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Berliner Vereinsbote · 1897-10-01 · Heft 40 (1.10.1897) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 40 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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OberhemdenReparaturWerkstatt, Alte Scfc11a«!rstr. 40 Halspriesen 20, Paar Handpriesen 2ü, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg־. Neuanfertig. z. billiget Preisen. Abholung: frei. Kloster aufnehmen liess, und dass es sich augenblickb'ch in Wien bei den Barmherzigen Schwestern auf halten soll, meldet jetzt das 111״. W. Extrabl.“, das Mädchen sei, nach seinen eigenen Mitteilungen, im Alter von zwölf Jahren auf Wunsch der Mutter in das Raaber Kloster zur Erziehung gekommen und habe sich nach zwei Jahren, im Alter von vierzehn Jahren, mit Zustimmung der Mutter taufen lassen. Hierauf sei Ilona Schönhauser ins Marienskloster in Budapest eingetreten und als Barmherzige Schwester auf der Klinik im Rochusspitale thätig gewesen. Als aber später das Mädchen die Absicht aussprach, sich einkleiden zu lassen, widersetzte sich die Mutter der Absicht ihrer Tochter, indem sie ein Heiratsobjekt für sie hatte. Hierauf entfloh Ilona Schönhauser, zuerst nach Raab und dann im Februar dieses Jahres nach Wien zu den Barmherzigen Schwestern in die Humpen dorferstrasse. Das Mädchen ist nach seiner eigenen Aussage fest entschlossen, sich einkleiden zu lassen. Vor einigen Tagen habe sie ihrer Mutter von ihrem gegenwärtigen Aufenthalte brieflich Kenntnis gegeben. - Das klerikale Wiener ״Vaterland“ hat noch andere Informationen, nach denen sich die Sache so verhält, dass das Mädchen mit Einwilligung der Mutter im Kloster gewesen sei, sich habe taufen lassen und nach Wien gegangen sei, dass sie aber unterlassen habe, ihrer Mutter rechtzeitig die Adresse des Wiener Klosters mitzuteilen, was sie später über Auftrag der Oberin that. Es sei wohl möglich, dass die geängstigte Mutter in der Zwischenzeit die Intervention der Polizei in Anspruch genommen hat, um die Adresse, beziehungsweise den Aufenthalt ihres Kindes zu eruieren, aber notwendig sei diese polizeiliche Intervention umsoweniger gewesen, als das Mädchen seiner Mutter nicht nur die Adresse des Klosters, sondern auch die Absicht mitgeteilt habe, in den Orden der Barmherzigen Schwestern einzutreten, welche Absicht die Mutter billigte, indem sie hierzu schriftlich ihre Zusimmung gab. Ein Parteitag der Antisemiten der Provinz Brandenburg und Berlin wurde am Sonntag bi er selb st abgeb alten. An Stelle des ersten Vorsitzenden des Provinzialverbandes, Prof. Paul Förster, der mit seinem Austritt aus der Fraktion der deutsch-sozialen Reformpartei auch alle Aemter in der Partei niedergelegt hatte, wurde Rechtsanwalt Dr. Wohlfahrt-Rathenow gewählt, der für die Partei in Westpriegnitz kandidirt. Zum Parteitag in Nordhausen, der am 10. October Zusammentritt, wurde beschlossen, die Delegierten zu verpflichten, gegen die Um- Wandlung des Namens ״Deutsch-soziale Reformpartei“ in ״Deutsche Reformpartei“ zu stimmen. An den österreichisehen Reichsrats - Abgeordneten Wolff wurde aus Anlass seines Duells mit Baden i ein Sympathie-Telegramm ab gesandt. Meinungsaustausch. Sehr geehrter Herr Redakteur! Es ist allgemein bekannt, dass man sich in Berlin das ganze Jahr hindurch über Mangel an Raum in den Hotteshäusern nicht zu beklagen hat, abgesehen davon, dass an manchen Sonnabenden die eine oder die andere der Hauptsynagogen stark besucht ist, weil eine besonders gute Predigt erwartet wird; dieses Plus macht sich aber dann in den anderen Synagogen durch ein gewaltiges Minus sehr bemerkbar. Sobald aber die ״hohen Feiertage" herankommen, ist jedes, auch das letzte Plätzchen besetzt. Trotz der vielen Hemeinden und Gemeindchen, die ihre eigene Synagoge daben* reicht der. Raum doch nicht aus, und manche Privatleute ergreifen die günstige Helegenheit, ihren Brüdern Gelegenheit zu geben, ihr Herz vor Hott zu erleichtern, wie auch, um — nur so nebenbei — sich einen kleinen Verdienst zu sichern.. Nun, das kann ihnen keiner übelnehmen. Dass dabei nicht alles nach Wunsch zugeht, lässt; sich denken; es ergeben sich Missstände, die geradezu ungeheuerlich sind. So ist auch in einem Tanzlokal in der Schwedter- Strasse von einem Unternehmer ein solcher Gottesdienst eingerichtet worden. Wenn die Sache nicht zu ernst wäre, möchte man sie beinahe lächerlich finden. Das Äeussere schon in dem Saal machte einen hässlichen unangenehmen Eindruck. Ganz eng an einandergerückt standen die ganze Länge des Saales Stühle, ohne einen Tisch, das Gebetbuch musste in der Hand gehalten werden. Dass die Malereien und Bilder an den Wänden nicht gerade dazu angethan sind, Andacht zu erwecken, zu erheben, ist selbstverständlich. In der Tiefe des Saales führten einige Stufen auf die Bühne, wo ein langer, schmaler, wackeliger Kasten aufgestellt war, der das Betpult darstellen sollte, er diente aber auch, wie ich später sah, als Buffet,, es wurde darin die Weinflasche und das Weinglas zum Ridusch aufbewahrt. Rechts davon stand ein Tisch für den Chntor, links ein wackeliges Pult für den Rabbiner. — Die Coulissen an den Seiten waren nicht weggeräumt und wurden jedesmal hin- und hergeschoben, im hintern Raum standen auch Stühle für Betende, die auch bald besetzt wurden. Das Ganze machte den Eindruck einer erwarteten Dilettantentheatervorstellung. Es fehlte nur noch, dass der Vorhang auf- und niedergelassen wurde! War schon dieses Aeussere nicht dazu angethan, die Versammelten andächtig zu stimmen, so machte es der Vorbete 1־ geradezu unmöglich. Dass sich Gott erbarme; der Mann gab sich zwar die allererdenklichste Mühe, aber seine Melodien waren gleich nach den ersten Tönen geradezu entsetzlich anzuhören, ausserdem hatte der Mann keine Stimme und wurde gleich nach den ersten Gebeten völlig heiser. Zuletzt löste ihn der Unternehmer selbst ab, der sich, wie es scheint, auf seine Stimme und auf sein Vorbeten überhaupt sehr viel zu Gute thut, aber ebensowenig oder noch weniger befriedigte, als der erste. Das Gebet des Rabbi Amnon Unesane taukef wurde heruntergeleiert, ohne Gefühl und Sinn. Und erst das Schofarblasen! Ein elendes Gekrächze, kein einziger reiner Ton kam heraus, wo doch sonst diese Töne am meisten dazu angethan sein müssten, unser Innerstes zu bewegen und zu rühren. Ich musste mir sagen, dass ich entschieden besser gethan hätte, wenn ich zu Hause geblieben wäre. In unseren Tagen, wo man doch so selten, so wenig dazu kommt, an seinen Gott sich zu erinnern, ist gerade dieses Fest geeignet, die im Innern schlummernden Gefühle wachzurufen durch seine erhabene Grösse und Feierlichkeit. Doppelt schmerzen muss uns dies daher, wenn diese Wirkung unmöglich gemacht wird. Unter diesen Umständen konnte selbst die Predigt nicht die gewünschte Wirkung hervorrufen. Der Unternehmer sucht das möglichst beste Geschäft zu machen und richtet sich die Sache so billig wie möglieh ein. So wird es immer sein, wenn nicht von anderer Seite dafür gesorgt wird, dass jeder Jude an diesen Tagen an einem anständigen Gottesdienst teilnimmt. Diese Feste sind am meisten dazu geeignet, das Einigkeit«- und Zusammengehörigkeitsgefübl bei uns erstarken zu lassen. Wenn aber dem so wenig Gewicht beigelegt wird, dann wird man sich über die schlimmen Folgen nicht verwundern dürfen. Hochachtungsvoll Albert Nacht.

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