Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Mts. vormittags 10 Uhr stattfindet, und zwar durch Herrn Rabbiner Dr. Rosen zweig in der Neuen Synagoge und durch Herrn Rabbiner Dr. Maybaum in der Synagoge Lindenstrasse. — Die von dem Repräsentanten-Collegium beschlossene Erhöhung der Remuneration für den Religionsunterricht an den königlichen Gymnasien ist behördlicherseits geneh-־ migt worden. — Für den an den hohen Festtagen in geeigneter "Weise einzurichtenden Jugendgottesdienst werden schon jetzt Vorbereitungen getroffen. Der Vorstand hat bereits einige Lehrkräfte zur Leitung des Gottesdienstes herangezogen, auch die Frage nach geeigneten Lokalitäten hat schon zum Teil eine befriedigende Lösung gefunden. — — Die jüdische Gemeinde in Berlin kann in diesem Jahre den 200. Gedenktag der ersten hebräischen Presse feiern, die merkwürdigerweise nicht die Gründung eines Juden, sondern eines protestantischen Hofpredigers und Professors Daniel Ernst Jabionski war und 1697 unternommen wurde. Warschoinlich hätte ein Jude auch damals nicht die Konzession dazu erhalten. Der erste bekannte Druck, der Text der Psalmen, ist Mitte September 1797 erschienen, aber ohne Angabe der Offizin oder des Herausgebers. Der erste Factor der Druckerei war Jehuda Lob Neumark, ein interessanter Mann, dessen Schutzbrief dahin lautete, dass er bereits zehn Jahre an verschiedenen Orten, wie Marburg, Hanau, Frankfurt a. M., ״viel Christen mancherlei alters und condition, darunter auch Prediger, Doktores und Professores Theologiae in Hebräischen, Chaldäischen und Rabbinischen Wissenschaften treulich informieret“ habe. In demselben Schutzbrief wird ihm jeder Handel verboten, infolgedessen wurden ihm auch auf eine Klage sämtlicher Berliner Buchhändler die Bücher, die er sich hatte kommen lassen, mit Beschlag belegt, später aber wieder freigegeben. Das Verzeichnis dieser Bücher weist nur wenige hebräische auf, dafür aber zehn Gesangbücher Luthers und derartige Schriften. Neumark scheint übrigens bei der damaligen Berliner Orthodoxie nicht gut angesehen gewesen zu sein, denn sie verhängte über ihn den Bann und schloss ihn vom Besuch der Synagoge aus. Erst auf eine scharfe Drohung der Regierung wies man ihm einen bescheidenen Platz in den Privatsynagogen von Jost Liebmann und Wolf Salomon an. Vereins-Schau. Die ״Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner ZU Berlin“ hielt am 29. Mai im Vereinslokal eine wissenschaftliche Sitzung ab. Es wurden zunächst nähere Einzelheiten über die Reise zum Verbandstage nach Frankfurt festgesetzt und dabei konstatiert, dass der grösste Teil der Mitglieder an den Verhandlungen des Provinzialvereins teilnehmen wird. — Unter allgemeiner Zustimmung gab alsdann ein Mitglied des Vereins seinem Bedauern über die Vorgänge in der Repräsentantenversammlung vom 25. April Ausdruck. Dort hätten nach dem Berichte der Zeitungen zwei Mitglieder des Repräsentantenkoilegiumsrin öffentlicher Sitzung die Thätigkeit einiger Religionslehrer an königlichen Lehranstalten einer abfälligen Kritik unterzogen, die um so bedauerlicher sei, als sie sich auf ein durchaus nicht zureichendes Material stütze; solche öffentliehe Kritisierung schädige nicht nur die Autorität des Lehrers, sondern sei auch geeignet, den Religionsunterricht, dessen Wertschätzung in den Augen des Publikums leider ohnedies eine sehr geringe sei, um den letzten Rest der Achtung zu bringen. Nach Erledigung dieser Angelegenheit beriet die Ver- Sammlung über die vom Kollegen Auerbach zur Diskussion gestellten Thesen. An die erste These knüpfte sich eine längere, sehr angeregte Debatte, die schliesslich zur Annähme der These führte. Da inzwischen die Zeit schon sehr vorgerückt war, musste die weitere Diskussion auf die nächste Sitzung, die am 26. Juni stattfinden wird, vertagt werden. Die Thesen sollen im nächsten Bericht im Zusammenhang veröffentlicht werden. Die seit 1813 bestehende ״Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden“ hat zur Zeit, wie in der Generalversammlung mitgeteilt wurde, 71 Lehrlinge in Pflegschaft, 14 weniger als im Vorjahre, in Folge der vollständigen Scheidung zwischen dem Verein und dem jüdischen Lehrlingsheim in Pankow. Unter den Lehrlingen befinden sich Maschinentechniker, Zahntechniker, Bildhauer, Maler, Lithographen, Musterzeichner, Stuckateure, Vergolder, Uhrmacher, Friseure, Goldarbeiter, Juweliere und vor allem viele Schlosser. Von den Unterstützungsge suchen zum Geschäftsetablissement ist nur eins bewilligt worden, die übrigen mussten abgelehnt werden, teils wegen zu jugendlichen Alters der Bewerber, teils wegen des ungenügenden Ausweises über hinreichende Thätigkeit im Handwerksberuf, teils wegen Mangels selbst geringer eigener Ersparnisse während der Gesellenzeit. 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