fest aneinander zu schliessen, um in wohlgefügten Organisationen den Stürmen der Zeit gegenüber widerstandsfähig zu sein und zu bleiben. Vielfach ist ja diese Einsicht auch vorhanden, und die grosse Anzahl jüdischer Vereine mit allen erdenklichen Zwecken, Zielen und Bestrebungen belehrt uns, dass man die Parole des Zusammenschlusses aller Kräfte in ihrer Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit wohl erkannt hat. Da giebt es Vereine, die Armenunterstützung, Krankenpflege, Ausstattung von Bräuten n. 8. w., zum Ziele haben, wieder andere, die dem Antisemitismus gegenüber zur Selbstverteidigung, zu Schutz und Trutz gegründet wurden, wieder andere, in denen Geschichte, Literatur und Wissenschaft des Judentums Heimstätte uud Pflege finden, noch andere, die der Pflege edler Geselligkeit gewidmet sind und dergleichen mehr. Alle diese Vereine sind notwendig und berechtigt, sie alle wirken nutzbringend und segensreich in ihrer Weise und in ihrem Kreise, sie alle zielen dahin, das berechtigte Gefühl der jüdischen Gemeinsamkeit zu fördern und aufrecht zu erhalten. Zu warnen wäre nur vor einer unnötigen Zersplitterung der Kräfte, vor einer öden Vielgeschäftigkeit, vor Renommagesucht und Vereinsgründerei um jeden Preis. Und noch eines! Wer in einem jüdischen Verein ein Amt übernimmt, der übernimmt auch gleichzeitig eine schwere Verantwortlichkeit. Unter allen Umständen liegt in dem Amte eine Ehre, ob auch immer viel Vergnügen damit verbunden ist, dürfte hin und wieder zweifelhaft erscheinen. Es ist nicht unrichtig, wenn behauptet wird, der Jude neige nur allzusehr zur Skepsis und Zweifelsucht, zur Kritikasterei und Lust am Opponieren. Unsere Vorsitzenden und sonstigen Vorstandsmitglieder jüdischer Vereine wissen davon oft genug ein Lied zu singen. Rechthaberei, unnötiges Misstrauen, eigensinnige Versteifung auf vorhergefasste Meinungen u. 8. w. erschweren ihnen gar oft die Leitung der Geschäfte. An dieser Klippe ist schon manche tüchtige Kraft zerschellt, manches lebensfähige Unternehmen zu Grunde gegangen. Also etwas mehr Sinn für Ordnung und Disziplin, etwas mehr Selbstbeherrschung! Vereinsschau. Die ״Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner ZU Berlin“ hielt am 9. Oktober unter Vorsitz des Herrn Rektors Dr. Adler eine wissenschaftliche Sitzung ab. Nach Aufnahme eines neuen Mitgliedes und Erledigung geschäftlieber Angelegenheiten wurde die Discussion über den zweiten Teil der Thesen des Kollegen Auerbach begonnen. Dieselben betrafen die Frage der Parität oder Confessionalität der Volksschule und riefen eine umfangreiche Debatte hervor, aus der sich ergab, dass die Vereinigung dem Standpunkt des Referenten, der die confessionelle Einheitsschule forderte, nicht beitrete, trotzdem anerkannt wurde, dass unter den gegenwärtigen Umständen zur Sicherung der Existenz die jüdischen Volksschulen zu erhalten und die privaten in öffentliche zu verwandeln seien. Gerade aus dem Begriff der Einheitsschule heraus seien paritätische (interconfessionelle) Schulen zu fordern, und man müsse mit allen gesetzlichen Mitteln danach streben, die Erfüllung dieser Forderung herbeizuführen. Herr Flanter trat für die confessionelle Einheitsschule ein und stellte die Behauptung auf, dass die Simulantenschule an dem Niedergang des Judentums mit schuld sei. Diese Behauptung wurde mit Entschiedenheit zurückgewiesen und vielmehr darauf hingewiesen, dass dieser Niedergang hauptsächlich durch das Haus herbeigeführt werde. — Nach Schluss der Debatte zog der Referent seine Thesen zurück und die Versammlung nahm folgende Resolution an: 1. Die wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin tritt aus pädagogischen wie aus nationalen Gründen für die paritätische (interconfessionelle) Volksschule ein. 2. Die Vereinigung erklärt jedoch die jetzt bestehenden öffentlichen jüdischen Volksschulen für berechtigt, solange die schmerzlich einpfundene Zurücksetzung der jüdischen Lehrer andauert. 3. Die Vereinigung erstrebt nach wie vor mit allen gesetzliehen Mitteln die völlige Gleichstellung aller Lehrkräfte ohne Rücksicht auf den Glauben. Die Versammlung dankte dem Referenten, der durch die eingehende Besprechung seines Themas so reiche Anregungen geboten hatte, durch Erheben von den Plätzen. — Trotz der vorgeschrittenen Zeit blieb noch eine grössere Anzahl von Mitgliedern zu zwangloser Unterhaltung beisammen. Die nächste Sitzung der Versammlung findet am 30. d. M. statt; in derselben wird Herr Landesrabbiner Dr. Feilchenfeld-Schwerin einen Vortrag über das Thema: ״Die biblische Sprache in der Sprache der Schule״ halten. Der Vortrag beginnt pünktlich um 9 Uhr. Eine überaus reiche Thätigkeit verspricht der ״Verein für jüdische Geschichte und Literatur“ in der nun beginnenden Wintersaison, wie das soeben versandte reichhaltige Programm beweist. Mit dem Programm zugleich versendet der Verein nachstehenden Aufruf, den wir der wohlwollenden Beachtung der weitesten Kreise empfehlen. Der ״Verein für jüdische Geschichte und Litteratur״ in Berlin hat in den letzten Jahren einen grossen Auf■ schwung genommen; die Anzahl seiner Mitglieder beträgt

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