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Berliner Vereinsbote · 1897-09-10 · Heft 37 (10.9.1897) · page 8

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Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 37 (10.9.1897)
Date
1897-09-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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OberhemdenReparaturWerkstatt, Alte ScMnknserstr. 40 H&lsprieaen so, Paar H&ndpriesen 2S, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Pfg. Neuanfertig. z. billigst. Preisen. Abholung frei. erklären, dass wir mit den antisemitischen Bestrebungen nichts zu thun haben wollen, dass wir glücklich in unserem Berufe gelebt haben und dass wir hoffen, dass diese Eintraoht immer herrschen wird. (Beifall.) Die Versammlung soll ferner unsere jungen Handlungsgehilfen warnen, sich diesen Bestrebungen anzuschliessen, die Unfrieden in unseren Stand bringen. Nachdem Herr Haak in seinem Schlusswort seine Befriedigung darüber ausgedrückt hatte, dass die Verurteilung des Antisemitismus eine so einmütige sei, verlas der Vorsitzende folgende beim Vorstande eingebrachte Resolution: Die Hineinziehung antisemitischer Tendenzen in unsere kaufmännischen Interessen ist aus verschiedenen Gründen verwerflich: 1. ist die antisemitische Bewegung mit der Stellung und Würde eines deutschen Kaufmanns unvereinbar, denn abgesehen davon, dass diese Bewegung eine sittlich sehr tief stehende ist, würden wir unserem Beruf durch die Beteiligung daran nur grossen sozialen Schaden, aber keinen Nutzen zuführen. 2. Wir erheben Protest gegen die antisemitische Agitation des deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes und erklären uns mit den Grundsätzen und der Bewegung desselben nicht einverstanden, da diese nur dazu angethan sind, Unfrieden unter den Mitgliedern anderer Vereine hervorzurufen und deren sozialpolitische Lage zu bedrohen. Wir erheben um so mehr Protest gegen das Gebahren, dessen sich der deutsch-nationale Handlungsgehilfen-Verband befleissigt, nicht nur weil hiermit eine Spaltung im allgemeinen herbeigeführt wird, sondern weil Wir dadurch Gefahr laufen, neben der sozialdemokratischen Parteistellung noch eine antisemitische in unsern Kreisen zu erhalten, womit aber unser Beruf nichts zu thun haben will. Die Versammlung macht es sich zur Pflicht, den deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verband, eigentlich antisemitische Handlungsgehilfen-Verband, auf's entschieden8te zu bekämpfen.“ Die Abstimmung ergab die Annahme dieser Resolution mit grosser Mehrheit: dagegen stimmten acht Personen. Herr Stadtrat Dr. Dasse ergriff dann nach der Ab- Stimmung das Wort und dankte dafür, dass die heutige Versammlung als eine öffentliche einberufen sei, denn so könnten auch andere als Mitglieder das Wort ergreifen, und er bitte, das, was er sagen werde, als ״Stimme aus dem Publikum“ zu betrachten. Dem Vorstand des kaufmännischen Vereins von 1870 gebührt Dank dafür, dass er gegen die antisemitische Bewegung eingetreten ist, denn diese Bewegung ist ein Kampf gegen Glaubens- und Geistesfreibeit, gegen Friede und Eintracht. Und in einem Kampfe für diese Güter in erster Reihe gestanden zu haben, ist eine hohe Ehre; er freue sieb, dass der Vorstand aus eigener Initiative sich dieser Ehre teilhaftig gemacht habe. Sie können versichert sein, dass tausende von friedlichen Bürgern unserer Stadt in diesem Kampfe auf Ihrer Seite stehen werden. (Stürmische Zustimmung). — Der Vorsitzende schloss dann mit dem Dank für das zahlreiche Erscheinen die Versammlung. Memel. Vor einigen Tagen wurde hier ein jüdisches Dienstmädchen tot in einem Brunnen aufgefunden. Obgleich alle Anzeichen dafür sprachen, das lediglich ein Unglücksfall oder Selbstmord vorlag, erregte die Sache doch viel Aufsehen und Beunruhigung und gab Gelegenheit zu allerlei abenteuerlichen Combinationen. Die Gerichtscommission hat nach erfolgter Section der Leiche nun folgendes Urieif abgegeben: Der Tod ist durch Ersticken eingetreten. 0b die Erstickung durch Absperren der Lungenorgane oder durch Ertrinken erfolgt ist, hat nicht fesgestellt werden können. Wie das ״Mem. Dampfb.“ hört, hat Mangels ־weiterer Verdachtsmomente die Staatsanwaltschaft von einer Verfolgung der Angelegenheit Abstand genommen. Stuttgart. Eine Frage von principieller Bedeutung wird nächstens die Gerichte beschäftigen. Im Jahre 1872 starb in X. ein sehr reicher Israelit, welcher sein Vermögen zu gleichen Teilen seinen zwei Neffen sowie einer Nichte seiner verstorbenen Frau vermachte. Doch wurde gleichzeitig im Testament bestimmt, dass dieselben Sicherheit zu leisten haben, und eine endgültige Entscheidung durch ein Kodizill, welches beim Gericht hinterlegt und 'erst am Todestage des Erblassers nach 25 Jahren eröffnet werde, getroffen wird. Am 20. v. Mts. wurde nun dies Kodizill eröffnet, und der Inhalt desselben besagt kurz und deutlich, dass die Erben des über 1000 000 Mark betragenden Vermögens dasselbe nur dann entgiltig erhalten sollen, wenn diese oder ihre Nachkommen noch dem Judentum angehören. Das ist nun aber bei keinem einzigen der Fall; alle Nachkommen sind zum Christentum üb er getreten. Für diesen Fall hat der Erblasser bestimmt, dass der auf diese treffende Teil des Vermögensseiner Heimatsgemeinde zur Dotierung der Svnagoge zufalle. Dort sind aber sämtliche Israeliten verzogen oder ausgestorben, und das Gericht hat jetzt über die Auslegung des Kodizills zu bestimmen. Man ersieht daraus, wie vorsichtig man bei der Abfassung eines Testaments in den einzelnen Bestimmungen sein muss. — Die Stadt Nikolajew ist, wie die ״St. Pet. Wed." melden, der jüdischen Ansiedlung freigegeben worden. In Folge dessen ist der Preis der Häuser und städtischen Plätze bedeutend gestiegen. — Baron Ferdinand Rothschild traf vor kurzem auf seiner Dampf-Yacht ,,Rona" in Helsingfors ein. Nach Mitteilungen der Helsinforser Zeitungen sandten die dortigen Juden eine Deputation, welche dem Baron die traurige Lage der Juden in Finnland, insbesondere den schlechten Stand der Schulen und Synagogen schilderte. Rothschild sagte seine Hilfe zu. Bekanntlich hat sich der letzte finnländische Landtag mit der Judenfrage im Sinne einer Gleichstellung der Juden mit den übrigen fmnländischen Staatsbürgern beschäftigt, ist jedoch unseres Wissens noch zu keinem Resultat gelangt, da sich nicht alle Stände zu Gunsten des Projects ausgesprochen haben. Die von Rothschild zugesagte Hilfe kann sich wohl nur auf materielle Unterstützung der durch die geltenden Landesgesetze in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkten Juden beziehen. Vermischtes. - Unsere Glaubensgenossen in Berlin O. dürften es mit Freude begi’iissen. dass in ihrer Stadtgegend ein unter Aufsicht des hiesigen Rabbinats stehendes ff. Fleisch- und Wurstwaaren - Geschäft von Herrn Alexander Becker eröffnet worden ist. Auf die als reell und nur beste Ware zu billigsten Preisen liefernde Firma sei hiermit empfehlend hingewiesen und bemerkt, dass alle Bestellungen durch eigene Gespanne frei ins Haus geliefert werden. Musik! Ohne sie kein geselliges Leben, denn sie giebt Stirnmnng, Laune, Frohsinn. Sowohl die Musik der Drei-Achtel-Takte, welche der Jugend die liebste ist, als die rauschenden Concertstücke, die Ohr und Sinn gefangen nehmen, helfen siegreich über Stunden hinweg, in denen sich sonst vielleicht Langeweile einschliche. Auch im Vereinsleben, das ja gerade in Berlin so stark entwickelt ist, ist Musik einer der wichtigsten Faktoren. Wenn die Anschaffung eines Pianos für solche oder ähnliche Zwecke übertragen ist, der achte wohl darauf, nur mit renommierten Firmen in Verbindung zu treten, da auch auf diesem Gebiet viel minderwertige Ware fabriciert wird. Unter den Firmen, welche sich eines guten und bewährten Rufes erfreuen, nennen wir die Piano-Fabrik von Oscar Overholthaus, Wühelmstrasse 124. deren Lager und Verkaufslokal sich Wilhelmstr. 10 befindet. Die Firma, welche sich früher in der Admiralstrasse hefand, ist in Fachkreisen dafür bekannt, dass sie nur gutes Material verwendet und dass sie trotz künstlerisch-eleganter Ausführung an soliden Preisen festhält. Einen Besuch des Verkaufslokales möchten wir jedenfalls allen Interessenten empfehlen.

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