Berliner Vereinsbote
- Journal
- Berliner Vereinsbote
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 22 (28.5.1897)
- Date
- 1897-05-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gehört aber nach wie vor dem Curatorium an, und seine Wirksamkeit bleibt auch fernerhin der Lehranstalt erhalten. Die Lehrer, welche das Curatorium seit Begründung der Hochschule bis heute berufen hat, sind männiglich bekannt, sowohl nach ihrer Bedeutung in der Wissenschaft, wie auch nach ihrem religiösen Standpunkte. Nach der ersten Berufung, bei Eröffnung der Hochschule, hat dem Curatorium während der 25 Jahre noch fünf Mal die Pflicht der Lehrerwahl obgelegen, und diese Pflicht ist stets erfüllt worden in treuer Wahrung des Gedankens, aus dem die Lehranstalt entsprungen ist. In keinem Palle war der religiöse Standpunkt, in jedem Falle war die Wissenschaftliehe Bedeutung des Gewählten für die Wahl massgebend. Wie in dem ersten Lehrercollegium, so war auch in der fünfmal wechselnden Zusammensetzung desselben eine Verschiedenheit des religiösen Standpunktes vorhanden: die Einigkeit des Lehrercollegiums und die ihm obliegende Pflicht, ״lediglich im Interesse der Wissenschaft zu lehren“, ist dadurch nicht beeinträchtigt worden. Der gegenwärtige Senior des Lehrercollegiums, Prof. Dr. H. Steinthal, gehört demselben seit Eröffnung der Anstalt an; mit ihm bildeten Dr. David Cassel, Dr. Abraham Geiger und Dr. Israel Lewv das erste Lehrercollegium. An Stelle des im October 1874 aus diesem Leben abberufenen Dr. Geiger ist Dr. P. F. Frankl in das Collegium eingetreten. Dr. Lewy ist 1883 einem Rufe nach Breslau gefolgt; als sein Nachfolger ist Dr. Joel Müller berufen worden. Dem im Jahre 1887 heimgegangenen Dr. Frankl folgte Dr. S.Maybaum, und als Nachfolger des 1893 verstorbenen Dr. Cassel ist Dr. M. Schreiner berufen worden. Nach dem Tode des Dr. Müller im November 1895 sind die talmudischen Disciplinen von Dr. E. Baneth während 3 Semester provisorisch gelehrt worden. Derselbe ist nunmehr als ordentliches Mitglied in das Lehrercollegium eingetreten. Dieses wird somit von den Herren Prof. Dr. Steinthal, Dr. Maybaum, Dr. Schreiner und Dr. Baneth gebildet. Während des 25jährigen Bestehens haben im ganzen 168 ordentliche Hörer die Wohlthaten der Anstalt genossen; die meisten von ihnen haben hier ihre wissenschaftliche Ausbildung für ihren Lebensberuf als Rabbiner, Prediger, Religionslehrer erhalten. Ein Drittel der Hörer entfällt auf Deutschland, die übrigen waren Ausländer, vorzugsweise aus Oesterreich- Ungarn, dann auch aus Russland und Amerika. Aus der Semesterliste von 1872—1897 ist die stetig fortschreitende Vermehrung der deutschen Reichsangehörigen ersichtlich. Dieselben bildeten in jedem der letzten sieben Jahre die grössere Hälfte der Hörer überhaupt. Sämtliche Höret -— Inwie Ausländer —, waren matari. — Neben den ordentlichen Hörern haben 140 Hospitanten an den Vorlesungen teilgenommen, die aus verschiedenen Ländern stammen und verschiedenen Fakultäten angehörten. Es ist wohl nicht allen bekannt, dass bei der Lehranstatt eine Präparandie besteht, die jetzt lediglich zur Abhilfe des im jüdischen Wissen etwa vorhandenen Mangels bestimmt ist und sich erfreulicherweise auch nur auf einige wenige Hörer bezieht. Von jeher galten im Judentum die Armen als die Träger der Wissenschaft und waren der Pflicht dankbarer Fürsorge warm und streng empfohlen. Dass das Bewusstsein solcher Pflicht auch in unserer neuen Zeit noch lebendig ist, dafür ist die Stipendienkasse der Anstalt ein - beredtes Zeugnis. Die Stipendienkasse hat eingenommen 94 727 Mk., verausgabt 88 862 Mk. Dank der eigenen Initiative besteht seit 1890 eine unter den Auspicien des Herrn Dr. Maybaum gegründete Darlehnskasse der Hörer. Dieselbe hat zur Zeit einen eisernen Fonds von ungefähr 2500 Mk. (S. Vereinsschau.) Dem Wohlwollen des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde verdankt die Lehranstalt die Einrichtung der sabbathlichen Uebungspredigten, die jedenfalls als eine wesentliche Förderung derjenigen Hörer erachtet werden müssen, die sich dem Rabbinerbez. Predigerberufe widmen. Wie von ausserhalb werden seit dem Jahre 1884 auch von dem Vorstande zu den ausserordentlichen Festtagsgottesdiensten Hörer der Lehranstalt, und zwar in stets wachsender Zahl, berufen. Im Jahre 1896 haben 10 unserer Hörer vor etwa 8000 zum Gottesdienste versammelten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Berlins das Wort Gottes verkündet. — An den Religionsschulen der jüdischen Gemeinde Berlins sind zur Zeit 3 ehemaliger 5 gegenwärtige Hörer der Anstalt angestellt. So glauben wir denn, unsern Lesern ein — wenn auch nicht vollständiges und erschöpfendes — Bild von de Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums gegeben zu haben. Es erübrigt noch, all der Hingabe und Opfer- Willigkeit zu gedenken, mit der das Curatorium, an seiner Spitze Herr Geh. S.-R. Dr. S. Neumann, die Interessen der Anstalt allezeit zu fördern bestrebt gewesen ist. Der unermüdlichen Fürsorge des Curatoriums ist es neben der erspriesslichen Thätigkeit des Lehrercollegiums zu danken, dass die Anstalt einen so erfreulichen Aufschwung genommen und eine der ersten Pflegestätten für die Wissenschaft des Judentums geworden ist. So möge die Anstalt weiter erstarken und eine treue Hüterin der religiösen Güter des Judentums bleiben! Synagogen- und Vereins-Anzeigen. Jüdische Gemeinde. Gottesdienst. Freitag, den 28. Mai in allen Synagogen abends lxj2 Uhr. Sonnabend, den 29. Mai in der alten SyüagOge morg. 81/z Rhr, in den übrigen Synagogen morgens 9 Uhr. Predigten: vorm. 91/2 Uhr: Neue Syn. Herr Hab. Dr. Weisse. Vorm. 10 Uhr: Lindenstr.-Syn. Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig. Ingendgottesdienft Nachm 4 Uhr Neue Synagoge Herr Rabbiner Dr. Stier. Predigt: nachm. 4 Uhr: Alte Syn. Herr Rabb.-Kand. Dr. M. Rachmufli. Adeudgotteodienst 9 Uhr 9 M.n Gottesdienst an den Wochentagen in allen Synag. morgens 672 Uhr und abends 6lf2 Uhr. Sonntag, den BO. Mai, vorm. 1072 Uhr: Neue Synagoge. Einsegnungd.Konfirmandinnen durch Herrn Rabb. Dr. Weisse. Verein Linath Hazedek I. (Alter Verein, gegründet 1890.) Der ergebenst Unterzeichnete sagt hiermit allen, welche in irgend einer Weise an dem überraschenden Erfolge des von ihm zum Besten seiner Kasse am 20. d. M. veranstalteten Sommerfestes beigetragen haben, vor Allen den Herren, welche hochherzig und liebenswürdig durch ihre geachteten Namen das gute Werk unterstützten, wie den Comitemitgliedem, sowie den Besuchern des Festes herzlichsten Dank. Hochachtungsvoll Vorstand des Humanitäts-Vereins Linath Hazedek I. Gesellschaft zur Verbreitung: der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preussischen Staate, gegründet 1813. Die General-Versammlung ®־*״י‘ am Sonntag, den 30. Mai 1897, Mittags 12 Uhr präcise, in der Aula der Gemeinde-Knabenschule, Grosse Hamburgerstr. 27, statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft. 2. Kassenbericht, Z. Bericht der Revisoren und Ertheilung der Decharge. 4. Wahl, Der Vorstand._ Verlags- und Sortiments-Buchhandlung, Berlin 0.9 Rosenstrasse 17. Allgemeine Literatur, Musikalien, Schulbücher Spezialität: Judaica und Hebraica. Gebetbücher, Tallesim in Wolle und Seide u. 8. w. in grosser Auswahl stets auf Lager. Bestellungen nach ausserhalb werden schnellstens ausgeführt. Albert Kats. Verein ״Schomre schabbos. Stell ungsuchenden, die den . Beitrittserklärungen nimmt ent- Sabbath halten, wird Beschäftigegen und Auskunft erteilt gung nachgewiesen und Unter- J £>ouis Beoker, Linienstr. 71 Stützung gewährt. 1