Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1897)
- Date
- 1897-09-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberhemden Reparatur Werkstatt. 4 ״» Halgpriesen 20, Paar Handprie»en 25, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg. Nenanferti/z. billigst. Preisen. Abholung frei. Vereins-Schau. Die ״Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner ZU Berlin“ hielt am 4. September ihre Monatssitzuug in Wittners Restaurant unter Vorsitz des Herrn Rektor Dr. Adler ab. Der Vorsitzende machte Mitteilung von dem Eingang mehrerer von Herrn Rabbiner Dr. Jacob verfasster Jahresberichte der Religionsschule der Synagogen-Gemeinde Göttingen und meinte, dass, da in diesen Berichten verschiedene unterrichtliche Fragen von grosser Wichtigkeit behandelt würden, es angezeigt wäre, wenn eines der Mitglieder der Vereinigung sin Referat über diese Jahresberichte halten wollte. Herr Kollege Klein erklärte sich hierzu bereit. Nachdem die Vorstandsmitglieder zum Zweck der Beratung einer Geschäftsordnung noch die Herren Auerbach und Falkenberg kooptiert hatten, trat dis Ver- Sammlung in die Weiterberatung der vom Kollegen Auerbach aufgestellten Thesen ein. Bei der lebhaften Debatte, welche diese Thesen hervorriefen, war es nicht möglich, die Diskussion zu Ende zu führen; daher wurde nach Mitternacht die Debatte über den zweiten Teil der Thesen, der die Frage der Konfessionalität behandelt, vertagt. Der erste bisher angenommene Teil der Thesen hat folgenden Wortlaut: Der obligatorische Besuch der allgemeinen Volksschule ist unerlässliche Pflicht für die Gesamtheit der Kinder beiderlei Geschlechts. Zu den Begriffsmerkmalen der allgemeinen Volksschule gehören nach der historischgenetischen Entwicklung sonst noch: Oeffentlichkeit und Unentgeltlichkeit. Sie bildet als sogenannte Einheitsschule, unter Aus- Schluss der insonderheit den höheren Schulen angehängten Vorschulen, die gemeinsame Grundlage aller Schulgattungen, insofern sich auf ihr organisch jede weiterführende Bildüng lückenlos aufbaut. Die Forderung der allgemeinen Volksschule stützt sich auf folgende Erwägungen: 1. Sie soll dazu beitragen, die vorhandenen Standes- Vorurteile zu beseitigen und Verständnis der gegenseitigen Lebensinteressen zu erwecken. 2. Für den Unterricht in den Elementarfächern kann es nur eine Methodik geben. 3. Begabung und Fleiss der Kinder sind unabhängig von der sozialen Stellung der Eltern. 4. Der sich entwickelnde Wetteifer kommt beiden Teilen zu gute. 5. Durch den Besuch von Kindern aus besser situierter Gesellschaftsklasse wird das Niveau der Schule gehoben. 6. Sittlich verwahrloste und geistig zurückgebliebene Kinder bedürfen einer ihrer Eigenart entsprechenden Erziehung und sind deshalb aus der allgemeinen Volksschule auszuschliessen. 7. Der Besuch der Volksschule ist billiger bei gleichen Leistungen und deshalb vorzuziehen. Die Mittel der Steuer- Zahler dürfen nicht zu Gunsten der Reichen in Anspruch genommen werden. Meinungsaustausch. Geehrter Herr Redakteur! Sie würden mich zu grossem Dank verpflichten, wenn Sie Nachstehendes in Ihrem geschätzten Blatte, möglichst noch in dieser Woche, veröffentlichen würden. Bei dem Verkauf der Eintrittskarten für den Betsaal ״Friedrichshain“, in Anbetracht des in letzterem an den hohen Feiertagen stattfindenden Gottesdienstes, herrschen alljährlich Zustände, die man geradezu als haarsträubend bezeichnen muss. Mit grosser Mühe war es mir in den früheren Jahren möglich, für mich und meine Angehörigen, nach stundenlangem Warten einige Karten zu erhaschen. Etwas derartiges aber, wie dieses Mal, ist mir noch nicht passiert. Als ich heute, am 14. Sept., dem ersten Tage des freihändigen Karten- Verkaufs, um 9 Uhr den Eingang zu den Bureauräumen passieren will, bietet sich mir ein unüberwindliches Hindernis, in Gestalt einer sich nach Hunderten drängenden Menge dar. Der Andrang war ein so fürchterlicher, dass verschiedene Damen aufschrieen, anderen die Hüte vom Kopfe gestossen wurden. Nach mühevollem Warten von mindestens einer Stunde wurde mir der Bescheid, dass noch acht Plätze zu 5 Mk. per Stück zu haben seien, alle anderen seien bereits vergriffen. Dieses ereignet sich, trotzdem der Saal über 2000 Personen fasst. Obgleich nun in der Bekanntmachung, die der Vorstand der jüdischen Gemeinde veröffentlicht, angezeigt wurde, dass den Inhabern vorjähriger Karten bis incl. 13. September gegen Vorzeigung letzterer dieselben Nnmmern für dieses Jahr verabfolgt werden, der freihändige Verkauf dagegen am 14. d. M. beginnt, so bin ich fest überzeugt, dass dieses nicht genau befolgt wurde. Wie mir vergangenes Jahr von anderer Seite versichert wurde, soll den am letzten Tage des beschränkten Verkaufs, also einen Tag vor Beginn des freihändigen, zur Einlösung ihrer früheren Plätze erschienenen Karteninhabern, anreihend an letztere, auch Karten ohne früheren Nummernbesitz verabfolgt worden sein, wodurch der Mangel am Tage des freihändigen Verkaufs herbeigeführt wurde. Ich bin fest überzeugt, dass letzteres auch in diesem Jahre passiert ist, sonst könnte eine solche Beschränkung der noch zu habenden Plätze nicht stattfinden und zumal eine Stunde nach Eröffnung des Verkaufs. In der Hoffnung, dass durch Veröffentlichung dieses, obige unwürdigen Zustände abgeschaft werden, bitte ich Sie, Herr Redakteur, meinen nochmaligen Dank entgegen zu nehmen. G. Casper, Abonnent des Berl. Vereinsboten. Antwort der Red. Wir haben Gelegenheit genommen, uns von der Handhabung der Eintrittskarten-Ausgabe zu überzeugen und haben die Wahrnehmung gemacht, dass die von Ihnen erwähnten Uebelsiände teilweise vorhanden sind, Wir haben aber auch die Ueberzeugung gewonnen, dass der grösste Teil der Schuld daran die Entnehmer der Eintrittskarten tragen, indem sie ohne Rücksicht auf den Andrang die Beamten, die ihre volle Schuldigkeit thun, mit überflüssigen Fragen bestürmen und durch zu langes Suchen auf dem Situationsplan das ״Gedränge“ verursachen. Die Verwaltung trifft nicht der leiseste Vorwurf. Vermischtes. Zemiroth Israel, im Verlage von Challier & Co., hier, Leipzigerstrasse 56, erschienen, bieten eine mit vielem Geschick zusammengestellte Sammlung hebräischer Melodien, wie sie zum Gebrauche in jüdischen Gemeinden Englands verwandt werden. Es ergiebt sich aus dieser Sammlung von neuem, wie einheitlich die Gebiete Israels in allen Stadtteilen sind. Hier die zehrende, klagende Musik in den Gesängen um den Fall Jerusalems, dort die mahnenden Klänge bei den Gebeten zur Versöhnuug Gottes mit der Menschheit und auf der anderen Seite der himmelanstrebende Jubel, das hoffnungs- 1 freudige Jauchzen eines zukunftssicheren Volkes. Das alles spiegelt j sich klar und deutlich in diesen mit ungemeiner Feinheit instrumentierten Hymnen und Cantilenen wieder, so dass wir einem jeden. der sich mit der geistlichen Musik seiner Religion beschäftigt, diese Collection hebräischer Melodien aufs angelegentlichste empfehlen. — Für die hartbedrängte LehrerfamiUe gingen bis heute ein: L. W. Mk. 10,05. — Sigis. Meyer, Kurfürstenstr. 43 Mk. 5,—. — G. H. Mk. 3,—. — Fr. Fried. Aschner. Halleschestr. 22, Mk. 3,—. — Allen gütigen Gebern im Namen des Bittstellers herzlichen Dank. Weitere Gaben befördert gern die Redaktion. 123787