Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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OberhemdenReparaturWerkstatt, 40 Baispriesen 90, Paar Handpriesen 9S, Leinen-Einsatz' m. Einsetzen 50 Ffg. Neuanferttg. z. billigst. Preisen. Abholung frei. Vom Büchertisch. Von dem hiesigen Seminarlehrer Dr. M. Simon und dem Lehrer L. Cohen in Rees a. Rh. ist ein neuer ״Mafteach“, Schlüssel zur leichten Umrechnung jüdischer und christlicher Daten, sowie zur Bestimmung des Wochentages eines jeden beliebigen Datums für die Jahre 4105 —5760 A. M., d. i. 34p—2000 A. Chr. nebst einer Tabelle über die Wochenabschnitte für alle Sabbate des Jahres, Verlag von M. Poppellauer, Berlin 1897, herausgegeben worden. Wer jemals in die Lage gekommen ist, für ein jüdisches Datum das entsprechende bürgerliche zu suchen oder umgekehrt, der wird den Wert dieses ״Mafteach“ auf den ersten Blick erkennen. Alle Schwierigkeiten im Umrechnen fallen bei Benutzung dieses Buches fort. Ohne jede Kenntnis auch nur der elementarsten Grundzüge des jüdischen Kalenders ist jeder Laie im Stande, das gewünschte Datum innerhalb des Zeitraumes von 1655 Jahren zu ermitteln. Mehr aber als für den Laien ist das Buch für den Sachkenner und Geschichtsforscher von Wert. Alle bisherigen Versuche, übersichtliche Tabellen zum Zwecke der Datum- Umrechnung zu schaffen, sind von dem ״neuen Mafteach“ bei weitem übertroffen worden. Wir empfehlen dieses Buch, das zwei auf dem Gebiete des Kalenderwesens rühmlich8t bekannte Gelehrte zu seinen Verfassern hat. B. G. — Löwenstein, Leopold. Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland. I. Geschichte der Juden in der Kurpfalz. Frankfurt a. M., J. Kauffmann. 1894. VII, 329 S. 6 M. — Es ist mit grosser Freude zu begrüssen, dass man beginnt, die grossen von der badischen historischen Kommission herausgegebenen Regestenwerke zu Einzeldarstellungen über die früheren Verhältnisse in unserem engeren Vaterlande zu benutzen. So haben J. A. Zehnter und Richard Fester in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins (N. F. Bd. 11 8. 337—441 und 8. 638—843) kleinere Beiträge zur Geschichte der Juden in der Markgrafschaft Baden veröffentlicht. Ebenda (S. 643—645) giebt K. Reinfried Ergänzungen zu Zehnter, besonders aus dem Amte Bühl. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach, schreibt zwar, wie aus dem oben verzeichneten Titel seines Buches hervorgellt, über die pfälzischen Juden, sein Buch ist aber gerade für die jetzt zu Baden gehörigen Teile der früheren Pfalz, insbesondere für Mannheim von Wichtigkeit. Er benutzte jedoch nicht nur die in den ״Regesten der Pfalzgrafen am Rhein“ von Kock und Wille und in den Bänden der Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins gedruckten Juden urkunden, sondern er fand auch im Generallandesarchiv zu Karlsruhe in den pfälzischen Kopialbüchern reichhaltigen, bisher noch unbekannten Stoff zu seiner Arbeit, ebenso in den Archiven zu Heidelberg und Mannheim und endlich in der Hof- und Landesbibliothek zu Karlsruhe. — Das Löwenstein’sche Buch ist in 5 Abschnitte eingeteilt. Der erste Abschnitt behandelt die Zeit von 1225—1398, die Zeit von der ersten Ansiedlung der Juden in der Kurpfalz bis zu ihrer Vertreibung durch Kurfürst Ruprecht II. Die ersten Juden erscheinen in Heidelberg und Umgegend. Hier und an einigen anderen pfälzischen Orten fanden sie unter dem judenfreundlichen Ruprecht I. Schutz in dem Pestjahre 1349, als überall Judenverfolgungen stattfanden. Es wurde sogar der Judenschutz in Heidelberg auch auf die ״feltsiechen“ (d. h. die aussätzigen) Juden ausgedehnt. Bei jeder Gelegenheit nahm sich Kurfürst Ruprecht I. der Juden an. Allein schon sein Nachfeiger, Ruprecht II. war ihnen so abgeneigt, dass er sie aus der ganzen Kurpfalz vertrieb. — Der 2. Teil führt uns bis in die Zeit des dreissigjährigen Krieges. In ihm wird zunächst berichtet, wie sich König Ruprecht (als Kurfürst Ruprecht II.) von der Pfalz vor seiner Königswahl durchaus nicht freundlich zu den Juden stellte, als König aber ihre Niederlassung in Oppenheim gestattete, da er Geld nötig hatte. Oppenheim blieb dann auch unter König Ruprechts Nachfolgern der Hanptsitz der pfälzischen Juden. Diesen wurde um 1460 eine neue Steuer auferlegt, nämlich das Geleitgeld; für jede von ihnen zurückgelegte Meile müssten sie einen Gulden zahlen. Bis in die Regieruugszeit des milden Kurfürsten Ludwig V. (1544f) wurden nur an einigen Plätzen Juden geduldet, doch schon 1543 findet man sie in vielen pfälzischen Orten, und nach einem Judenverzeichnis aus dem Jahre 1550 lebten damals ungefähr 155 Juden in der Pfalz, 32 in den jetzt zu Baden gehörenden Aemtern Bretten, Heidelberg und Mosbach. Diese 155 Juden hatten jährlich etwa 650 Goldgulden (ungefähr 1700 Mark) Abgaben zu zahlen. Wie sehr sich die Zahl der pfälzischen Juden in jener Zeit vermehrte, ergiebt sich daraus, dass im Jahre 1555 allein im Amte Alzey 102 Juden den Geleitsbrief erhielten! — Schlimmer wurde die Lage der Juden in der Pfalz unter Kurfürst Friedrich III.: sie erhielten keine Geleitsbriefe mehr, mit Ausnahme der in eine andere Herrschaft und der an die kaiserlichen Gerichte reisenden Juden. Diese mussten dann aber ein hohes Geleitsgeld entrichten. Scharfe Bestimmungen wurden auch für die zur Frankfurter Messe reisenden Israeliten getroffen. Ja, Kurfürst Friedrich verfügte sogar in seinem Testament, es dürfe ״in ewigen Zeiten״ kein Jude mehr in der Pfalz aufgennmmen werden. Dieselben Grundsätze für die Behandlungen dar Juden blieben im grossen und ganzen für Friedrichs Nachfolger, Ludwig VI., Johann Casimir,׳Fried*■ rieh IV, und V. massgebend. — Karl Ludwig, mit dessen Regierungsantritt der 3. Abschnitt bei Löwenstein beginnt, trat wenig rücksichtsvoll gegen die Juden auf, die, wie alle Einwohner der Pfalz, schwer unter den Drangsalen des grosen Religionskrieges zu leiden hatten: schwere Abgaben wurden ihnen auferlegt: Zoll- und Geleitsbatzen, Abgaben für die Beschneidung, die Hochzeit und die Begräbnisse. Die Juden in Mannheim jedoch erhielten nicht unwesentliche Freiheiten, da dem Kurfürsten an dem Aufschwunge dieser Stadt sehr viel gelegen war. So durften sie z. B. einen eigenen Rabbi halten. Diese Begünstigungen galten indes nur für die deutschen Juden, nicht für die portugiesischen, die sich schon damals in Mannheim befanden. Dann ist es rühmend zu erwähnen, das Karl Ludwig den leider vergeblichen Versuch machte, den berühmten jüdischen Philosophen Spinoza für die Universität Heidelberg zu gewinnen. In der Stadt Heidelberg waren damals nur 5 Juden. Kurfürst Karl, 1680—85, verordnete, dass alle Juden, die sich in der Pfalz niederlassen wollten, ein festes Vermögen von mindestens 300 fl. haben müssten. In Mannheim hatte sich die Zahl der Juden so vermehrt, dass der Stadtrat im Jahre 1681 beschloss, keinen Juden mehr aufzunehmen, um nicht den Christen allen Handel und alle Nahrung gänzlich zu entziehen. In die Regierungszeit Philipp Wilhelms fiel der Einfall der französischen Mordbrenner in der Pfalz, der auch den Israliten sehr viele Drangsale brachte; allein aus Mannheim mussten 60 bis 70 Familien flüchten. — Durch Kurfürst Johann Wilhelm, mit ihm beginnt der 4. Abschnitt, wurden die Freiheiten der Juden in Mannheim von neuem bewilligt. Ihre Zahl wird im Jahre 1697 auf 68 Familien veranschlagt. In Heidelberg erhielten die Juden endlich einen Begräbnisplatz vor dem Klingenthor im sogenannten Affenstein. Ihre Zahl blieb jedoch gering. Ueberhaupt war ihre Lage hier sehr ungünstig. In der Regierungszeit Karl Theodors stieg die Zahl der in der Pfalz ansässigen Juden ausserordentlich. Auch in dem 5. — letzten — Abschnitt werden sehr viele Einzelheiten über das Leben und Treiben der pfälzischen Juden erzählt. — Als wertvolle Beilagen des Buches sind zum Schluss zu nennen: Urkundenabschriften, Einwohner- Verzeichnisse der Stadt- und Landjudenschaft, ein Huldigungslied der Juden in Mannheim für Kurfürst Karl Theodor und Stammtafeln einiger jüdischer Familien.