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Berliner Vereinsbote · 1897-08-13 · Heft 33 (13.8.1897) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 33 (13.8.1897)
Date
1897-08-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Oberhemden Reparatur Werkstatt, Alte Schönhauserstr. 40 Halaprleien 20, Paar Handpriesen 25, Leinen-Einsatz m. Einsetzen 50 Ffg. Nenanfertig. zbilligst. Preisen. Abholung Drei. unpassender Anblick für die Gläubigen.“ Die Klage an den Senat des Reiches wurde eingereicht und dieser hat soeben die Entscheidung des Generalgouverneurs für ungültig erklärt und erlaubt, dass das Gebäude dem jüdischen Gottesdienste freigegeben wird. Riga. Jüdische Feldarbeiter trifft man jetzt allenthalben im Podolischen Gouvernement an. Dem Beispiele des Gutsbesitzers Dügotier, der als erster die notleidenden Juden des Fleckens Woronowiza zur Feldarbeit verwandte, sind nunmehr auch viele andere Grossgrundbesitzer gefolgt und haben diesen Schritt wahrlich nicht zu beklagen, denn die Juden zeichnen sich bei grosser Massigkeit und geringen Ansprüchen durch Arbeitsamkeit, Anstelligkeit und Ausdauer bei der schweren Feldarbeit aus. Da dem Juden durch das Gesetz verboten ist, die Nacht auf freiem Felde zuzubringen, kehren sie allabends in ganzen Haufen in die Flecken und Dörfer zurück, um sich nach Sonnenaufgang wieder aufs Feld zu begeben. Auch im Kiewschen und Cherssonschen Gouvernement trifft man bereits an vielen Stellen jüdische Feldarbeiter an, wie auch unweit Odessa auf den Datschen viele Juden auf den Feldern und in den Gemüsegärten thätig sind. — Handel und Gewerbe in Palästina. Eine zeitgemässe und hochinteressante Schilderung der handeis- und gewerbepolitischen Verhältnisse in Palästina finden wir in einer Publication des Herrn Dr. Salvendi, der sich Mangels jeder staatlichen Statistik über Ein- und Ausfuhr, über Land- Wirtschaft und Handwerk der nicht geringen Mühe unterzogen hat, dieses wichtige Gebiet durch eigene Forschungen kennen zu lernen. Wir können hier natürlich nur einige wesentliche Hauptmomente vorführen, die den Leser in den Stand setzen, sicher über die Wirtschaftsverhältnisse in Palästina ein eigenes Urteil zu bilden. Im allgemeinen hat sich der Handel in den jüngsten zehn Jahren bedeutend gehoben; die Araber haben an Geschicklichkeit und Erfahrung zugenommen und vielfach Verbindungen mit Europa und Amerika angeknüpft. Durch öffentliche Fürsorge für Landbau und Handel könnte natürlich der ausländische Verkehr noch bedeutend erweitert werden. Den meisten Gewinn bringt die Ausfuhr von Weizen und Sesam, welch’ letzterer eine Oelsorte ist, ähnlich unserem Mohn. Oliven- und Sesamöl wird vielfach nach Frankreich exportiert, um dort gereinigt und als — ״Französisches Oel“ wieder nach Palästina eingeführt zu werden. Der Wein-Export ist bislang nur sehr massig und das Unternehmen fleissiger jüdischer Colonisten. Hingegen werden Pomeranzen, Zitronen und Rosinen massenhaft nach Europa ausgeführt; ebenso werden die Ethrogim, eine Frucht, die sich in der heissen Jahreszeit gut erhält, immer mehr beachtet. Gewinnbringend ist ferner die Ausfuhr von Seife armenischer Provenienz, ebenso von Mais und Feigbohnen, während die Gerste weniger vorteilhaft gedeiht. Geflochtene Rohrmatten gehen etwa für 35,000 Frcs. jährlich nach der Türkei und Egypten. Nach Italien, Frankreich und England gehen viele Knochen, Lumpen und Glasstücke, und bis in die fernsten Länder wird die bittere, lange unbeachtete Frucht der Coloquinten, die als Farbstoff und Arzneimittel verwendet wird, in ganzen Schiffsladungen exportiert. Viel bearbeitet wird das Olivenholz, das Material für die verschiedensten Gebrauchs- und Luxusgegenstände. Die einheimischen Handwerker verfügen zumeist über eine erstaunliche Fertigkeit und Genauigkeit. Im häuslichen Handwerksbetrieb werden Leuchter, Kämme, Salzfässer, Becher, Blumenvasen, Schachspiele, Serviettenringe, Schreibzeuge,. Lineale u. 8. w. angefertigt, von Reisenden und Pilgern sodann aufgekauft und in fast alle eure päischen Länder verschickt. Jüdische Drechsler haben auf den Ausstellungen in Zürich, Paris, New-York, Philadelphia und Berlin ausgestellt und Ehrenpreise davongetragen. Kaiserslautern. Der neue Regierungspräsident, Freiherr von Welfer, der sein neues Amt angetreten, hat gelegentlieh seines Besuches der ihm unterstellten Provinz es sich nicht nehmen lassen, überall, wo in den jüdischen Gemeinden eine sehenswerte Synagoge sich befindet, dieselbe zu besichtigen. So berichtet die ״Pfalz. Presse": ״In der Synagoge zu Kaiserslautern wurde der Herr Regierungs-Präsident am Portal vom Bezirks-Rabbiner Dr. Landsberg und dem Synagogen-Ausschuss feierlichst empfangen. Der Herr Rabbiner begrüsste den hohen Gast mit den W^orten: ״Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn" - als der Vertreter Sr. Königl. Hoheit in der Pfalz, und schloss mit Worten des Segens für den Letzteren. Der Herr Rabbiner geleitete den hohen Gast in die Synagoge, die derselbe mit lebhaftem Interesse in Augenschein nahm. Besonders machte die erleuchtete ״heilige Lade“ einen tiefen Eindruck auf ihn. Mit wiederholten Dankesworten empfahl sich der Herr Regierungs-Präsident von dem Herrn Rabbiner und den Herren des Ausschusses. Es versteht sich, dass bei der offiziellen Beamtenvorstellung auch die Rabbiner der Pfalz alle beordert waren. Wir registrieren diesen Umstand, um die Stellung der Rabbiner in der Pfalz und in Bayern zu charakterisieren. — Die ״Strassburger Post" berichtet aus Strassburg: Der Präsident der französischen Liga gegen den Antisemitismus, Henry Strauss, Direktor der ״Alliance Nationale,“ weilt zur Zeit hier in Strassburg. Er kam von Mühlhausen, wo es ihm gelungen ist, eine Anzahl der bedeutenstell Geschäfte für den ״Achtuhrschluss" zu vereinigen. Augenblicklich bereitet er die Herausgabe einer Broschüre über den Prozess gegen den unglücklichen Hauptmann Dreyfuss vor. Strauss ist von der Unschuld des Verurteilten fest überzeugt und hofft auf eine Wiederaufnahme des Verfahrens. — Metz. Der älteste Mann der Stadt Metz ist nach einer Meldung der ״Loth. Ztg." der Pfründer im israelitischen Hospital Lion Eisenstein; Dieser Greis, welcher am 4. Oktober dieses Jahres das an die Patriarchen des alten Bundes erinnernde Alter von 102 Jahren erreichen wird. Er ist verhältnismässig noch rüstig und geistig sehr rege. Wenn in seiner Gegenwart Ereignisse aus der Vergaugenheit zur Sprache kommen, dann greift er in die Erzählung seiner viel jüngeren Hausgenossen hier und da richtig stellend ein, ein Beweis für die Gedächtnisstärke, welche er sich erhalten. Dann pflegt er auch schmunzelnd zu erzählen, dass ihm die Beiträge, welche er früher für seine Unterbringung im Spitale zahlen musste, seit dem Tage, an welchem er hundert Jahre alt geworden war, erlassen worden sind. Man ersieht daraus, dass es ganz einfach ist, sich ein sorgenfreies Leben zu verschaffen, man braucht nur hundert Jahre alt zu werden. Reb Lob bringt einen grossen Teil des Tages mit der Beschäftigung der Gotteslehre (Thorastudium) in dem kleinen Bstsaale des Hospitals zu. Er ist eine bekannte Persönlichkeit der Stadt; zu seinem hundertsten Geburtstage hatte ihn der Kaiser durch ein ansehnliches Geschenk erfreut. — In der Transvaal-Republik sind die Juden keineswegs vollkommen gleichberechtigt. Sie können u. a. weder in den Volksraad gewählt werden, noch eine amtliche Stellung bekleiden. Am 30. v. M. fand eine grosse jüdische Volksversammlung statt, welche sich mit dieser Angelegenheit beschäftigte und beschloss, eine Kommission zu wählen, welche mit den obersten Regierungsbehörden in Verhandlung eintreten soll. Auf den der gesamten Auflage dieser Nummer unseres Blattes bei■ liegenden Prospekt der Firma Glogau & Cie., Petersburgerstr. 55 Ober den ״Hygienisch - Aesthetischen Spucknapf ״KOSMOS". machen wir unsere werten Leser ganz besonders aufmerksam.

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