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Berliner Vereinsbote · 1897-07-16 · Heft 29 (16.7.1897) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Berliner Vereinsbote
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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OberhemdenReparaturWerkstatt, Alte Schöniwrstr. 40 H&lzpriesen 20, Paar Handprieaen 25, Leinen-Einsatz m. Einsätzen 50 Ptg. אeuamfertlg. z. billigst. Preisen. Abholung Russland steht, wird eines Tages auch bezüglich der Judenbehandlung den Unterschied zwischen sich und dem Zarenreich zu seinem Vorteil noch erhöhen. Wien, 30. Juni. (Ein Schriftsteller beim Kaiser). Der bekannte Schriftsteller Dr. Adolf Kohut aus Berlin wurde vom Kaiser in Audienz empfangen, um für die doppelte Auszeichnung durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuze« mit der Krone und des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens zu danken. Dr. Kohut hatte diese Aus- Zeichnungen einerseits für seine litterarische Thätigkeit, andrerseits für seine Verdienste um das Ungartum im Auslande erhalten. Der Monarch empfing den Schriftsteller überaus huldvoll und sprach ihm die Anerkennung für seine patriotische Thätigkeit, die er im Auslande entwickle, aus. Wie lange leben Sie im Auslande?“ fragte der Kaiser, worauf der Schriftsteller erwiderte: ״Seit dreissig Jahren, Majestät“. Der Monarch bemerkte nun: ״Um so patriotischer ist es, dass Sie so treue Liebe für das Vaterlend bewahrt haben.“ Dr. Kohut wurde in huldvollster Weise entlassen. Wien. Der Besuch des Königs von Siam bei den Kaiserhöfen in Wien und Berlin veranlasst einen Leser der ״Oesterr. Wochenschrift“, nachstehende Mitteilungen zu senden: Das Königreich Siam gehörte bis in die neueste Zeit zu den Ländern, welche von den Juden grundsätzlich gemieden wurden, weil die Religion und die Sprache ihrer Bevölkerung sie von einer Ansiedlung abgeschreckt haben. Die Religion der Siamesen ist bekanntlich der krasseste Buddhismus: in einem weissen Elephanten verehren sie das Symbol der höchsten Gottheit. Ihre Sprache, welche zu dem indo-chinesischen Sprachzweige gehört, steht in gar keiner Verwandtschaft zu den semitischen Sprachen, welche die Juden dieses Weltteils mit solcher Vorliebe und solchem Eifer י pflegen. Die Juden Asiens kamen daher über den Ganges, den Hauptstrom Indiens, in welchem Lande neben den einheimischen, auch die beiden semitischen Sprachen, das Arabische und das Persische, ungemein verbreitet sind, nicht heraus, und Kalkutta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüd. Gemeinde Süd- und Ostasiens. Die jüd. Gemeinden, welche sich heute in Hongkong, Shanghai und Yokohama finden, datieren erst aus der neuesten Zeit und wurden von dorthin eingewanderten englischen, deutschen, französischen und amerikanischen Juden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zeit einzelne Juden gekommen, um dort zeitweilig zu bleiben, aber dauernd wollte sich keiner daselbst niederlassen. So starb vor mehreren Jahren in London ein galizischer Jude Namens Goldmann, der auf seinen abenteuerlichen Wanderungen durch das östliehe Asien auch nach Siam kam, wo er etliche Jahre verblieb und dasselbe dann mit grossen Reichtümern wieder verliess. Diese Scheu der Juden vor Siam und seinen Bewohnern konnte indes den europäisch erzogenen und hochgebildeten König dieses Landes, Ghulalonkorn, nicht abhalten, einen jüdischen Kaufmann, Herrn Schönberger, zu seinem Konsul in Wien zu ernennen, und er lieferte so den Beweis, dass Bildung und Wissen von allen konfessionellen Vorurteilen frei macht. Ein anderer Glaubensgenosse hat sich die Gunst dieses Fürsten in so hohem Grade erworben, dass dieser ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malakka, die noch zu Siam gehört, auszubeuten und ihm zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei zusagte. Derselbe heisst Angelo Luzzatti, stammt aus der oberitalienischen Stadt Asti und ist seinem Berufe nach Ingenieur. Ems. In diesem Jahre feiert die ״Emser Heilquelle“ (Majne hajschuoh) ihr zehnjähriges Stiftungsfest. Durch eine grössere Spende der Frau Baronin Hirsch ist der Verein dem Ziele, sich unabhängig von den Sammlungen bei den Kjirgästen zu machen, um ein Bedeutendes näher gekommen. Die Einnahmen betrugen im letzten Jahre Mk. 3712,82, die Ausgaben 2307,57 der Vermögensbestand beläuft sich auf 7019,88. —- Ein Aufruf, der sich au die opferwillige Beherzigung weitester jüdischer Kreise wendet und der Abtragung einer Ehrenschuld an die Hinterbliebenen des am 20. April d. J. in Brüssel verstorbenen Schriftstellers Wilhelm Herzberg, des Dichters der ״jüdischen Familienpapiere“ gilt, wird von einem Comite vorbereitet, zu welchem der Grossrabbiner von Frankreich Zadok Kahn, Oberrabbiner Dr. Bloch- Brüssel, Sanitätsrat Dr. S. Neumann-Berlin, die Rabbiner Dr. Maybaum und Ungerleider, Prof. Dr. Kaufmann-Budapest, Oberrabbiner Dr. Güdemann-Wien und andere hervorragende Persönlichkeiten gehören. Wilhelm Herzberg, welcher zehn Jahre lang Director der ״Anstalt zur Er- Ziehung jüdischer Waisen in Palästina“ gewesen ist, hat zwar bis an sein Lebensende von dem Curratorium dieser Anstalt eine Pension erhalten; doch hat dasselbe kein Recht, diese Unterstützung auch der Familie des Verstorbenen, welche mittellos und unversorgt zurückgeblieben ist, zu Teil werden zu lassen. Herzberg hat für das jüdische Hausund die jüdische Jugend vielleicht das Beste, was zur Stärkung und Erhebung des jüdischen Bewusstseins geschrieben worden ist, beigetragen, und sich im Dienste jüdischer Wohlthätigkeitspflege in Palästina fast aufgeopfert. Mit näheren Angaben über die Art und Weise der Sammlungen für die Hinterbliebenen des Verstorbenen wird das Comite demnächst an die Oeffentlichkeit treten. — In London starb nach einem an Arbeit reichen Leben im Alter von 81 Jahren einer der letzten Kämpfer für die Emancipation der Juden, Sir John Simon, bekannter unter dem Namen Sir Sergeant Simon. Im Jahre 1818 in Montego Bay auf Jamaica geboren, kam er mit 14 Jahren nach England, wo er die höheren Schulen besuchte und Jurisprudenz studierte. Da aber den Juden damals — zu Anfang der vierziger Jahre — die Advocatur noch nicht erschlossen war, kehrte er nach Jamaica zurück, wo er mehrere Jahre als Anwalt practieierte, um sich dann wieder nach London zu begeben. Hier wurde er im Jahre 1856 zur Advocatur zugelassen, 1864 Sorg, at Lerw.-Advocat 1. Classe, eine Würde, die heute nicht mehr besteht, — 1858 gelangte er ins Parlament, wo er sich der liberalen. Partei anschloss und 20 Jahre lang gemeinsam mit Sir Francis Goldsmid für seine Glaubensgenossen eintrat. Hier war es auch, wo er dem Führer seiner Partei Glacistone energisch entgegentrat, als dieser die Verteidigung der rumanischen Juden ablehnte. Dies war der Grund, weshalb Simon erst im Jahre 1886 die Ritterwürde erlangte, die ihm schon früher zugestanden hatte. Im Jahre 1888 legte Sir John Simon aus Altersrücksichten sein Mandat nieder und ist seitdem nur wenig an die Oeffentlichkeit getreten. New-York. Seit einigen Jahren haben sich die Feriencolonien hier auch sehr eingebürgert. Das ״Sanatorium for Hebrew Children“ hat einen grossen Erfolg im vorigen Jahre zu verzeichnen gehabt, es wurde ihm möglich, acht Mütter und 18 Kinder in die Colonie aufzunehmen, während 3934 Mütter mit 8675 Kindern an den zahlreichen Tagesausflügen teilnahmen. Für alle diese Unternehmungen wurden ca. 45,000 M. verausgabt, ungerechnet die reichen Spenden in Nahrungsmitteln, die dem Comite zufliessen. Wie seht man hier bemüht ist, den arbeitenden jüdischen Klassen verständige Erholung zu verschaffen, dafür spricht auch die Thätigkeit des Social-Comites der Educational Alliance, welche während der letzten Saison 26 Unterhaltungsabende mit einem Kostenaufwands von ca. 6000 M. veranstaltete ausserdem eine Kunstausstellung im jüdischen Viertel, die von mehr als 110,000 Personen besucht wurde. Trotzdem die Gemälde etc. von reichen jüdischen Mäcenen geliehen waren, verursachte dieselbe doch noch eine Ausgabe vor ca. 4000 M.

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