Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 35 (27.8.1897)
- Date
- 1897-08-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Oberhemden Reparatnr Werkstatt, Alte seitöniiaDserstr. 40 Halsprle0en 20, Paar Handpriesen SS. Leinen-Eins atz m. Einsetzen 50 Pfg־. Weuanfertig־. z. billigst. Preisen. Abholung frei. den ״Antijuif“ entstanden. Nur dem energischen Vorgehen der Polizei ist es zu danken, dass Plünderungen der jüdischen Läden vermieden wurden. — Von den fünf seinerzeit verhafteten Juden, welche den Krawall mit den Radfahrern verschuldet haben sollten, der das Signal zu den Judenhetzen in der ganzen Provinz gab, sind am 30. v. Mts. drei freigesprochen worden. Die beiden anderen befinden sich noch in der Haft, doch muss auch ihre Sache bald zur Verhandlung kommen, und hofft man allgemein, dass auch diese Beiden freigesprochen werden. — Wir haben hier nicht weniger als vier antisemitische Zeitungen, alle gleichzeitig radikal-sozialistisch. Eigentümlicherweise ist die eine davon offizielles Organ des Geueralgouverneurs, eine andere ist das amtliche Blatt der Stadtverwaltung. Aber diese gleichzeitig politischen judenfeindlichen Zeitungen genügen den Judenhassern nicht, und sie haben zwei rein antisemitische Blätter ins Leben gerufen, das eine klerikal, das andere republikanisch schillernd. Besonders das letztere ״HAntijuif“, treibt die ärgste und schmutzigste Hetze. Neuerdings haben sich nun die hiesigen Israeliten entschlossen, den Schutz der Gerichte anzurufen, und sie klagen bei jeder strafbaren Beleidigung. So schweben eine ganze Anzahl von Prozessen, besonders gegen den 1״’Antijuif“, aber welchen Erfolg dieselben haben werden, ist noch nicht zu sagen: zunächst haben sie nur die Wut unserer Feinde gestachelt und auf das höchste getrieben. Erfreulich ist nur, dass die algerischen Juden endlich anfangen, sich zu wehren. — Die Grabstätten der jüdischen Könige. Herr Clermont- Ganneau verlas in der Sitzung der Academie des inscriptioDS et helles lettres vom 13. August eine Studie über die wahrscheinliche Stätte der Gräber Davids und der jüdischen Könige. Die ehemals von Herrn de Sancly gepredigte Lösung dieses bisher noch schwebenden Problems, derzufolge die königliche Nekropole in der Kohur-el-Moluh im Norden von Jerusalem zu erblicken ist, kann nicht mehr aufrecht erhalten werden, da das seltsame Grabmal im römisch-griechischen Stile wahrscheinlich das der Königin Helene von Abadiene ist. Die Akademie müsse daher, auf ihre Autorität in diesen Fragen sich stützend, die französische Regierung, der das Grab durch Schenkung gehört, veranlassen, die Inschrift des Monumentes, das man ״die Gräber der jüdischen Könige“ benannt habe, abzuändern. Der Vortragende brachte eine Menge historischer Beweise uod vorzüglich genaue Studien eines unterirdischen Aquadukts von 500 Metern Länge, der in den Felsen unter dem Hügel Ophel zur Zeit des Königs Zachias gegraben wurde, für die ^hese zur Geltung, dass die Grabmäler der jüdisehen Könige in oder an diesem Aquädukt zu suchen seien. Diese Wasserleitung, die einen wahren Tunnel bildet, heschreibt in ihrem südlichen Teile einen ungeheueren, rechtwinkeligen Umweg, für den sich bisher keine Erklärung hat finden lassen; Herr Clermont-Ganneau sucht zu heweisen, dass dieser Umweg notwendig war, um nicht auf die jüdischen Königsgräber zu stossen, die sich in der Tiefe des Hügels befanden. Auf diese schon vor längerer Zeit von Herrn Clermont-Ganneau entwickelten Ideen hin hat bereits ein englischer Archäologe, Dr. Büss, ohne den Namen des französischen Gelehrten nur zu erwähnen, Nachgrabnngen angestellt, ohne indessen irgend ein Ergebnis zn erzielen. Herr Clermont-Ganneau meint, dass das ganz erklärlich sei, weil Bliss die Nachgrabungen ausserhalb des Winkels angestellt habe, während man im Gegenteil innerhalb desselben hätte nachgraben müssen. Man müsse deshalb die Operation in dieser Richtung wieder aufnehmen. Die Prüfung der diesbezüglichen Vorschläge wurde einer Kommission überwiesen. — Dass die Mittel, deren unsere Feinde sich bedienen, gewohnlich den Begriffen VOll Ehre und Wahrhaftigkeit widersprechen, ist zu bekannt. So wird Z. B, einem Provinzialblatte aus Berlin geschrieben: ״In den letzten Monaten sind, wie man mitteilt, an das Berliner Polizei-Präsidium von hiesigen jüdischen Anwälten zahlreiche Gesuche abgegeben worden, worin die Genehmigung zu Namensänderungen beantragt wurde. Die betreffenden Herren erblicken, wie es den Anschein gewinnt, in ihrem Vatersnamen, sobald er einen zu ausgeprägt jüdischen Charakter an sich trägt, eine Schädigung ihrer geschäftlichen Interessen. Auch mögen es zum Teil Erwägungen ästhetischer Natur sein, die den Gesuchen zu Grunde liegen. Zum Beispiel wird es von Einzelnen als störend empfunden, sich Jsaacsohn, Itzigsohn, Mosessohn oder Abrahamsohn nennen zu sollen. Dieser und jener, der von antisemitischen Anwandlungen sich völlig frei fühlt, trägt nach Ansicht der Antragsteller gleichwohl Bedenken, sich in einer Rechtssache von Trägern derartiger Namen von jüdischer Abkunft vertreten zu lassen. Es ist das Bestreben vorhanden, sich von der grossen Menge jüdischer Rechtsanwälte dadurch abzusondern, dass neue Namen-Benennungen ersonnen werden, die einen sofortigen Schluss auf die Abstammung verhindern. Ohne von der väterlichen Religion sich abzuwenden, wird der väterliche Name preisgegeben, gerade so, wie dies geschah, wenn Juden sich taufen Hessen. Diese wollten dann durch nichts mehr an ihr Vorleben erinnert werden, während jetzt nur die jüdische Abstammung durch neue Namen verdeckt werden soll. Man will Jude bleiben, aber als Christ gelten. Neu ist diese Erscheinung durchaus nicht: wir haben seit Jahren jüdische Schriftsteller, deren Namen christlichen Ursprungs sind, und denen viel daran gelegen ist, nicht als Jude angesehen zu werden. Neu ist nur, dass die Namenflucht unter den jüd. Anwälten auftritt. Viele derselben gewahren wohl, dass der Rechtsanwaltstand in den letzten Jahren zu viele jüd. Juristen in sich aufgenommen hat, und dass hierdurch ein Missverhältnis entstanden ist, das auch dem Publikum nicht hat entgehen können. Nun soll das Publikum auf weniger jüdische Namen stossen, wodurch aber das Missverhältnis nicht gehoben, sondern nur verdeckt wird.“ Die Tendenz dieser Mitteilung ist so augenfällig und lässt wohl selbst das blödeste Auge deutlich erkennen, dass hier unter der Flagge der unparteiischen Berichterstattung das Gift antisemitischer Verhetzung in Kreise hineingetragen werden soll, die demselben sonst unzugänglich sind. Ea erschien nicht uninteressant, die Beschuldigung auf ihre Berechtigung nachzuprüfen. Durch eingehende Nachforschungen ist nun festgestellt, dass während der letzten 6 Monate von allen jüdischen Rechtsanwälten Berlins zwei, sage zwei, Gesuche um Namensänderung beim Polizei-Präsidium gestellt haben, welche auch genehmigt wurden. Hamburg. Schon seit langer Zeit hat sich innerhalb der hiesigen Gemeinde die Errichtung eines Siechenhauses, in welchem mittellose unheilbare Kranke Unterkunft finden, als ein doppelt dringendes Bedürfnis fühlbar gemacht, weil das israelitische Krankenhaus und das Altenhaus der Gemeinde laut Statut Siche nicht aufnehmen dürfen. Die Verwirklichung, welche an der Aufbringung der sehr bedeutenden Kosten scheiterte, kann nun mehr als gesichert gelten. Ein Wohlthäter, der ungenannt bleiben will, hat nämlich dem Vorstände der Deutsch-Israelitischen Gemeinde eine grössere Summe zu diesem Zweck überwiesen, mit der einzigen Bedingung, dass die nötigen Vorarbeiten sofort in Angriff genommmen werden. Der Gemeindevorstand, dem bereits aus früheren Legaten 100,000 Mark für diesen Zweck zur Verfügung stehen (u. A. 60,000 Mark von Herrn Lachmann), hat die Herren M. W. Hinrichsen und J. Schönfeld beauftragt, irn Verein mit einer seitens des Repräsententen-Kolleginms diese Vorarbeiten zu leiten.